Das alte Basel, von oben betrachtet

Vor 400 Jahren überreichte Matthäus Merian d. Ä. dem Rat von Basel seinen heute berühmten Vogelschauplan der Stadt. Das Museum Kleines Klingental und das Historische Museum würdigen das Werk mit einer sehenswerten Ausstellung und einem Magazin.

Ausschnitt aus dem Merianplan von 1615.

(Bild: Staatsarchiv Basel-Stadt)

Vor 400 Jahren überreichte Matthäus Merian d. Ä. dem Rat von Basel seinen heute berühmten Vogelschauplan der Stadt. Das Museum Kleines Klingental und das Historische Museum würdigen das Werk mit einer sehenswerten Ausstellung und einem Magazin.

Rund 10’000 Menschen lebten im Jahr 1615 innerhalb von Basels Mauern. Die Stadt hatte sich bereits ganz gut von der Pest-Epidemie, die wenige Jahre zuvor gewütet hatte, erholt. Doch viele Menschen sind in der Vogelschau aus dieser Zeit nicht zu sehen: ein paar Holzarbeiter im Zeughaus, wo sich heute das Kollegiengebäude der Uni befindet, ein Schweinehirt auf dem Barfüsserplatz und vereinzelte Passanten auf weiteren Strassen – darunter zwei in eine Schlägerei verwickelte Männer am Steinenberg. Damit hat es sich bereits. Nur auf dem Rhein herrscht reges Leben.

Der Verfasser des Plans, Matthäus Merian d. Ä., interessierte sich vor allem für die Bauten und die Topografie der Stadt, die er als «wohlgeordnetes, sauber gepflegtes, gut befestigtes Stadtgebilde» zeigt, wie die Vizedirektorin des Historischen Museums Basel, Gudrun Piller, im Magazin zum Merianplan schreibt. Herausgegeben wurde das lesenswerte, 66 Seiten starke Magazin zum 400. Jahrestag der «Neuen und genauen Darstellung der berühmten Stadt Basel, von Matthäus Merian getreu gezeichnet und gestochen im Jahre des Herrn 1615», wie der lateinische Titel ins Deutsche übersetzt lautet.

Noch heute ein wertvolles Instrument

Auch wenn die Darstellung nicht ganz so «genau» ist, wie es der Verfasser bemerkt – die Strassen und Gassen sind zu breit, das Münster und die weiteren Kirchen zu gross –, so ist der Vogelschauplan doch ein Werk von herausragender Qualität. Dass Merian die Strassen zu breit darstellte, ist in der Absicht begründet, jedes einzelne Haus auf dem 85 mal 110,5 Zentimeter grossen Stich mit all seinen Fenstern und Türen so detailgetreu wie nur möglich abzubilden. 

Noch heute rühmen Fachleute, die sich mit der Stadtgeschichte und Denkmalpflege befassen, den Merianplan als «Quelle erster Güte», wie es im Faltblatt zur Ausstellung «Merian 1615–2015. Basel im Stadtporträt» des Museums Kleines Klingental heisst. Untersuchungen der Archäologischen Bodenforschung und der Bauforschung der Denkmalpflege bestätigen immer wieder aufs Neue, dass Merian eine vorzügliche Arbeit geleistet hat.

Digitaler Merianplan im Internet

Die sehenswerte Ausstellung beleuchtet, wie es zum Vogelschauplan gekommen ist – Merian soll die Vermessung Basels durch den Künstler und Geometer Hans Bock als Grundlage genommen haben. Zu sehen sind neben der Original-Federzeichnung und dem Original-Druck unter anderem auch frühere Vogelschau-Ansichten und jüngere Darstellungen der Stadt Basel. Und das Stadtmodell, das Alfred Peter in den 1950er-Jahren nach Merians Plan geschaffen hat. Weitere Werke von Matthäus Merian zeigen überdies, dass der Verfasser des berühmten Plans ein begnadeter Künstler war.



Der Vogelschaublick auf das Basel von heute

Der Vogelschaublick auf das Basel von heute (Bild: Erich Meyer)

Im Herbst hat das Grundbuch- und Vermessungsamt in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege zudem eine digitale Version des Merianplans ins Netz gestellt. Auf der Geoportal-Website des Kantons (www.merian.bs.ch) lässt sich der Plan im Detail erkunden. Zudem sind Hintergrundinformationen zu einer Vielzahl von noch erhaltenen oder verschwundenen Bauten abrufbar.

Wer an den allerkleinsten Details interessiert ist, wer also die Hirsche im Stadtgraben oder die Schlägerei am Steinenberg genauer betrachten möchte, der kann die von der Universitätsbibliothek digitalisierte Karte downloaden. Und wer sich virtuell durch Merians Basel bewegen möchte, kann dies mit dem Online-Computerspiel «Basel 1610» tun, welches das Historische Museum Basel und das Kunsthistorische Seminar der Universität zusammen mit der Agentur für Kommunikationsdesign ui/deation und den Spielentwicklern von Good Evil entwickelt haben.
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