Auf der Piste in Sardinien

Sardinien ist viel mehr als weisse Strände und türkisblaue Buchten. Im Landesinnern findet man traditionelle Dörfer, kulturelle Schätze und einen Skilift im Sommerschlaf.

Fast wie zuhause: An den Hängen des Bruncu Spina weiden Kühe. (Bild: © Anzenberger Agency)

Von oben bis unten mustern sie uns im Supermercato in Fonni. Wir sind in den Bergen Sardiniens angekommen, dort, wo man nur noch schwer ein Hotel findet. Morgen wollen wir den zweithöchsten Gipfel der Insel erklimmen, heute irgendwo essen gehen.

Weil es aber dafür noch zu früh ist, fahren wir mit unserem Mietauto immer höher, um den Gipfeln näherzukommen. Wir passieren einen Holzschuppen, der mal ein Skilifthäuschen gewesen sein dürfte. Irgendwann fahren wir an einem Restaurant vorbei, das ganz alleine auf einem Hügel thront. Ein schönes Gebäude mit Terrasse und einem Blick in die Weite, der unbezahlbar scheint.

Pasta mit Minzenfüllung

Der Parkplatz ist riesig, unser Auto wirkt verlassen darauf. Vor dem Eingang sitzen ein paar Einheimische beim Bier. Ich frage, ob das Restaurant geöffnet sei. Der Kellner antwortet: «Ja, in einer halben Stunde.» Wir bestellen uns ein Ichnusa, das sardische Bier, das nach Abenteuer und Meer schmeckt.

Die Sonne gleicht mittlerweile einem rosafarbenen Ball, der bald schon hinter einem in weichen Dunst gehüllten Hügel abtauchen wird. Das Licht ist so speziell, dass selbst die Einheimischen aufstehen und mit ihren Handys Fotos schiessen.

Wir sitzen inmitten der 250 Gedecke, andere Gäste gibt es nicht. Das Essen ist ausgezeichnet.

Über diesem Naturschauspiel vergessen wir die Zeit und fragen erst nach einer Stunde, ob denn die Küche nun geöffnet sei. Der Kellner bittet uns ins obere Stockwerk und platziert uns in einem Saal, der für eine 250-köpfige Hochzeitsgesellschaft gedeckt ist. An jeder Stuhllehne prangt eine türkisblaue Schlaufe.

Wir sitzen inmitten der 250 Gedecke, andere Gäste gibt es nicht. Der Kellner stellt etliche Schüsseln mit Antipasti auf den Tisch. Dann sardische Teigwaren mit Kartoffel- und Minzenfüllung. Dessert. Dazu trinken wir Vermentino. Das Essen ist ausgezeichnet, der Service aufmerksam und freundlich. Schade, dass dieses Lokal nur der findet, der sich absichtlich verirrt.

Am nächsten Morgen steigen wir auf den Bruncu Spina. 1829 Meter hoch. Ein Skilift. Und weil wir den Wanderweg nicht finden, kraxeln wir die Skipiste hoch. Eingangs gibt es ein Haus, das im Winter gleichzeitig Talstation, Ticketkasse und Restaurant ist. Das halbe Dach fehlt.

Auch die meisten «Tellerli» des Skiliftes fehlen. Auf Youtube aber finden sich tatsächlich Filme von Snowboardern und Skifahrern, die im Winter hierherkommen und sich im Restaurant wie auf der Piste drängen. Es fühlt sich wie eine Zeitreise in die Winterferien der 1980er-Jahre an.

Die Aussicht vom Gipfel würde über halb Sardinien bis zum Meer reichen, wäre es nicht so dunstig. Oben finden wir nun auch den Wanderweg, der uns zurück zu unserem Auto bringt. Vorbei an Kuhherden wie zu Hause.

Schlemmen: im Restaurant Su Ninnieri.

Übernachten: im Hotel Sa Orte.

Ski fahren:  auf dem Bruncu Spina.

Konversation

  1. Links der Greenpeace-Eisbär, rechts der Reisetip, über’s Wochenende nach Sardinien zu fliegen. Vielleicht den CO2-Ausstoss doppelt kompensieren, wie es Al Gore machen würde? (Interview in An Inconvenient Truth, The Sequel)

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  2. Der Bruncu Spina ist Teil des Gennargentu Gebirges der das „Dach“ Sardiniens ist.
    Das Ichnusa Bier schmeckt leider nicht nach Abenteuer und Meer, es ist das Calanda Sardiniens, gehört auch dem Heinecken Konzern.
    Jedoch gibt es mittlerweile einige lokale Kleinbrauereien, welche vorzügliche Biere brauen. Schade haben Sie die verpasst.

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