Causa Schutzbach: Presserat rügt die BaZ

Letzten Herbst ging die «Basler Zeitung» auf eine missliebige Wissenschaftlerin los. Nun hält der Presserat fest, die BaZ habe dabei den journalistischen Berufskodex verletzt.

So nicht! Die BaZ erhält die Quittung für ihre Kampagne gegen Franziska Schutzbach.

Im November letzten Jahres fuhr die «Basler Zeitung» eine massive Kampagne gegen die Genderwissenschaftlerin Franziska Schutzbach. Einen privaten Blogeintrag nutzte das Blatt als Steilvorlage, um aus einer kritischen Akademikerin eine Gegnerin der Meinungsfreiheit zu machen. Druck übte die BaZ auch auf die Universität Basel aus, wo Schutzbach eine Zeitlang als Dozentin tätig war. Auf dem Höhepunkt der Kampagne behauptete die BaZ, Schutzbach habe ihren Lehrauftrag verloren.

Sie suggerierte damit, ihre Kampagne habe Schutzbach den Job gekostet. Tatsächlich aber war der Lehrauftrag längst abgelaufen und es gab keinen Antrag, diesen zu verlängern.

Verletzung der Wahrheitspflicht

Gegen diese Artikelserie gingen beim Schweizer Presserat zwei Beschwerden ein. Beide sehen die «Erklärung der Pflichten und Rechte des Journalisten» verletzt. 

In der ersten Beschwerde geht es um den in der BaZ erhobenen Vorwurf, Schutzbach schreibe gegen die Meinungsfreiheit und rufe zum Boykott von Politikern auf. Die – anonymen – Beschwerdeführer monieren, die Artikel unterschlügen wichtige Informationen und verletzten die Wahrheitspflicht. Diese Beschwerde hat der Presserat nun abgewiesen, weil die Zeitung diese Vorwürfe genügend belegt habe. 

Gutgeheissen wurde hingegen die zweite Beschwerde. Sie wurde vom Verein Fairmedia erhoben, welcher die Wahrheitspflicht verletzt sieht. Die Zeitung schrieb mit Verweis auf den zuständigen Dekan, Schutzbach habe ihren Lehrauftrag verloren. Damit, so der Presserat, habe die BaZ die Aussagen des Dekans nicht sinngemäss wiedergegeben. Und selbst nach einer Intervention des Dekans hielt die Zeitung an ihren Formulierungen fest. 

Darin sieht der Presserat einen Verstoss gegen die Pflicht zur umgehenden und vollständigen Berichtigung und rügt: «Die ‹ Basler Zeitung› hat mit dem Artikel ‹Schutzbach verliert Lehrauftrag› vom 28. November 2017 die Ziffern 1 (Wahrheit) und 5 (Berichtigung) der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» verletzt.»

https://tageswoche.ch/gesellschaft/causa-schutzbach-bullshit-der-basler-zeitung/

Konversation

  1. Die BaZ hat die Wahrheitspflicht und den journalistischen Berufskodex verletzt. Wauw! Und was sind die Neuigkeiten?

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  2. Nun, was die journalistische Leistung der BaZ angeht, so ist der Fall klar, es ist sehr schlecht darum bestellt bei diesem Revolverblatt! Das mal grundsätzlich zur BaZ. Die wenigen guten Artikel mit Primeur-Charakter muss man schon fast suchen. Bei obigen Fall kann man geteilter Meinung sein, jedoch ist der Post der Forscherin nicht gerade schlau gewesen, aber erlaubt. Und weit weniger schlimm wie was ein Zanetti (SVP, ZH) so bietet. Hat sich dazu je ein Blatt gross aufgeregt, gerade die BaZ und ihr zweifelhafter Fanklub? Gerade, wenn es um Fakten geht, wird da gerne verbogen oder zurechtgebogen bei der BaZ. Man muss sehr vorsichtig sein bei diesem Blatt undmöglichst einen Cross-Check machen, was sich oft lohnt. Und so nebenbei, Basel ist laut Bundesbrief dafür besorgt den Frieden im Land zu wahren!!! Hat Oberhistoriker Somm dazu überhaupt je einmal geschrieben? Nur gehetzt und diese Frage möglichst weit in den Hintergrund gedrängt, was ihm bis dato gut gelang mit seinen Helfershelfer der schwarzen Zunft. Der oder die damaligen Artikel zu Schutzbach zeigen wie bei der BaZ gearbeitet wird, was selbst eine NZZ bewog dazu eine Meinung abzugeben.

