Basler Pop-Preis-Träger werfen das Handtuch

2012 verlieh ihnen eine Jury den Basler Pop-Preis. Den Gewinn von 15’000 Franken haben Slag in Cullet in ihr drittes Album gesteckt. Doch statt eines Veröffentlichungstermins geben sie jetzt ihr letztes Konzert bekannt.

Sind Geschichte: Slag in Cullet mit Andy Röösli (Sänger/Gitarrist), David Burger (Schlagzeug) und Rafaela Dieu (Bass). (Bild: zVg)

2012 verlieh ihnen eine Jury den Basler Pop-Preis. Den Gewinn von 15’000 Franken haben Slag in Cullet in ihr drittes Album gesteckt. Doch statt eines Veröffentlichungstermins geben sie jetzt ihr letztes Konzert bekannt. Die Rockband löst sich auf.

Die Nachricht kommt überraschend: «Wir möchten euch mitteilen, dass wir die Arbeit auf Ende Sommer einstellen werden. Das neue Album werden wir vorerst nicht veröffentlichen», verkündet die Basler Band Slag In Cullet auf ihrer Website. «Uns ist wichtig zu betonen, dass wir uns zu diesem Schritt zusammen entschieden haben, und nicht ein Streit Grund dafür ist.»

Unsere aktuelle Wochendebatte dreht sich übrigens – zufällig – um die Frage: «Wird in Basel genug getan für die Jugendkultur?»

Neun Jahre lang standen Sänger/Gitarrist Andy Röösli, Bassistin Rafaela Dieu und Schlagzeuger David Burger gemeinsam auf der Bühne. Eine lange Zeit für eine Band, die im Teenageralter gegründet wurde. Dass die drei Mittzwanziger aber ausgerechnet jetzt den Bettel hinschmeissen, erstaunt.

Im Frühling dieses Jahres reisten sie noch nach Berlin, um im Teldex Studio ihr drittes Album aufzunehmen. Und im Sommergewannen sie mit ihren Auftritten am Berner Gurten Festival und im Zürcher Kaufleuten noch einmal neue Fans.

Es schien gut zu laufen. Im November 2012 war ihnen der mit 15’000 Franken dotierte Basler Pop-Preis verliehen worden. Dass die vom RFV zusammengestellte Jury Slag In Cullet zu den Siegern kürte, kam insofern überraschend, weil auch bekanntere Namen wie James Gruntz oder die Lombego Surfers nominiert waren. Selbst Slag in Cullet waren überrumpelt. Bassistin Rafaela Dieu sagte uns damals im Freudentaumel: «Ich freue mich für uns, weil damit die Finanzierung des neuen Albums gesichert ist. Und auch, weil die Jury ein Zeichen gesetzt hat: Für die Rockmusik».

Letzter Aufschrei am JKF

Das Preisgeld kam damals gerade richtig, zahlreiche Songs für das dritte Album waren geschrieben, der Studioaufenthalt geplant, aber nicht alles Geld beisammen. Und nun? Steht es in den Sternen, ob diese Aufnahmen überhaupt je veröffentlicht werden. Die Band weiss es noch nicht. Vielleicht stellt sie sie dereinst ins Internet, als Vermächtnis.

Ihr letzter Aufschrei vor Publikum aber steht fest: Die Alternative Rockband tritt am 31. August (23 Uhr) auf dem Theaterplatz auf, im Rahmen des Basler Jugendkulturfestivals. Das soll das letzte von insgesamt 200 Konzerten sein.

«Es macht keinen Sinn weiterzumachen, wenn nicht alle hinter den gleichen Plänen stehen und dadurch die Ehrlichkeit leiden würde», sagt David Burger stellvertretend für die Band. Slag in Cullet waren stets in gleicher Besetzung unterwegs, «wir hatten auch nie grosse Pausen», fügt er hinzu.

Tatsächlich begann das Trio 2005 zusammen Musik zu machen, zunächst unter dem Bandnamen Glass. Das erste Album erschien bei einem kleinen britischen Label, ein zweites im Jahr 2011 («Splinter»). Nach den Aufnahmen zum dritten «kamen wir nun an einen Punkt, wo wir uns zwar inhaltlich noch immer einig sind – nicht aber beim Aufwand, den wir betreiben mögen.»

Verschiedene Ziele

Ärgerlich dürfte das für den Rockförderverein sein. Den Pop-Preis hat er als Prestige-Auszeichnung für die Spitzenförderung ins Leben gerufen. Dabei ist es an der Verleihung jeweils Tradition, dass der Vorjahres-Sieger vor der lokalen Polit- und Popprominez ein Ständchen gibt und den Abend mit einem Konzert abrundet. Dieser Programmpunkt wird 2013 hinfällig.

Stattdessen wird man sich gewahr, dass es in der freien Szene keine Garantien gibt. Dass Slag In Cullet ihr Preisgeld quasi «versenkt» haben, wird nicht bei allen in der Szene auf gleich grosses Verständnis stossen. Und die vier anderen Nominierten des letzten Jahres mit Sicherheit ein bisschen wurmen.

Daher doch noch einmal die Frage nach dem genauen Grund: Weshalb dieses überraschende Ende, ausgerechnet jetzt, nachdem die Band gute Noten, viel Goodwill und Geld erhalten hat? «Wir sind an einen Punkt gekommen, wo die Ziele zu verschieden sind», sagt Schlagzeuger David Burger. Welche? Das mag die Band nicht preisgeben. Aber man kann annehmen, dass es um den Aufwand und die Aufopferung geht, die bei einer Indie-Band mit Ambitionen gross sein müssen, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Alle Fäden selbst in der Hand halten, Management, Promo- und Bookingaktivitäten ausüben, frisst viel Zeit. Und das neben der eigentlichen Hauptsache, der Musik.

Die Details der Differenzen behält die Band also für sich. Fair enough: So kann man immerhin sagen, dass Slag In Cullet selbst am Ende noch sehr geschlossen auftraten.

Konversation

  1. Das Elend ist: Mit solcher Musik (aus der Schweiz operierend) lässt sich heute kein Leben mehr leben.

    Und jahrelang Nischen bedienen und am Ende mit leeren Händen dazustehen ist ab einem gewissen Punkt ein Kriterium, an dem es keine weiteren Alternativen dazu mehr gibt.

    (Und so lange Open Airs mit einem DRS3 Programm ausverkauft sind, ist keine Besserung in Sicht. Ach was. Die labelunterstützte Nische wird niemals wieder von ihrer Musik leben können.)

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  2. Eine Förderung ist eine Förderung und keine Investition – schon gar keine sichere. Kulturförderung ist immer eine Förderung mit ungewissem Ausgang: eine Risikoförderung. Das muss man sich bewusst sein. Ein paar wenige Bands (und/oder Tanz- & Theatergruppen) reüssieren und die restlichen dümpeln im Mittelmass, oder lösen sich als Gruppe auf oder fallen in Agonie. Man darf sich in solchen Fällen nicht hintersinnen. Auch für den Rockförderverein ist diese Absage nicht ärgerlich. Solche Dinge sind eben nicht vorhersehbar. So wenig, wie man Erfolg organisieren & planen kann. C’est la vie! Eine Förderung auf NummerSicher gibt es nicht.
    Der Gruppe «Slag in Cullet» ist es hoch anzurechnen, dass sie öffentlich dazu steht und offen deklariert, dass es nicht mehr weitergeht und sie die Übung abbrechen müssen…. wenigsten vorläufig. Trotzdem Schade, aber so ist dies eben….

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