Clubsterben in Basel: die Reaktionen aus dem Netz

Die Bekanntmachung, dass «Nordstern», «Hinterhof Bar», aber auch «Lady Bar» und «Garage» schliessen müssen, hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Gerade in den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Reaktionen zum drohenden Aussterben der Basler Clubs.

Was für ein Bild. Die Raver raven toll. (Bild: Michael Hochreutener)

Die Bekanntmachung, dass «Nordstern», «Hinterhof Bar», aber auch «Lady Bar» und «Garage» schliessen müssen, hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Gerade in den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Reaktionen zum drohenden Aussterben der Basler Clubs.

Seit am vergangenen Wochenende bekannt wurde, dass gleich mehrere renommierte Basler Clubs in absehbarer Zeit ihre Tore schliessen müssen, sorgt die Meldung für Furore. Die Kommentarspalten zahlreicher Medien quellen über vor Wortmeldungen zum Thema Clubsterben und auch in den sozialen Netzwerken generiert der Begriff erhöhte Klickzahlen. Wir haben uns im Netz umgesehen und einige Reaktionen eingesammelt.

Clubs sind auch Kultur

Der meistgenannte Vorwurf unter den Empörern lautet: Wenn in Basel die Clubs schliessen müssen, geht damit ein Stück Kultur verloren. Von Ausgeh- und Jugendkultur ist die Rede, von der unvergleichlichen Soundqualität im Nordstern (Swiss Nighlife Award für den besten Schweizer Club 2014) und dem Weltklasse Line-Up im Hinterhof. In Museen und Theater werden Millionen investiert, während weniger etablierte Institutionen von Seiten der Behörden stiefmütterlich behandelt werden, beklagt etwa Lavinia Fasciati, Vizepräsidentin der JUSO Basel-Stadt:

«Es ist eine Frechheit gegenüber den Jungen in dieser Stadt, wenn die Behörden Clubs am Laufmeter schliessen lassen und sich gleichzeitig mit dem Titel «Kulturstadt» brüsten»

Neben den Vereinen Kultur & Gastronomie und Kulturstadt Jetzt bekannte sich auch der Rockförderverein als Lobbyist der betroffenen Clubs und fragt: Basel, schläfst du schon? Er vergleicht die Popularität der Basler Kultur-Institutionen anhand von Facebook-Likes und suggeriert: Das Theater Basel, das Kunstmuseum und die Voltahalle bringen zusammen dieselbe Social-Media-Fangemeinde auf die Waage, wie der Hinterhof alleine.

(Bild: Screenshot RFV)

Facebook-Likes sind noch keine Existenzlegitimation. Nichtsdestotrotz kann das Netzwerk mit Gewinn als Stimmungsbarometer zu Rate gezogen werden. So lässt sich zum Beispiel die Relevanz des Themas Clubsterben anhand der Klickzahlen nachvollziehen, die die Gruppe Für ein junges, lebendiges Basel innert kürzester Zeit generierte.

Jo Vergeat, Eine der Gründerinnen der Gruppe, beschreibt ihr Anliegen auf telebasel (ab Minute 9).




Eine Woche ist seit der Gründung der Gruppe vergangen, mittlerweile kratzt die Mitgliederzahl an der 6000er-Grenze. Das ist zwar schön, dennoch bekunden einige User Zweifel an der Nachhaltigkeit des Erfolgs:

(Bild: Für ein junges, lebendiges Basel)

Das wollten die Initianten der Gruppe nicht auf sich sitzen lassen. Per Direktnachricht konnten sich die User für Arbeitsgruppen anmelden, um ihre Anliegen nicht nur virtuell, sondern mit realer Auswirkung zu vertreten.

(Bild: Für ein junges, lebendiges Basel)

Die JUSO stehe ebenfalls mit den Facebook-Aktivisten in Kontakt und sei bereit für eine Zusammenarbeit, liess deren Präsident Beda Baumgartner im oben zitierten Statement verlauten, nach der Fasnacht sollen erste Treffen stattfinden.

Und sonst?

Zu den Empörten gesellten sich in den einschlägigen Foren auch andere Meinungen, die das Ganze weniger fatalistisch aufnahmen:

(Bild: Für ein junges, lebendiges Basel)

Neben Spekulationen über Standortwechsel und sich bereits im Prozess befindlicher Vertragsverhandlungen zwischen Clubs und den Verpächtern, wurde immer wieder das «Berner Modell» thematisiert. Geplant sind dort «Zonen für urbanes Wohnen», in denen Lärmklagen von Anwohnern nicht zulässig sind.

Der von Philippe Bischof in der BZ angedachte Vorschlag adressiert zwar das Thema Clubsterben im Allgemeinen, ist aber für die aktuellen Fälle ohne Relevanz. Weder Hinterhof noch Nordstern schliessen aufgrund von Lärmklagen aus der Nachbarschaft.

Der Wille, dem Betäubungsprozess des Basler Nachtlebens entgegenzuwirken, ist gross. Ob aus den Vorschlägen, Versprechen und bisher virtuellen Initiativen konkrete Ergebnisse resultieren, oder ob sie nur ein Sturm im Wasserglas bleiben, wird sich zeigen.

Konversation

  1. „Er vergleicht die Popularität der Basler Kultur-Institutionen anhand von Facebook-Likes“

    Das kann man doch nicht vergleichen! Theater/Museum haben eher ein älteres Durchschnittalter, das kaum Interesse an Social Media hat. Dass der RFV sowas nicht merkt oder bewusst Lobbying mit falschen Zahlen betreibt…

    Mich stört auch, dass Facebook als Mitteilungsplattform genutzt wird, obwohl die Jungen wissen sollten, was hinter diesem Konzern steckt. Eine kleine Menge an intelligenten Jugendlichen verweigert sich Facebook, möchte aber gerne zum Thema Ausgangsorte mitreden.

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  2. Das Sterben gehört zum Leben, damit neues Leben entstehen kann. Genauso gehört das «Clubsterben» zum «Nachtleben».

    Fast 20 Jahre habe ich aktiv am Berner und Basler Nachtleben teilgenommen, sei es als Veranstalter, Tontechniker oder DJ. Die Clubscene war immer kreativ genug, um Neues entstehen zu lassen, trotz oder vielleicht gar wegen all den Hürden und Schwierigkeiten. Aber zugegeben, gejammert wurde dabei fast immer. 😉 Dennoch, die heutige junge Club-Generation wird sich genauso was Neues einfallen lassen, daran habe ich keine Zweifel.

    À propos «Likes», gerade diese Woche erhielt ich mehrere Spam-Mails mit dem ungefähren Wortlaut:
    «Brauchst du Likes? Melde dich auf •••••••••••••.com an und du kannst dir so viele Likes kaufen, wie du willst.»

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