Bierernstes und Weinseliges zum Begriff «ehrenwert»

Die neu gegründete Brauerzunft der Region Basel verzichtet darauf «ehrenwert» zu sein, weil dies den alteingesessenen Rebleuten «nicht behagt».

Das Restaurant Brauerzunft in der Rheingasse gibt es schon lange, die zünftige Brauerzunft erst seit August 2016. Letztere soll jetzt zumindest im Namen nicht mehr «ehrenwert» sein.

(Bild: Basile Bornand)

Die neu gegründete Brauerzunft der Region Basel verzichtet darauf «ehrenwert» zu sein, weil dies den alteingesessenen Rebleuten «nicht behagt».

In Basel, genauer an der Rheingasse, gibt es das Restaurant Brauerzunft. Dieses hat ausser seinem Namen mit der Geschichte, die hier erzählt wird, nichts zu tun. Worum es hier geht, ist die zünftige Brauerzunft. Diese wurde von Brauleuten im August 2016 gegründet mit dem Ziel, die «Bierkultur in Basel und Umgebung» zu fördern.

Und weil dies bei den alteingesessenen Basler Zünften und Ehren-Gesellschaften verbreitet ist, schmückte die neue Brauerzunft ihren Namen mit dem Vorsatz «ehrenwert». Sie nannte sich also entsprechend «Ehrenwerte Brauerzunft».

Dies aber will den Rebleuten, einer bereits im 14. Jahrhundert gegründeten Zunft, die ihren Ursprung in der Weinkultur hat, jetzt nicht gefallen. In einem Brief an den Meister der Brauerzunft, Istvan Akos, gratuliert der Meister «Einer Ehren Zunft zu Rebleuten», Eduard P. Etter seinem Kollegen zwar zur Gründung der neuen Zunft. Aber:

«Was uns nicht behagt, ist die Bezeichnung ‹Ehrenwerte› und wir sind der Meinung, dass Ihr diesen Vorsatz aus historischen Gründen nicht verwenden solltet.»

Jetzt wird es etwas kompliziert.

Denn ehrenwert ist nicht «ehrenwert», wie Etter in seinem Brief ausführt. Um dies zu erklären, muss er im Geschichtsbuch allerdings weit zurückblättern. Im Mittelalter waren die Basler Zünfte  wirtschaftlich und politisch ausgesprochen einflussreiche Gesellschaften. Damals herrschte für die in den Zünften vertretenen Gewerbezweige Zunftzwang, und die Zünfte hatten im Grossen Rat und in der Stadtregierung Einsitz.

Die zünftigen Rebleute stellten mit ihrem Mitglied Johann Rudolf Wettstein im 17. Jahrhundert gar einen der einflussreichsten und berühmtesten Basler Politiker, der 1645 zum Bürgermeister Basels gewählt wurde. Diese «offizielle» Stellung sei damals mit dem Wort «ehrenwert» bezeichnet worden, schreibt Etter: «Und daher finden wir es falsch, wenn Ihr es verwendet und bitten Euch, es wegzulassen.»

Brauerzunft nun nicht mehr «ehrenwert»

Nun sind die alteingesessenen Zünfte in Basel im Gegensatz zu denen in Zürich noch immer «Körperschaften des öffentlichen Rechts». Sie unterstehen dadurch der Aufsicht durch den Bürgerrat. Ihre gesetzliche Aufgabe, also das «Offizielle» ihres Daseins, ist aber auf die Verwaltung der überlieferten Zunftvermögen reduziert. Das «Ehrenwerte» ist also in erster Linie ein historisches Attribut.

Entsprechend schreibt Brauerzunftmeister Akos in einer Medienmitteilung, dass der Zunftvorstand die Probleme der E. E. Zunft zu Rebleuten nicht ganz begriffen habe. Dem Frieden zuliebe stellte er den Zunftleuten an der Generalversammlung aber dennoch den Antrag, auf das «ehrenwert» im Namen zu verzichten. Das hierfür nötige Zweidrittelsmehr wurde knapp erreicht.

Die Brauerzunft ist jetzt also «eine gemeine Zunft», wie Akos schreibt. «Ehrenwert sind nur noch die 135 Zunftbrüder und Zunftschwestern, sofern sie sich als solche betrachten.»

Das ist doch immerhin etwas.

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«Auch das noch» – die TagesWoche-Rubrik fürs Schöne, Schräge und Fiese. Immer mit einem 😉 zu verstehen.

Konversation

  1. Ein Detail: Der Satz im vorletzten Abschnitt müsste heissen: «…dass der Zunftvorstand die Probleme der E. Zunft zu Rebleuten nicht ganz begriffen habe» (und nicht «der E.E. Zunft»). Ist zwar ein Detail, das den meisten Leserinnen und Lesern einigermassen egal dürfte, aber in einem Artikel, der ganz dem Zusatz «ehrenwert» gewidmet ist, sollte dieser dann schon korrekt verwendet werden.

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    1. Es heisst offiziell E.E. Zunft, was ausgeschrieben «Eine Ehren Zunft» heisst, was einer aufmerksamen Leserin nicht entgangen wäre, weil es im Artikel vorher ausgedeutscht wird. Diese etwas altertümlich klingende Bezeichnung ist in der Männerdomäne Zunftleben in Basel übrigens weit verbreitet.

      Hier noch der Link auf die Website der Rebleute für die Leserinnen und Leser, die das noch immer nicht glauben können:

      http://rebleutenzunft.ch/wordpress/geschichte/

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    2. Eben, genau das sag ich doch: E.E. heisst «eine ehrenwerte». Und genau darum muss es im obigen Satz heissen «… die Probleme der E. Zunft» und nicht «der E.E.». (Tip: Lesen Sie den Satz mal mit ausgeschriebener Abkürzung.)

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    3. Ganz genau gesehen haben Sie recht (wenn Sie aus dem «ehrenwert» ein «Ehren» machen). Aber sagen Sie das den Rebleuten, die sich selber als «die E.E. Zunft» vorstellen (wie übrigens viele andere Zünfte). Ich habe mich an die Formulierung der Rebleute gehalten, die das «E.E.» in der Abkürzung wie viele weitere Zünfte offensichtlich als fester Bestandteil ihres Namens verstehen. Oder was auch immer.

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    4. Lieber Dominique, Frau Moerik hat Recht. Ich meinerseits bin Meister der E. Zunft zu Gartnern und nicht der E.E. Zunft zu Gartnern. Mein Zunftbruder und Alt-Vorgesetzter Carl Miville schimpft jedes Mal, wenn wir „die E.E. Zunft zu ….“ oder „eine E.E. Zunft zu… “ schreiben…

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  2. Wäre da, wo es um Flüssigkeiten geht, die herunter geleert werden können, nicht sinnvoller von „Leerwerten Zünften“ zu sprechen?

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