7 Kinderbücher ohne Rollenklischees

Nicht alle Mädchen möchten Prinzessin werden. Jungs wollen vielleicht auch mal Gefühle zeigen. Das Gleichstellungsbüro hat eine Liste mit Büchern gemacht, die für einmal nicht die typischen Rollenklischees bedienen.

Entspricht nicht dem klassischen Rollenklischee: Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter.

Nicht alle Mädchen möchten Prinzessin werden. Jungs wollen vielleicht auch mal Gefühle zeigen. Das Gleichstellungsbüro hat eine Liste mit Büchern gemacht, die für einmal nicht die typischen Rollenklischees bedienen.

Kinder- und Jugendbücher mit Mädchen oder Frauen als Protagonistinnen? Schwierig zu finden. Geschichten über Mädchen, die Abenteuer erleben und Gefahren suchen ebenso. Genauso wenig Platz findet in der Literatur die emotionale Seite der männlichen Protagonisten, die nicht immer Pilot oder Fussballspieler sein müssen.

Auffallend oft ist die Hauptrolle in den Büchern männlich, der weibliche Part wartet in rosarot auf den Prinzen. Das ist nicht immer so, aber viel zu oft.

Im folgenden Video der «Rebel Girls» haben eine Mutter und ihre Tochter alle Bücher aus einem Regal genommen, die gar keine oder nur eine äusserst passive Protagonistin haben. Schauen Sie mal, wie viele da noch übrig bleiben:

Wie sollen die Mädchen einmal selbstbewusst in die Welt gehen, wenn die Bücher ihnen vorgaukeln, ihre wichtigste Aufgabe sei es, hübsch auszusehen und sich einen Mann zu suchen? Und wie sollen Männer einfühlsame Väter werden, wenn Bücher ihnen vorgaukeln, sie müssten immer nur stark sein und die Welt erobern?

Doch es gibt auch andere Literatur: Das Gleichstellungsbüro des Kantons Basel-Stadt hat eine Liste mit 55 Büchern erstellt, die es den Kindern und Jugendlichen ermöglichen soll, «unterschiedliche Geschlechterbilder zu entdecken und sie in der Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit zu stärken».

Hier kommen sieben Werke aus dieser Liste. Eine Auswahl aus der Auswahl quasi. Vielleicht erkennen Sie das eine oder andere wieder.

1. Herr Hase und Frau Bär

Christa Kempter (Text), Frauke Weldin (Illustration). NordSüd Verlag (2015).

Herr Hase ist klein und ordentlich. Frau Bär ist riesig, liegt gerne im Bett rum und bekleckert die Zeitung mit Honig. Sie ist die neue Mitbewohnerin von Herrn Hase und das gefällt diesem anfangs so gar nicht – bis Frau Bär ein Fest macht. 

Fazit: Eine herzige Geschichte über die Schwierigkeiten des Zusammenlebens.

2. Die dumme Augustine

Otfried Preussler (Text), Herbert Lentz (Illustration). Thienemann-Esslinger Verlag (1971).

Der dumme August ist Clown im Zirkus und verdient das Geld für die Familie. Seine Frau, die dumme Augustine kümmert sich um die Kinder und den Haushalt. Als August einmal wegen Zahnschmerzen nicht auftreten kann, springt Augustine für ihn ein. Und macht ihre Sache so gut, dass die beiden sich entscheiden, die Auftritte und die Hausarbeit künftig aufzuteilen.

Fazit: Unnötige Vorurteile, die sich ganz einfach auflösen lassen. Das Buch erschien vor über 40 Jahren.

3. Ab heute sind wir cool

Susann Opel-Götz. Oetinger Verlag (2007).

Leo und Mug wollen cool sein: Cola trinken, Gruselfilme anschauen und rülpsen. Aber wenn sie rülpsen, gibts kein Dessert und eigentlich würden sie sich ja sowieso lieber die Sendung mit der Maus anschauen. Deshalb verschieben sie das Coolsein halt einfach auf später.

Fazit: Es sind nicht immer nur Mädchen, die unter Druck stehen und mit Rollenklischees zu kämpfen haben. 

4. Hat Pia einen Pipimax?

Thierry Lenain, Delphine Durand. Oetinger Verlag (2002).

Paul hat eine klare Vorstellung von Jungs und Mädchen: Jungs haben einen Pipimax und Mädchen haben keinen und sind sowieso langweilig. Dann trifft er Pia, die auf Bäume klettert und genauso gerne Fussball spielt wie er. Paul ist verwirrt und fragt sich, ob Pia wohl auch einen Pipimax hat. Sie erklärt ihm, dass sie eine Pipimaus hat.

Fazit: Eine Geschichte, die zeigt, wie verwirrend Geschlechterrollen und -stereotypen für Kinder sein können.

5. Ronja Räubertochter

Astrid Lindgren. Oetinger Verlag (1982).

Der Klassiker von Astrid Lindgren erzählt die Geschichte von einem abenteuerlustigen Mädchen, das sich gemeinsam mit ihrem Freund Birk Borkasohn gegen gefährliche Kreaturen wie Wilddruden und Rumpelwichte durchsetzen muss. 

Fazit: Weg vom Bild des kleinen, ängstlichen Mädchens, hin zu einer starken Hauptdarstellerin.

6. California Dreaming

Pénélope Bagieu. Carlsen Verlag (2016).

Die Graphic Novel beschreibt den Werdegang der übergewichtigen Cass Eliott (The Mamas & The Papas), die leidenschaftlich gerne singt und tanzt. Wegen ihres Übergewichts hat das Mädchen in der Schule zu kämpfen und auch im Showgeschäft wird es schwierig. Dank ihrer grossartigen Stimme, dem Selbstvertrauen und tollen Freundinnen schafft sie es trotzdem, ihren Traum zu leben.

Fazit: Ein Buch über Selbstvertrauen und Akzeptanz.

7. George

Alex Gino. Fischer Verlag (2016).

In dieser Geschichte geht es um George, ein Mädchen, das im Körper eines Jungen steckt. Bei der Inszenierung eines Theaterstücks will George die weibliche Hauptrolle spielen und allen zeigen, dass sie ein Mädchen ist.

Fazit: «George» ist ein Buch über die Suche nach der eigenen Identität und über Freundschaft.

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In der Buchhandlung Orell Füssli an der Freie Strasse 32 werden vom 6. Juni bis am 15. Juli 2017 im Schaufenster und in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Buchhandlung ausgewählte Bücher aus der Literaturliste des Gleichstellungsbüros präsentiert.

Konversation

  1. 8. Die Bibel

    Viele, vor ein paar tausend Jahren

    Starke Frauen, schwache Männer, Riesen, unbändige Naturgewalten, wilde Tiere, fröhliche Musikanten und sprechendes Buschwerk (etc. pp).

    Fazit: Ein verwirrendes Buch über «das Denken» (und wie man das in jedem Alter selbst tun kann, ohne es sich vorschreiben zu lassen).

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  2. > Fazit: Eine Geschichte, die zeigt, wie verwirrend Geschlechterrollen und -stereotypen für Kinder sein können.

    Ich kenne keinen einzigen, der durch irgendwelches Verhalten „verwirrt“ gewesen wäre.

    Aber wir waren auch vor 1995 und nach 1975 geboren, für uns waren alle einfach Menschen.

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