Am Ende wird doch die Vernunft gewinnen

Der aufgeklärte Zeitgenosse schüttelt angesichts des Weltgeschehens verzweifelt den Kopf. Aber keine Bange, Freunde: Der Zug des Fortschritts wird weiterfahren.

Der Zug des Fortschritts gerät immer wieder ins Stocken, doch Knackeboul glaubt an die Kraft der aufgeklärten Gesellschaft.

(Bild: Nils Fisch)

Der aufgeklärte Zeitgenosse schüttelt angesichts des Weltgeschehens verzweifelt den Kopf. Aber keine Bange, Freunde: Der Zug des Fortschritts wird weiterfahren.

Früher konnte man in der Geschichte zurückschauen und empört fragen: «Was habt ihr da nur angerichtet?!» Heute braucht man nur um sich zu schauen. Das Weltgeschehen erreicht inzwischen eine absurde Monstrosität, die einen aufgeklärten Menschen nur noch verzweifelt den Kopf schütteln lässt.

Und doch habe ich grosse Hoffnung, dass die Vernunft am Ende gewinnen wird. Diese Hoffnung nährt sich aus meinen Reisen und meinem regen Austausch mit jungen Menschen auf der ganzen Welt. Ich glaube, dass es in jeder Epoche, in jeder Gesellschaft und auf jedem Erdteil immer Menschen gab und gibt, die ihre Entscheidungen mit Vernunft prüfen.

Immer wieder waren vernünftige Denkschemen eingeschränkt durch Fieberschübe des Aberglaubens, des Fanatismus und falsch interpretierter Tradition. Immer wieder kämpfte sich die Vernunft durch ignorante Gesellschaften, Scheiterhaufen und religionsversehrte Minenfelder zur Freiheit, wo sie ihr Potenzial entfalten konnte. Unsere moderne westliche Gesellschaft ist ein Kind der Vernunft, der Aufklärung und der Wissenschaft.

Aufgeklärte Menschen führen keine Debatte darüber, ob Frauen gleich viel verdienen sollen wie Männer.

Während sich weltweit Männer mit phallischen Komplexen, Bärten, Hüten und Glatzen um die Auslegung von Grenzen und Religionen streiten, hat die Aufklärung die Gleichstellung von Frau und Mann, Schwarz und Weiss, Homo und Hetero weit vorangetrieben, haben Bildungsprogramme Millionen Menschen mündig gemacht.

Die moderne Gesellschaft ist eine Utopie mit Problemen, sie ist aber nicht das Problem selbst. Verursacht werden die Probleme einer progressiven Welt durch rückwärtsgerichtete Strömungen innerhalb der Gesellschaft. Aufgeklärte Menschen führen nämlich keine Debatte darüber, ob Homosexuelle heiraten dürfen sollen (Knackeboul über Schwulenhasser), ob man Flüchtlinge aus Kriegsgebieten aufnehmen soll, ob es strengere Waffengesetze braucht, ob Frauen gleich viel verdienen sollen wie Männer. Eine aufgeklärte Gesellschaft beantwortet all diese Fragen mit einem selbstverständlichen Ja!

Eine gesunde Gesellschaft sollte aus ihren Erkenntnissen und Errungenschaften das Beste machen und Herausforderungen der Gegenwart mit scharfem Verstand angehen, statt die Fehler der Vergangenheit als Heilmittel zu verkaufen.

Fieberschub des Irrationalen

Doch derzeit erlebt die moderne Gesellschaft gerade einen Fieberschub des Irrationalen, des Aberglaubens und des falschen Nationalstolzes. Auslöser dieser Krankheit sind meistens Angst und Angstmacherei. Der Mensch hat Angst vor Kriminalität, Job-Verlust und Krankheit und flüchtet sich in nationalistische Gefühle, übertrieben empfundene Gruppenzugehörigkeit, verstockte Tradition und Religion.

Die Welt dreht sich immer schneller, alte Werte werden hinterfragt und oft als unsinnig entlarvt, der Mensch ist verunsichert und sehnt sich nach klaren Formen. Nur dass das Leben jenseits erzählter Geschichten eben nicht ein umrandeter Pool ist, sondern eher ein Fluss mit ordentlich Zug. Ich würde gerne Riverrafting betreibend, die verschiedenen Arme des Flusses erkunden, statt mich abgekapselt treiben zu lassen, ohne zu merken, dass ich gerade dadurch auf den Abgrund zusteuere.

Viele der an sich freien Bürger der westlichen Welt wollen zurück in den Käfig der Ideologie.

Mit mir wollen das viele Millionen Menschen weltweit. Eine neue Generation, die sich den Herausforderungen der Neuzeit stellen will. Die die Errungenschaften der Wissenschaft zu schätzen weiss und gerade deshalb mitentscheiden kann, in welche Richtung sie sich bewegt. Menschen aus allen Ländern und Schichten, die der Bildung und dem Wissen mehr Gewicht geben als den Geschichten verblendeter Männer aus jahrtausendealten Büchern. Diese Menschen haben genug Power, um eine grosse Masse Verblendeter mittragen zu können in eine fortschrittliche Welt, in der körperliche und mentale Seuchen keinen Nährboden mehr finden.

