«Baloise Park» setzt ein markantes städtebauliches Zeichen

Die Baloise AG setzt beim Bahnhof SBB ein markantes städtebauliches Zeichen: Das «Baloise Park»-Ensemble besteht aus einem knapp 90 Meter hohen Hochhaus und zwei weiteren Bauten.

Es ist ein ganz besonderer Bauplatz. Seine Lage beim Bahnhof SBB in Blickrichtung Aeschenplatz macht aus ihm so etwas wie eine Visitenkarte für die Stadt. «Es handelt sich quasi um das Eingangstor zu Basel», sagte denn auch ein gut gelaunter Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels bei der Präsentation der Resultate des Architekturwettbewerbs für den sogenannten «Baloise Park», der den Hauptsitz der gleichnamigen Versicherung mit einem Hotel und weiteren Büroräumlichkeiten vereinen wird.

Bereits bekannt ist: Der Bau des Hilton Hotels beim Bahnhof SBB verschwindet. Ebenso bereits veröffentlicht wurde das Projekt eines knapp 90 Meter hohen Neubaus nach einem Entwurf von Miller & Marana Architekten, der den benachbarten BIZ-Turm um einige Meter überragen wird. Der Grosse Rat hat den entsprechenden Bebauungsplan bereits genehmigt. Das gesamte Neubauensemble wird aber aus drei Gebäuden bestehen. Nun wurde bekanntgegeben, wie die beiden zusätzlichen, 34 und 42 Meter hohen Bauten aussehen werden und von wem sie entworfen wurden.

Drei unterschiedliche Monolithe

Gemeinsam ist den drei Bauten, dass sie alle eine deutlich gerippeartige Fassadenstruktur aufweisen, ein steinernes, quaderförmiges Baugerüst quasi, das die Fensterfronten umrahmt. Damit hat es sich aber mit dem Gemeinsamkeiten. Während das Hochhaus von Miller & Maranta auf dem Baufeld A von einem streng regelmässigen Muster geprägt ist, gehen die beiden neu vorgestellten Bauentwürfe von Diener & Diener Architekten und Valerio Olgiati freier und spielerischer mit der Fassadenstruktur um.

Zu einem Verfremdungseffekt greifen Diener & Diener Architekten mit ihrem Entwurf für den 34 Meter hohen neuen Hauptsitz der Baloise AG, der an der vordersten Front zu stehen kommen wird. Die vier grauen Kunststein-Querbalken an der Aussenfassade markieren nämlich nicht jedes einzelne, sondern nur das jeweils zweite Stockwerk des Gebäudes – es umfasst nämlich insgesamt acht Etagen. Es ist also ein Bau, der von aussen gesehen in Sachen Höhe tiefstapelt.

Mit einer auffälligen Formenspielerei sticht das dritte, vom Bündner Architekten Valerio Olgiati entworfene 42 Meter hohe Gebäude hervor. Hervorstechen ist hier der richtige Ausdruck, denn dieser Bau liegt etwas eingezwängt hinter den beiden anderen zurückversetzt. Durch die eigenwillige Fassadenstruktur mit obeliskartig zugespitzten horizontalen Balken und dem rotbraun eingefärbten Beton zieht der versteckte Bau dennoch die Blicke auf sich.

Die Jury griff in den Bauplan ein

Dass er hinter die beiden anderen zu stehen kommt, war ursprünglich nicht so geplant. Denn auch Olgiati hatte ein Gebäude für die Frontpartie beziehungsweise das Baufeld B entworfen, auf dem nun der Bau von Diener & Diener zu stehen kommen wird. Die Jury des Architekturwettbewerbs war aber vom Entwurft so überzeugt, dass sie dem Architekten vorschlug, die Pläne so zu überarbeiten, dass der Bau in die zweite Reihe beziehungsweise aufs Baufeld C verschoben werden konnte.

