BASF schiebt Anwohnerbedenken vor, um viel Geld zu sparen

Die BASF möchte ihren Giftmüll im Grenzacher Boden lassen und so viel Geld sparen. Zentrales Argument des Chemie-Multis ist die Belästigung der Wohnbevölkerung durch Lastwagen während des Totalaushubs. Ein falsches Spiel, wie sich bei genauem Hinsehen zeigt.

Das Lastwagen-Argument der BASF stinkt offensichtlich. (Bild: Matthias Strasser)

Die BASF möchte ihren Giftmüll im Grenzacher Boden lassen und so viel Geld sparen. Zentrales Argument des Chemie-Multis ist die Belästigung der Wohnbevölkerung durch Lastwagen während des Totalaushubs. Ein falsches Spiel, wie sich bei genauem Hinsehen zeigt.

Die Sanierung der Kesslergrube in Grenzach erhitzt die Gemüter. Während die Roche eine alte Giftmüllgrube ausheben und entsorgen wird, will die BASF gleich nebenan ein viel grösseres belastetes Gelände bestehen lassen. Zur Sanierung will BASF die Deponie unterirdisch einmauern und mit einer Deckfolie oberflächlich versiegeln. Geschätzte 15’000 Tonnen Giftmüll dürften so weiter direkt am Rhein schlummern. Das aus dieser Grube abfliessende Wasser ist belastet und wird bereits heute abgepumpt. Das Bundesland Baden-Würtemberg hat die Grube deshalb zum Sanierungsfall erklärt.

Nachhaltig oder nachhaltiger?

Rechtlich ist das Vorgehen der BASF zwar zulässig, wie ein Gutachten des Landratsamts Lörrach zeigt. Auch das Vorgehen der BASF sei «nachhaltig». Allerdings wäre ein Totalaushub laut Studie noch «nachhaltiger». Den Grenzachern stinkt der Giftmüll, der im Boden bleiben soll, gewaltig. Politisch setzt sich das Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen mit der Kesslergrube auseinander. Bei der TagesWoche kommentierte Community-Mitglied Fusnist: «Ich bin aus Grenzach, und welche Sturheit und Arroganz BASF hier an den Tag legt, ist unglaublich.»

Die «Kesslergrube»-Deponie ist bei weitem nicht die einzige in der Region Basel. Unsere Deponienkarte zeigt in der Übersicht, wo überall in der Region noch Gift liegt.

Die BASF hüllt sich derweil in die Fetzen der Nachaltigkeit, die übrig bleiben. Auf Anfrage der TagesWoche schreibt das Unternehmen: «Die BASF nimmt ihre Verantwortung für die Altablagerung Kesslergrube wahr und setzt sich für eine nachhaltige Sanierung der Deponie ein.» Dass die Firma anders vorgeht als die Roche bei der Deponie nebenan, begründet BASF damit, dass das Areal rund doppelt so gross und dichter bebaut sei als das der Roche.

Gemeinderat: «Nicht nachhaltig»

Allerdings teilen nicht alle Parteien die Einschätzung der BASF: Der Gemeinderat (das Parlament der Gemeinde) hat am Dienstag einstimmig eine Stellungnahme verabschiedet, wonach die Sanierungsmethode der BASF für nicht nachhaltig befunden wird. Monika Neuhöfer-Avdic, Leiterin des Bauamts Grenzach-Wyhlen äussert sich ebenfalls kritisch zu den Plänen: «Aus Sicht der Gemeinde ist dieses Vorgehen bedauernswert. Damit werden die hochwertigen Flächen direkt am Rhein nicht nachhaltig saniert.»

Bleibt der Giftmüll im Boden, kann die Gemeinde das Land nicht ohne Weiteres nutzen. Auch die Folgekosten, die durch spätere Sanierungen der Ummantelung entstehen können, seien nicht abschätzbar, so Neuhöfer-Avdic. Sicher sei: «Es wäre ein besseres Gefühl, wenn das Material endgültig aus dem Boden geholt wird.» Das Vorgehen der BASF in Sachen Kesslergrube scheint damit zwar rechtlich zulässig, aber langfristig nicht die bestmögliche zu sein.