Klar: Der Zug des Fortschritts gerät immer wieder ins Stocken. Der Comedian Jim Jefferies sieht vorn in der Lokomotive die Wissenschaftler, die Aufgeklärten und die Atheisten einheizen und für Vorwärtsbewegung sorgen, während sich in den Wägen hinten ein erschreckend grosser Teil der Menschheit wegen irgendeinem Fantasiegott streitet und die Fahrt bremst. Hier im Video zu erleben (ab 2:05):

Die Bremser werden gerade wieder mehr. Angestachelt durch die bestialisch dummen Taten anderer Intelligenzverweigerer und dem omnipräsenten Wort Terror, wollen viele der an sich freien Bürger der westlichen Welt zurück in den Käfig der Ideologie.

Das Verhältnis derer, die weltoffen, human und rational Entscheide fällen, und derer, die ihre Entscheidungen aufgrund von Identitätsfiktionen wie Religion, Rassenzugehörigkeit und Landesgrenzen fällen, beträgt heute etwa 50:50.

Die gespaltene Gesellschaft

Diese Spaltung zeigt sich weltweit und in allen Bereichen der Gesellschaft. Von der Ausschaffungsinitiative über amerikanische Waffengesetze bis hin zur Stierkampf-Debatte – überall sagt die Hälfte derer, die sich an der Diskussion beteiligen: «Das war schon früher so, man soll alte Bräuche nicht abschaffen, man muss die Migrantenströme an den Grenzen stoppen.» Die andere Hälfte findet: «Vieles, was zum Wohl der heutigen Gesellschaft dient, entstand durch Überwindung alter Gewohnheiten, durch wissenschaftliche Erkenntnis und Empathie, lasst uns danach handeln.»

Dieser Text ist für meine Freunde in Uganda – die täglich mit der Ungerechtigkeit eines pseudo-demokratischen Regimes kämpfen müssen (Knackeboul über seinen Aufenthalt in Uganda) –, für meine kurdischen/türkischen Freunde – die zuschauen müssen, wie ein gefährlicher Demagoge ihr Land in den Ruin treibt –, für alle aufgeklärten Menschen, die unter den Folgen der Unvernunft leiden.

Liebe Rationalisten weltweit, lasst uns unseren Lebenstil weiter zelebrieren, auch wenn es manchmal zum Verzweifeln ist. Rationalismus wird nicht kurzfristig alle Probleme lösen, aber er wird zur Erkenntnis führen, dass die Suche nach guten Lösungen ein langfristiges und erfolgversprechendes Projekt ist.

Konversation

  1. „Mit mir wollen das viele Millionen Menschen weltweit. Eine neue Generation, die sich den Herausforderungen der Neuzeit stellen will. Die die Errungenschaften der Wissenschaft zu schätzen weiss und gerade deshalb mitentscheiden kann, in welche Richtung sie sich bewegt. Menschen aus allen Ländern und Schichten, die der Bildung und dem Wissen mehr Gewicht geben als den Geschichten verblendeter Männer aus jahrtausendealten Büchern. Diese Menschen haben genug Power, um eine grosse Masse Verblendeter mittragen zu können in eine fortschrittliche Welt, in der körperliche und mentale Seuchen keinen Nährboden mehr finden.“

    Josef Stalin, Mao Tse-Tung und Pol Pot hätten es nicht schöner schreiben können.

    Und das mit den „mentalen Seuchen“ könnte direkt von Erdowahn stammen… Herzlichen Glückwunsch: Wir – die Guten – gegen sie – die Bösen/Hinterwäldler. Geht es noch etwas einfacher, guter Mann?
    70 Mio. Opfer des Sozialismus und 50 Mio. Opfer des Faschismus sollten eigentlich eine Warnung sein.

    Knackeboul scheint einfach ein linker SVP-Wähler zu sein.
    Wobei ich nicht wenigen SVPlern mehr Differenziertheit zutraue als ihm.

    Wie ich schon einmal erklärte – ich bin ein Anhänger der Grautöne.
    Schwarz-Weiss ist etwas für Pubertierende – oder Überforderte.

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  2. Wie immer Nett und sympathisch geschrieben Herr Kanckeboul, Nur: Solche stiblüten wie, 2Die gesellschaft ist eine utopie mit problemen“ doch bitte besser bleibenlasseoder zu erklären versuchen ! Konkret: eine „Utopie“ ist Ihrer wortbedeutung nach ein „Ort der NICHT oder – sinnvoller noch- NIRGENDS ist“
    Die Gesellschaft welche heute oder irgendwann war, oder ist, oder sein wird, ist eine bereits Konkrete solche, also eine konkretisierte Gesellschaft und damit gerade KEINE Utopie!
    Das Wort Utopie ist Sinnvollerweise niemals im Perfekt zu gebrauchen, sondern eben gerade ausschliesslich in einem Prozessualen, auf die Zukunft ausgerichteten Sinne also Zwingend im Imperfekt !
    Von daher verstehen sich dann auch die von Ihnen behauteten „Probleme“ von selbst, denn immer gibt es leider allzuviele altbackene Simpel, welche der Verwirklichung des Paradieses im Wege stehen – wir verstehen uns ??
    Ich wünsch Ihne dennoch ä schöne Sunntig !

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    1. Es muss wirklich heimelige Wohnzimmer geben, wo nur der Wärter noch den Schlüssel dazu hat, der aber im Flur Wache hält.
      …oder noch schlimmer: Auch im Wohnzimmer dabei ist und darin für Ruhe und Ordnung sorgt.

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