«Alles wird manipuliert und zensiert» — Was denken Sie über die Medien?

Medienberichte kritisch zu hinterfragen, gehört für die Baslerinnen und Basler ganz selbstverständlich dazu. Im zweiten Teil unserer Serie zur Mediennutzung erzählen Passantinnen und Passanten, wie sie sich eine Meinung bilden.

Stephanie Buser (23), Sozialpädagogin aus Basel

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Medienberichte kritisch zu hinterfragen, gehört für die Baslerinnen und Basler ganz selbstverständlich dazu. Im zweiten Teil unserer Serie zur Mediennutzung erzählen Passantinnen und Passanten, wie sie sich eine Meinung bilden.

Eine gewisse Skepsis beim Lesen einer Zeitung oder News-App ist wichtig. Da waren sich die Passantinnen und Passanten aus dem ersten Teil unserer Serie zur Mediennutzung einig. Besonders tricky: Wie soll man sich unter diesen Umständen eine Meinung bilden? Fünf Baslerinnen und Basler erzählen: 

«Ich sage das nicht, weil Sie von der TagesWoche sind!»



Roman Zimmermann (24), Personalassistent aus Basel

Roman Zimmermann (24), Personalassistent aus Basel (Bild: Hans-Jörg Walter)


Ich informiere mich hauptsächlich am Handy über das Newsgeschehen. Keine Zeitungen, elektronisch. Eigentlich nicht über Apps, sondern über Facebook – da ist ein bisschen alles dabei, was Freunde lesen. Ich selbst lese gerne TagesWoche-Artikel, bin auch Fan der TagesWoche-Seite auf Facebook. Nein, im Ernst, ich sage das nicht, weil Sie von der TagesWoche sind! Geld für Mediennutzung gebe ich praktisch keines aus.

Medien gegenüber bin ich grundsätzlich skeptisch eingestellt. Ich finde, eine kritische Einstellung ist da wichtig. Nicht, weil nichts stimmt, was in den Medien steht – aber es kann die Menschen schon sehr beeinflussen, sehr einseitig. Ohne, dass sich die Leute auf andere Ansichten einlassen. Das habe ich bei meinen Eltern gemerkt, leider. Ich versuche, da offen zu bleiben.

«Bei Sport-Ereignissen informiere ich mich sogar via Smartphone.»



Marie-Louise Gamma (77) aus Riehen

Marie-Louise Gamma (77) aus Riehen (Bild: Hans-Jörg Walter)

Ich informiere mich bei der «Basler Zeitung», die ich abonniert habe, und bei der SRF-Tagesschau am Abend. Für das ganz Lokale lese ich die «Riehener Zeitung». Was in der Region und in meiner Gemeinde so läuft, interessiert mich mehr als das, was im fernen Osten passiert. Trotzdem schaue ich kein Regionalfernsehen, «Telebasel» ist ja nicht mehr so «in».

Grundsätzlich bin ich bei allen Medienberichten skeptisch, weil es «die Wahrheit» nicht gibt. Meistens stimmt von beiden Seiten ein Teil der Information. Dann sollte man einfach immer zwischen den beiden Seiten abwägen und nicht stur alles glauben, was man hört oder liest. Bei ganz aktuellen Ereignissen schaue ich im Internet nach, weil ich dann bereits vor der nächsten Printausgabe Bescheid wissen will. Vor allem beim Sport: Wenn ich da während einer wichtigen Entscheidung unterwegs bin, schaue ich auf dem Smartphone die Resultate nach.

«Alles wird manipuliert und zensiert.»



Stephanie Buser (23), Sozialpädagogin aus Basel

Stephanie Buser (23), Sozialpädagogin aus Basel (Bild: Hans-Jörg Walter)


Ich habe keinen TV, schaue auch nie fern und lese keine Zeitung. Die meisten – allen voran «20 Minuten» und «Blick» – kann man höchstens gut zum Anfeuern brauchen. Wenn ich mich informiere, dann via Internet – am Laptop, nicht am Handy. Ich habe keine einzige News-App installiert.

Klar, die TagesWoche kenne ich auch, ich bin ja aus Basel. Die lese ich auch ab und zu, online. Ich finde aber, man kann den Medien nicht mehr trauen. Alles wird manipuliert und zensiert. Nein, ich kann ja nicht kontrollieren, ob Sie schreiben, was ich sage. Und ich glaube nicht, dass Sie das schreiben können, was Sie denken. Für Medien gebe ich kein Geld aus. Das Internet ist schon eine gute Sache, wenn man sich einmal über ein Thema umfassend informieren möchte. Dann muss man aber gut recherchieren und kritisch bleiben. 

«Ich informiere mich vor allem über Facebook.»



Milan Betic (29) aus Basel.

Milan Betic (29) aus Basel. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Ich informiere mich vor allem über Facebook, schaue auf meiner Timeline, was da so abgeht. Und klicke dann das an, was mich interessiert. Politik weniger, sondern vor allem Sport und Musik. Welche Medien ich da via Facebook nutze, weiss ich gar nicht so genau. Ich glaube auch nicht alles davon, vor allem wenn es um politische Inhalte geht. Beim Sport ist es einfacher, da gibt es klare Fakten. Bei Kriegsberichten zum Beispiel ist es nicht so einfach herauszufinden, was stimmt und was nicht. Medien manipulieren oft. Da mich Politik nicht sehr interessiert, achte ich da auch einfach nicht so drauf. Ich schaue lieber Dokus im Internet oder im Fernsehen und kann mir so eine Meinung über verschiedene Themen bilden.

Da ich jetzt früh arbeiten muss, komme ich nicht mehr dazu «20 Minuten» zu lesen. Das habe ich früher oft gemacht. Geld gebe ich für meinen Medienkonsum keines aus.

«Für eine App zu bezahlen, finde ich doof.»



Marco Zeltner (26) aus Basel.

Marco Zeltner (26) aus Basel. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Ich habe die «Watson»-App auf dem Handy. Und ich lese ab und zu «20 Minuten» und die «NZZ», diese aber nur in der Printausgabe. Für die App müsste man bezahlen, das finde ich doof. Oft dient mir auch meine Facebook-Timeline als Informationsquelle, da stosse ich teilweise auf interessante Berichte.

Ich habe keinen Fernsehanschluss, deshalb fällt für mich klassisches Fernsehen weg. Wenn, dann streame ich im Internet via «Zattoo». Aber sowohl Fernsehberichten als auch verschiedenen Online- und Printmedien vertraue ich nicht blind. Die NZZ sticht da aber positiv raus, der glaube ich. Sie berichtet ziemlich differenziert und neutral und ist vor allem nicht hetzerisch. Man liest die politische Meinung des Autors aus den Artikeln nicht raus und das finde ich gut. Schlecht finde ich in dieser Hinsicht den «Blick» und alle Boulevard-Magazine.

Wir wollen weiterhin wissen, wie Sie sich eine Meinung über das Weltgeschehen machen. Hier ist Platz für Ihre Gedanken und Ihre Meinung zum Thema: 

Konversation

  1. Dass das Verlinken auf einen Kanal, in dem es scheinbar zuviel der „Verschwörungstheoretiker“ gibt, als anstössig empfunden und darum zensiert wird, ist mehr als fragwürdig. Es ist eigentlich nur dumm. Weil die Voraussetzung, sich eine Meinung bilden zu können, genau auch solche Quellen beinhalten kann. Und zum Wort ‚Verschwörungstheorie‘: Auch Ermittlungshypothese genannt, kann eine Verdächtigung schon unangenehm sein, vor allem, wenn sie gegen einen selbst gerichtet ist. Als ich nachfragen wollte, warum denn mein Kommentar eingeweisst worden ist, wollte das das Webinterface meine Frage an die Redaktion nicht abschicken. Dreimal habe ich es probiert. Ironie der Technik, oder wie kann ich meine Hypothese aufstellen?

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    1. @hagenbach
      Ich habe dasselbe Problem auch schon erlebt und auch schon ein paarmal in der Community gelesen dass der Link zur Redaktion nicht funktioniert.
      Die Redaktion weiss davon?

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    2. Herr Hagenbach, Herr Stucki,

      Wenn ich die salopp-selbstverliebte Antwort Brönnimanns an die Adresse mfurs lese, weiss ich auch Bescheid über die selbstreflektiven Fähigkeiten dieses Schreibers.

      Die Antwort ist eine echte Bankrotterklärung.

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    3. hab das völlig anders interpretiert:
      wie bitte, ausgerechnet ein kommentar von @hagenbach* verschwindibus?

      jäso! ist jetzt aber schon richtig raffiniert – geht ja schinz um das manipulative der medien … also illustriert die redakion grad mal: sie KANN manipulieren. gemeinhin ist’s ja so wie mit der tv-kindersicherung: ohä, ein verbotener film – juppy, den pfeif ich mir rein (so als 11-järiger knirps)!

      der anreiz sich darüber zu wundern/ärgern, den verdeckten kommentar erst recht lesen zu wollen, ist doch auf jeden fall viel grösser als die vermeintliche zensur, oder nicht?

      hat mE voll funktioniert.

      (was ich mich selbst frage: wieso zum geier wurde der direkte draht zur redaktion gekappt? das halte ich nun für widersinnig. und der link hätte anschliessend nochmals reingehört, sonst führt’s zu verschwörungstheorien …)

      *wenn’s jetzt einer der meinen gewesen wäre oder vom @pfefferfresser … hätte nicht funktioniert – aber beim hagenbach’schen eben schon: ich würd’s mal als gütesiegel perzipieren 😉

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  2. Hier merkt man, dass die Tageswoche eine Quartierzeitung ist, wo sich die Leute kennen und gegenseitig unter Freunden mit der gleichen Agenda pushen, während aussenstehende unerwünscht sind.

    „Das Verbergen war ein kleiner Scherz von mir. (Herr Hagenbach hat schon über hundert Kommentare hier hinterlassen“

    Das können viele nicht wissen und es macht die TW auch nicht sympathisch.

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  3. „Ich informiere mich über Facebook“. Echt jetzt? Sind damit diese „Stand with us“ Artikel gemeint oder die Verunglimpfung von Grzimeks Tierwelt durch Katzenvideos oder die Beiträge von Heftig oder vielen „Lebensweisheiten“? Mir wird gerade richtig schlecht.
    Aber ich kann es auch verstehen. Die westlichen Medien blasen im Einklang mit den Regierungen zum Ansturm gegen Assad und Putin. Die Berichterstattung ist dermassen einseitig und durchsichtig, dass sie nicht stimmen kann. Die Lokalnachrichten glänzen durch Artikel über die neuesten Bahnen an der Herbstmesse und der alles entscheidenden Frage, ob es denn ein echter Schweizer war, der diese oder jene Tat begangen haben soll. In der Tageswoche hingegen finden sich interessante Artikel die manche Themen ausführlicher beleuchten. Dafür fehlt mir der internationale Teil weitestgehend.

    Und somit sind wir bei der Frage nach der Finanzierung angelangt. Ein klassisches Abonnement kommt für mich überhaupt nicht in Frage, da keine Zeitung in allen mir wichtigen Bereichen gut sein kann. So wie auch kein einziges gutes Restaurant eine endlos lange Speisekarte hat.
    Es gilt zu fokussieren und in diesem Bereich Höchstleitung zu bringen. Dann kann ich mir tatsächlich vorstellen, etwas für einzelne Artikel zu bezahlen. Höchstleitung bedeutet für mich nicht, meine Meinung bestätigt zu finden, sondern eine kritische und FUNDIERTE Auseinandersetzung mit den recherchierten Themen. Dies bedarf eines grossen Wissens neben dem Talent interessant schreiben zu können. Früher hatten Journalisten häufig zuerst ein Fach studiert und sich erst später dem Journalismus zugewendet – als Experten in ihrem Gebiet. Heute macht man ein Volontariat, berichtet über Hasenzüchter, wird als Freelancer angestellt und irgendwann gehört man vielleicht zu einer Redaktion. Alle machen alles, müssen sämtliche Medienkanäle bedienen. Wie soll das funktionieren? Kein Mensch kann das wirklich gut leisten. Und das merkt man und das ist auch der Grund, weshalb ich momentan nichts mehr für „News“ zahle. Ich bin mir bewusst, dass ich damit einen Teil zur Verschlechterung der Arbeitssituation der Jounalistinnen und Journalisten beitrage. Wenn sie beweisen, dass sie es können, dann kann ich und werde ich auch wieder deren Leistungen honorieren.

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    1. Ihnen wir umsonst schlecht: Ihr Post wird in seiner „Timeline“ nie auftauchen.

      Lassen Sie ihm doch sein zufriedenes Leben als Ameisen-Arbeiterin. Sein letztes Lächeln wird er seinen Facebook-„Freunden“ schenken: „Mensch, bist Du schön am sterben“ (wurde geteilt).

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