Bälle mit Pistazien – warum Yann Sommer einen Foodblog betreibt

Er lässt sich beim Einkaufen auf dem Markt inspirieren, kocht gerne, isst noch lieber, fotografiert das Ganze und lässt Interessierte an seinen Rezepten teilhaben. Yann Sommer – früher Goalie des FC Basel, heute bei Borussia Mönchengladbach – über eine zweite Leidenschaft und seine Ausgehtipps in Basel.

Yann Sommer, «Sommer kocht».

(Bild: sommerkocht.ch/)

Er lässt sich beim Einkaufen auf dem Markt inspirieren, kocht gerne, isst noch lieber, fotografiert das Ganze und lässt Interessierte an seinen Rezepten teilhaben. Yann Sommer – früher Goalie des FC Basel, heute bei Borussia Mönchengladbach – über eine zweite Leidenschaft und seine Ausgehtipps in Basel.

Das jüngste Rezept heisst «Pasta Brava» und garantiert «Kraft nach einem harten Trainingsalltag»: «Ein Teller davon und eure Energiereserven sind wieder voll aufgeladen.» Ein anderer Vorschlag – Trockenobst-Kugeln mit einem Topping aus Pistaziensplittern und Acai-Pulver – hat das Motto «Am Ball bleiben». Und über den empfohlenen Chia-Pudding erfährt man, dass die heftig in Mode kommenden Samen «die Erholungszeit nach dem Sport» beschleunigten. Lauter Hinweise in der Diktion, dass hier kein ordinärer Sterne-Koch bloggt, der seinen Ruhm mehren möchte, sondern eher ein Leistungssportler. 

Yann Sommer muss tatsächlich darauf achten, was er so zu sich nimmt. Gleichzeitig möchte er auf seine ausgeprägte Vorliebe für geschmackvolles Essen nicht verzichten. Beides miteinander ausgesöhnt, und es springt eine besondere Küche heraus.



Cook it like Sommer: Der Fussballprofi lässt auf einer Webseite die Menschen an einer zweiten Leidenschaften teilhaben.

Cook it like Sommer: Der Fussballprofi lässt auf einer Website die Menschen an seiner zweiten Leidenschaft teilhaben. (Bild: sommerkocht.ch/)

Sie steht im Mittelpunkt der Website, die der formstarke Goalie der Schweizer Nationalelf sowie des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach seit geraumer Zeit pflegt. Dort wird der Fokus für eine gewisse Zeit vom Fünf-Meter-Raum weg auf ein ganz anderes Thema gelenkt – und was könnte einem Fussballer, der nicht ständig an Fussball denken will, mehr behagen?

» Sommer kocht

Der verlockende Düsseldorfer Markt

Sommer wirft sich, Sommer hält: Das mag gelten, so lange der in Basel aufgewachsene Profi am Borussia-Park sein Trainingspensum absolviert. Zurück im 35 Kilometer entfernten Düsseldorf, wo seine Wohnung ist, lässt der 28-Jährige jedoch gern vom Arbeitsleben los und widmet sich «Sachen, die dich komplett auf andere Gedanken bringen», wie er es formuliert.

Das kann eine Übungsstunde an der Gitarre oder am Klavier sein, aber eben auch eine Runde über den Karlsplatz am Rande der Altstadt. Dort lockt ein täglicher Markt mit all seinen Ständen: frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch.

«Dann hab ich einen Teller vor mir, auf den ich mich freue. Das bringt mich komplett runter.»
Hobbykoch Yann Sommer

Hier beginnt ganz häufig «Sommer kocht», wie der Foodblog heisst. Denn es gibt Abende, wie er erklärt, an denen ihm ein wimmliges Restaurant zu anstrengend ist. Also sucht er lieber schon mal aus, was er braucht, um sich später als Maître von eigenen Gnaden zu versuchen. «Ich setz mich dann am Ende hin und hab einen Teller vor mir, auf den ich mich freue», sagt er, «das bringt mich komplett runter.»

Wenn es anbrennt – ruf den Vater an

Nicht selten geht es dabei um «ein ganz einfaches Rezept mit frischen Zutaten», wie er sagt: «Ich lasse mich einfach inspirieren und probiere viel aus.» Und wie auf dem Spielfeld der Ehre, gelingt auch hier nicht immer alles. Mal ist ein Lammkarree viel zu lange im Ofen gewesen, mal wird Verbranntes aus der Pfanne gekratzt. «Dann rufe ich als Erstes meinen Vater an und frage ihn, was ich falsch gemacht habe», sagt er, «so lerne ich halt … Ich bin ja froh, dass ich Fehler mache, auch im Fussball, weil man durch jeden Fehler ein bisschen besser wird.»

Geniessen, was die Küche und das Leben hergeben: In der Familie hat das eine gründliche Tradition. Früher sei es manchmal nervend gewesen, erzählt er, wenn die Eltern beim Urlaub in der Provence sämtliche Höfe und Läden anfuhren, um sich dort mit Wein, Wild und Kräutern einzudecken.




Werkschau: Yann Sommer, der professionelle Torhüter, Hobby-Koch und -Fotograf. (Bild: facebook.com/Sommerkocht)

Aber geschmeckt hat das Nachtessen schon, wenn alle am langen Tisch zusammenkamen. Und als Youngster war er sich mit Kumpel Simone Grippo, derzeit beim FC Vaduz aktiv, bald einig: Man müsste mal ins Netz stellen, wie und was so ein Lizenzfussballer gerne isst, auch als Anregung zum Nachmachen.

Restaurant-Tipps vom Gourmet-Freak

In Basel hat Sommer davon mal einer Schweizer Redakteurin erzählt; die nahm ihn nach seinem Wechsel zu Borussia beim Wort und hilft ihm nun ab und zu bei der Endredaktion des Blogs. Mit «Cook it like Sommer» wurde ein witziges Motto gefunden, «und dann hab ich alle Mannschaftskollegen gezwungen, mir in den Netzwerken zu folgen», grinst er. «Ich habe sowieso den Ruf, ein Gourmet-Freak zu sein, und probiere auch, in unseren Hotels beim Buffet ein bisschen mitzureden.»

Inzwischen verfolgen über 10’000 Neugierige allein auf Instagram, was sich da in der Torhüterküche zusammenbraut – und welche Restaurants er zwischen Rheinfall und Niederrhein empfiehlt. Das macht zusätzliche Arbeit, weiss er, «aber es macht auch Spass und bringt mich auf andere Gedanken.» Und kaum etwas könnte schöner sein als ein Kompliment für die sinnenfrohen Fotos von den Gerichten, stimmig auf gemasertes Holz oder farbige Decken drapiert – eigens dafür hat er sich eine Profi-Kamera mit verschiedenen Objektiven besorgt.

» Yann Sommers Basler Restaurant-Tipps

Fotoenthusiast und Schokoladenfreund

«Mittlerweile habe ich zu Hause einen riesengrossen Bunker an Decken, Untersetzern und Holzsachen», stöhnt er ein bisschen. «Aber es macht mich auch stolz, wenn ich die abgebildeten Fotos sehe. Ich finde die inzwischen richtig gut.»

Es geht ja auch nicht darum, unbedingt jeden Tag, jede Woche etwas Neues abzusondern – oder zum Internet-Papst für fettarme Ernährung zu werden. Yann Sommer kann nämlich auch mal einen Burger ohne Reue geniessen, «aber dann esse ich eben einen guten Burger mit Pommes. Und eines ist auch klar: Ich werde immer Schokolade lieben.»

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