BASF will Sondermüllentsorger

Die BASF hingegen weist darauf hin, dass ein Totalaushub der Deponie mit gravierenden Folgen für die anliegende Wohnbevölkerung verbunden wäre. Während mindestens 15 Jahren würden Lastwagen durch die umliegenden Quartiere fahren, liess der BASF-Projektleiter Livio Ulmann verlauten.

Seine Gegner vom Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen stellen aber klar, dass sich ausgerechnet die BASF für die Einrichtung eines Sondermüllentsorgers in Grenzach-Wyhlen einsetzt. Dieser würde «bei Auslastung seiner beantragten Kapazitäten täglich bis zu 80 LKW-Ladungen» hochgiftigen Müll nach Grenzach bringen, wie die Gegner in einem offenen Brief schreiben. Die Bemühungen um Schonung der Wohnbevölkerung lösen sich damit in Schall und Abgas auf.

Konversation

  1. Der ‚Basf‘-Teil der Grube war früher als Geigy-Grube bekannt. Damals war es Standard, dass man Chemiemüll einfach in einen Fluss oder unter dem Boden entsorgte. Auch die intelligentesten ETH Chemiker kannten nichts anderes! Am Unterlauf des Rheins scheint dies immer noch (teilweise) der Fall zu sein. Vom Baden im Rhein wird an Orten wie Köln und Düsseldorf durch die Behörden gewarnt. Beide Orte befinden sich bekanntlich unterhalb von Ludwigshafen und Leverkusen!

    Basf hat einen Teil der Deponie Kesselgrube mit dem Kauf von Ciba übernommen. Das sind eben die Risiken wenn man eine chemische Firma kauft. So ein Kauf verpflichtet. Mitarbeitende kann man später – trotz vielen schönen Worten/Halb-Versprechungen – abbauen und Arbeitsplätze verlagern. Hoffentlich verhindern die Behörden, dass man Deponien einfach zubetoniert und irgendwie vergisst. Sanieren/bezahlen muss die Devise sein.

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  2. Samt pinzette wandere ich also mit meinem schiggi.wauwau brav zum robidog – und die haben ihre hüffeli schinz einfach irgendwo verscharrt? weigern sich gar, sie wenigstens wieder auszugraben: Söiniggel findi!

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  3. «Die BASF weist darauf hin, dass ein Totalaushub der Deponie mit gravierenden Folgen für die anliegende Wohnbevölkerung verbunden wäre. Während mindestens 15 Jahren würden Lastwagen durch die umliegenden Quartiere fahren, liess der BASF-Projektleiter Livio Ulmann verlauten.»

    Da wir den Rhein ja direkt vor der Nase haben, könnte man sich bequemen ein Konzept zu entwickeln, welches die Schifffahrt als Transportoption vorsieht.

    BASF hat diese Sauerei verursacht, jetzt sollen sie ihr gesamtes Know-how und ihre fachliche Kompetenz nutzen, um ihren Chemiemüll anständig zu entsorgen. Nicht herumeiern, sondern handeln!

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    1. vom verseuchten gebiet bis zum rhein sind es maximal 50meter. die roche lässt für den aushub extra eine schiffsanlegestelle bauen. soviel dazu.
      hr. meury, ich bin mir nicht sicher aber der giftmüll stammt meines wissens von der roche. BASF hat einen teil des rochekomplexes damals aufgekauft und mit ihm die altlasten.

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    2. «Ein Drittel des Geländes muss Roch sanieren, der Rest gehört BASF, seit sie 2009 die Ciba Spezialitätenchemie gekauft hat. Roche will das Problem ein für alle Mal loswerden. Entsprechend nimmt der Basler Pharmakonzern rund eine Viertelmilliarde Euro an die Hand, um den Chemiemüll auf dem Perimeter 1 der Kesselgrube in Grenzach auszugraben und fachgerecht entsorgen zu lassen».
      Daniel Haller, Basellandschaftliche Zeitung vom 26.7.2014

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