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  3. Gut so, dass die Bloz dort und dafür gerügt wird, wo sie ihrer wahrheitspflicht nicht genügend tut…
    N I C H T gut hingegen dass Sie von der Tawo von Gender“wissenschaft“ meinen schreiben zu muessen, wo doch jede(r) aufgeklärte Weiss, dass der „genderismus“ wie alle immer eine totalitäre pseudo“wissenschaftsdisziplin“ vorwiegend weiblicher, feministischen Soziologie en ist, wobei dem „log“ bzw. lueg besondere Bedeutung zukommt… Grundbehaptung: „Geschlecht“ sei zuallererst eine „soziale konstruktion“… F A L S C H : jede Kultur ist immer und zuallererst bio_logisch und ein soziales System welcher Art auch immer, sei es bei Affe oder Mensch ist immer K U L T U R… Also ist jedes“ Soziale System“ immer und zwingend biologisch basiert _
    ein fuer alle mal…

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  4. Der Presserat hatte als „Kernbotschaft“ allein das Verhalten des Journalisten zu beurteilen und nicht den von der BaZ aufgegriffenen Text Schutzbachs. Das Verhalten des Journalisten war m.E. gravierend: Er liess die Leser bewusst im Glauben, es handle sich beim kritisierten Text Schutzbachs um eine aktuelle Publikation und der BaZ-Bericht habe die Uni veranlasst Frau Schutzbach einen Lehrauftrag zu entziehen.

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  5. Der BaZ-Journalist Abrecht hat die Leserschaft bewusst irregeführt, indem er den Fall wider besseres Wissen so dargestellt hat als sei der ausgegrabene bejahrte Text Schutzbachs aktuell. Die BaZ-Publikation habe die Uni nun veranlasst, ihr einen Lehrauftrag ihr zu entziehen. Beurteilungsgegenstand des Presserats war allein das Verhalten des BaZ-Journalisten. das in diesem Punkt klar verurteilt wird.
    Den kritisierten Text Schutzbachs musste der Presserat inhaltlich nicht beurteilen.

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    1. „Schutzbach schreibt, dass sich ihr Aufruf an «Individuen» und «Einzelne» richtet. Aber auch das zieht sich nicht durch den ganzen Text. Auch Bundesämter, Richter, Parlamentarier, Schulleitungen usw. sind erwähnt. Amtspersonen dazu aufzurufen, bei ihrer Tätigkeit bestimmte Politiker zu boykottieren, hat eine wesentlich andere Qualität als ein Boykott-Aufruf an Privatpersonen.“

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  6. Fazit: der Boykottaufruf von Schutzbach gegen missbeliebige Politiker
    wurde von der BaZ ausreichend dokumentiert und die Beschwerde abgewiesen. Da gibts nichts mehr schönzuschreiben, das bleibt an Schutzbach kleben.

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    1. Richtig. Der eigentliche Vorwurf, welche an Frau Schutzbach gerichtet war und um den es im Kern ging, wurde bestätigt, bzw. mit genügend Quellenangaben versetzt. Und das ist die eigentliche Kernbotschaft. Für das, was die BaZ letztendlich gerügt wurde, wird den Journalisten kaum weh tun. Der Kern der Botschaft wird durch den Presserat gestützt.

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    2. Aber wenig erstaunlich fokussiert die TaWo auf die unwesentlich gerügte Nebensächlichkeit und nicht auf den, durch den Presserat, quasi bestätigten eigentlichen Skandal: Schutzbach schreibe gegen die Meinungsfreiheit und rufe zum Boykott von Politikern auf.

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    3. Die tageswoche ist manchmal genau so gefangene ihrer Ideologie und politischen Ausrichtung, wie es die Thesenjournalisten der BaZ sind.

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