Dadurch gingen die Architekturbüros leer aus, die speziell für das Baufeld C Entwürfe eingereicht hatten. Nach Angaben von Christine Binswanger, Jurysprecherin und Senior Partner des Büros Herzog & de Meuron, rechtfertigte die Qualität des Entwurfs aber diesen ungewöhnlichen Schritt. Wer sich in der öffentlichen Ausstellung im Lichthof des Baudepartements am Münsterplatz die anderen Entwürfe zu Gemüte führt, kann diesen Entschluss nachvollziehen.

Nicht aus einem Guss

Das Besondere am Bauensemble ist, dass es nicht aus einem ästhetischen und auch nicht aus einem funktionalen Guss zusammengesetzt sein wird. Es handelt sich um drei unterschiedliche Entwürfe, die auf dem Baufeld des «Baloise Parks» zusammenfinden und so an diesem städtebaulich bedeutenden Ort den Eindruck der Uniformität glücklicherweise umgehen werden. «Wir wollten diesen Eindruck bewusst vermeiden», sagt Martin Wenk, Leiter Asset Management der Baloise.

So verschieden der äussere Eindruck ist, so unterschiedlich ist auch der Inhalt. Der kleinste Bau von Diener & Diener markiert den Hauptsitz der Baloise. Im Gebäude von Olgiati sind die Schulungsräume der Versicherungs-AG und Fremdbüros untergebracht. Solche befinden sich auch in den oberen Stockwerken des Hochhauses von Miller & Maranta, in dem zudem ein Hotel mit 260 Zimmern Platz finden wird. Mieter ist das Mövenpick Hotel, das somit an der Stelle des heutigen Hiltons zu stehen kommen wird.

Baubeginn ist das Jahr 2015. Ende 2019 sollen die Gebäude fertiggestellt sein. Dann werden 700 Mitarbeitende der Baloise in den neuen Gebäuden arbeiten, die zusätzlich 1300 weitere Büroarbeitsplätze für Dritte enthalten werden. Das sind viele zusätzliche Büroarbeitsplätze auf einem Markt, der auch durch andere grosse Bauvorhaben in ein immenses Überangebot katapultiert werden wird.

_

Ausstellung der Projekte des Architekturwettbewerbs vom 26. November bis zum 3. Dezember 2014 im Lichthof des Bau- und Verkehrsdepartements am Münsterplatz 11. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.00 – 18.00 Uhr.

Konversation

  1. Gute Architektur sieht anderst aus. Schade, auch hier verpasst Basel eine Chance, die Stadt dort markant und modern auszubauen. Kubus-Architektur nicht vom feinsten,sondern vom langweiligsten!

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Vor allem entsteht da eine Art Architekturpark mit 3 sehr interessanten Bauten von 3 verschiedenen Architekten, darunter für einmal kein H&D-Bau, dafür in Koexistenz mit den interessanten BIZ-Bau und dem Bottabau. Der mit der Bahn anreisende Gast wird architektonisch mehr und mehr abgeholt, bevor es ins Altstadtzentrum geht. Gefällt.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. @Mayo
    Dies gehört zur heute überall geforderten Transparenz. Eben der gläserne Mensch
    Hinter solchen Gläsern kann man den Leuten bei allem was sie tun zuschauen. Beim arbeiten, beim Nasengrübeln, beim schäckern mit der Bürokollegin (was allerdings verboten ist) etc.
    Zur Zeit hat es bei den Toiletten noch Türen, wie lange noch?

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Bin ich wohl zu alt dafür?
    Diese Glaspaläse mit ein wenig Beton und Stahl oeden mich langsam ein wenig an. Es wiederholt sich immer wieder mehr oder weniger das Gleiche. Ich find es langweilig und phantasielos.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Ja und wereliewer vergibt das ok. zum bauen? Das Baudep. hat die Möglichkeit, dort Einfluss zunehmen, wo es grosse neue Gesamtüberbauungen gibt, und können dementsprechende Vorgaben machen, natürlich so, dass der gestalterische Spielraum bestehen bleibt. Aber eben all das ist nicht geschehen und somit bekommt Basel langweilige neue Bauklötze. In einem Anderen Forum hatte eine das gut beschrieben: „…im Stil der Wegwerfmentalität unserer heutigen Gesellschaft gebaut, nach 30-40 Jährli nur die Abrissbirne erfreuen.“

      Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel