«Coup Magazin» – ein Mini-Team vor einer Mega-Aufgabe

Seit einem halben Jahr versucht das junge Team vom «Coup Magazin», aufwendigsten Langstreckenjournalismus an zahlende Leser zu verkaufen. Ein kolossales Vorhaben, wie Mitgründer Pascal Sigg erzählt.

Das «Coup Magazin»-Team (v.l.n.r.): Konrad Mazanowski, Anna Miller, Andres Eberhard, Joel Bedetti. Und ganz rechts steht Pascal Sigg, mit dem wir gesprochen haben.

(Bild: Lukas Messmer)

Seit einem halben Jahr versucht das junge Team vom «Coup Magazin», aufwendigsten Langstreckenjournalismus an zahlende Leser zu verkaufen. Ein kolossales Vorhaben, wie Mitgründer Pascal Sigg erzählt.

«Grosse Geschichten aus der Schweiz» wollen die Macher des «Coup Magazin» erzählen. Fünf junge Menschen in Zürich arbeiten neben ihren regulären Jobs ehrenamtlich seit fast einem Jahr an diesem Projekt. Ihr Ziel: Mit relevanten, fundierten und gut erzählten Geschichten Leser zu finden, die dazu bereit sind, sich ihre Lektüre etwas kosten zu lassen. Das Konzept nennt sich Slow Journalism, im «Coup Magazin» erscheint genau eine Geschichte pro Monat.

Mit einer Crowdfunding-Kampagne hat der Verein hinter dem Magazin 50’000 Franken gesammelt, genug um zwölf solche «grosse» Geschichten zu produzieren. Soeben ist Geschichte Nummer sieben erschienen, eine Reportage über den Wahnsinn, der mit der Kommerzialisierung des Skirennsports in lauschige Wintersportorte wie Adelboden eingezogen ist. Davor erzählten zwei Paare, wie sie sich an einer offenen Beziehung versuchten, und im Oktober waren Schönheitsoperationen bei jungen Schweizern das Thema.

Damit ist das «Coup Magazin» ein halbes Jahr alt geworden, Zeit für eine Zwischenbilanz. Wir haben mit Mitgründer Pascal Sigg gesprochen, der 33-Jährige ist freischaffender Journalist, Doktorand und amtet im Verein Coup Magazin als Präsident.

Pascal Sigg, rund ein halbes Jahr ist seit der Publikation der ersten Geschichte im «Coup» vergangen. Wie blicken Sie zurück?

Wir haben uns Mitte Januar für eine Retraite zurückgezogen. Dabei sind wir zu zwei Erkenntnissen gelangt: Unsere Geschichten und das Konzept der langen, sorgfältig recherchierten und geschriebenen Artikel findet grosse Anerkennung, sowohl bei den Lesern als auch in der Branche. Leider ist es aber ungemein schwierig, ein Produkt wie das «Coup Magazin» zu vermarkten.

Sie haben heute 500 zahlende Mitglieder. Das reicht wohl nicht aus, um ein Online-Magazin zu betreiben.

Nein, so geht die Rechnung natürlich mittelfristig nicht auf. Wir müssen diese Zahl unbedingt steigern. Heute arbeiten alle vom Kernteam ehrenamtlich, die Autoren, Fotografen und Grafiker werden für ihre Texte selbstverständlich honoriert.

Was wäre die magische Marke, die Anzahl Mitglieder, ab der sich das «Coup Magazin» selber finanzieren würde?

So genau beziffern lässt sich das nicht. Unser Ziel war es ursprünglich, 1000 zahlende Mitglieder zu erreichen. Damit wären die Basiskosten einigermassen gedeckt. Um jedoch eine grössere Reichweite und damit Wirkung zu erzielen, müssten wir auch die Vermarktung professionalisieren. Mittelfristig sollte zumindest für die Geschäftsführung eine Teilanstellung möglich sein. Andere Medienhäuser beschäftigen ganze Teams, die sich überlegen, wie mit digitalen Inhalten Geld verdient werden könnte.

500 Mitglieder sind zu wenig und die Anfangsfinanzierung neigt sich dem Ende zu. Wie lange wird es das «Coup Magazin» noch geben?

Unsere Finanzierung ist sicher bis Juli 2017. Aber das Ziel ist klar: Wir wollen weitermachen und sind bereit, ehrenamtlich weiterzuarbeiten.

Wie steht es um andere Formen der Finanzierung, beispielsweise Stiftungsgelder?

Wir sind derzeit daran, verschiedene Stiftungen anzuschreiben. Letztlich wollen wir uns aber so weit wie möglich über die Leser finanzieren. Dabei denken wir etwa an einen Unterstützungsfonds oder an ein Gönner-Modell. Das Crowdfunding hat gezeigt, dass es Menschen gibt, die durchaus bereit sind, auch mehr Geld in die Hand zu nehmen als die 50 Franken Jahresbeitrag.

Was haben Sie in diesem ersten halben Jahr gelernt?

Diese Form des Journalismus braucht viel Leidenschaft. Die Geschichten werden besser, je sorgfältiger Autor und Produktion zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit fängt bereits beim Entwickeln der Geschichte an und setzt sich über die Recherche bis zur finalen Version des Textes fort. Es ist kein Wunder, dass grosse Medienhäuser diesen Aufwand scheuen, denn Geschichten dieser Qualität lassen sich in einem industrialisierten Medienproduktionsprozess nicht herstellen.

Mit dem «Project R» geht demnächst bald das nächste Medien-Crowdfunding an den Start. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Nein, wir freuen uns darüber. Die Kollegen haben bereits vor dem Start viel Aufmerksamkeit bekommen. Letztlich ist das ein Beleg für die grosse Nachfrage nach unabhängigen Medienprodukten. Davon können auch wir profitieren.

Sie haben ein erfolgreiches, wenn auch deutlich kleineres Crowdfunding durchgeführt. Irgendwelche Tipps für «Project R»?

Ja, seid zurückhaltend bei den Zusatzbelohnungen. Versprecht den Spendern nicht zu viele Nachtessen und Feierabendbiere. Wir machten am Anfang alles ausser Journalismus. Das war zwar lustig, hatte aber mit der eigentlichen Arbeit nichts zu tun.

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