Das Areal ist geräumt

Die Polizei hat das Migrolareal geräumt. Die Besetzerinnen und Besetzer wurden vom Platz vertrieben und – zum Teil mit Kabelbindern gefesselt – abgeführt. Die Chronik einer Eskalation: Text, Videos und Bilder.

Katz-und-Maus-Spiel auf dem Wagenplatz: Besetzer auf einem Dach. (Bild: Livio M. Stöckli)

Die Polizei hat das Migrolareal geräumt. Die Besetzerinnen und Besetzer wurden vom Platz vertrieben und – zum Teil mit Kabelbindern gefesselt – abgeführt. Die Chronik einer Eskalation: Text, Videos und Bilder.

Was friedlich begann, eskalierte am Nachmittag. Nach mehrmaliger folgenloser Aufforderung, das besetzte Gelände zu verlassen, begann die Polizei nach 15 Uhr mit der Räumung des Areals rund um das erlaubte Geviert der Wagenplatz-Aktivisten. Mit Ausnahme von ein paar jungen Leuten, die sich zunächst auf einem Dach des Zugriffs entziehen konnten, wurden alle Besetzerinnen und Besetzer vom Platz vertrieben.

Einige Besetzer wurden unter Buhrufen und Pfiffen der Wagenplatz-Sympathisanten hinausgetragen und – zum Teil mit Kabelbindern gefesselt – abgeführt. Auch Journalisten und Fotografen wurden des Platzes verwiesen.

Ein Zaun wird gebaut

Am Dienstagmorgen begannen die Rückbauarbeiten ausserhalb des von der Immobilien Basel-Stadt (IBS) erlaubten Siedlungsdreiecks auf dem Migrolareal. Die IBS betraute eine Baufirma mit den Räumungsarbeiten und gewährte den Wagenplatz-Betreibern, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

Barbara Neidhart, Leiterin Kommunikation bei Immobilien Basel-Stadt, erklärt die Einzäunung aus Sicht der Stadt:

Künftig wird ein Zaun den Siedlungsplatz von der übrigen Fläche abtrennen, den der Verein Shift Mode sowie die Kunstmesse Scope für kulturelle Aktivitäten nutzen dürfen. Die Einzäunungsarbeiten, die bereits am Morgen begannen, wurden unter Polizeibewachung vorgenommen.

Impressionen vom Wagenplatz vor der Räumung:

Zur Mittagszeit strömten immer mehr junge Leute auf das Areal und besetzten den Platz rund um die «Uferlos Bar». Die Polizei gab den Besetzern ursprünglich eine Frist bis 13 Uhr, den Platz rund um die Bar zu verlassen, sonst werde – nach einer weiteren Karenzfrist von 15 Minuten – geräumt. Die Besetzer kamen dieser Forderung nicht nach.

Per Megaphon wurden die Jugendlichen auf dem Areal kurz nach 14 Uhr erneut von der Polizei gewarnt: Werde der Platz nicht bis 14.45 Uhr geräumt, sei die Polizei ermächtigt, «andere Mittel» einzusetzen. Danach sperrten die Sicherheitskräfte den Zugang zum Migrolareal ab.

Die Räumung des Areals:

Ein SP-Communiqué – und eine Richtigstellung

Als erste Partei hatte am Dienstagmorgen die SP Basel auf den Rückbau reagiert. «Wir begrüssen den Schritt des Regierungsrats, die Wagenleute auf dem Areal der Uferstrasse weiterhin zu dulden und alternative Lebensformen in Basel zuzulassen», heisst es in einem Communiqué. «Wir bauen darauf, dass die involvierten Personen weiterhin sachlich zusammen im Dialog bleiben, um ein Nebeneinander der verschiedenen Ansprüche nicht zu gefährden.»

Später verschickte die SP eine Richtigstellung an die Medien: «Die Ereignisse beim Wagenplatz überstürzen sich derzeit. Deshalb hat es eine Überschneidung des Informationsflusses gegeben. Die Medienmitteilung der SP Basel-Stadt von heute Morgen hat sich auf die Situation, wie sie gestern bekannt war bezogen.» Die SP begrüsse, dass die in den Wagen wohnenden Menschen auf den 2’500 Quadratmetern bleiben dürften, heisst es weiter im neuen Communiqué: «Die Räumung des Wagenplatzes unterstützen wir hingegen nicht. Wir möchten alle beteiligten Parteien dazu auffordern, den Weg einer friedlichen Lösung zu wählen.»

Konversation

  1. Unter welchen Aufgabebereich der Grenzwache (auf den Bildern hier nicht zu sehen, war aber involviert) fällt eigentlich die Unterstützung einer polizeilichen Räumung?

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  2. Die Wagenplatz-Leute verweigern sich einer Integration in die Gesellschaft, sie sagen der Normalität und Konformität den Kampf an und leben einen alternativen, selbstbestimmten Lebensentwurf. Man mag sich zu solchen experimentellen Formen des Zusammenlebens ausserhalb der Gesellschaft stellen, wie man will. Freier ist, wer sich als Teil der Gesellschaft versteht, die er verändern will. Auffallen aber muss, dass sich ausgerechnet diejenigen am Lautesten über diese autonomen „Rechtsbrecher“ beschweren, die sich mit ihren Volksinitiativen um elementarste Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit foutieren, eigenes Recht über das Völkerrecht stellen, sich der Integration in die Weltgemeinschaft verweigern, ängstlich in Wagenburgmentalität verharren und die Schweiz als „Alternativmodell“ propagieren. An einem Psychologen wäre es zu klären, ob sie in den Wagenplatz-Leuten verachten, was sie selbst umtreibt.

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  3. Ich finds einfach skandalös wie sich die Rot/Grüne Regierung sich von Bodenspekulanten gängeln lässt. Man will offensichtlich alternative Lebensweise bewusst abwürgen

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  4. Ich finde es absolut daneben, dass mit Polizeigewalt das Hafenplatzgebiet geräumt wurde. Ich bin überzeugt, dass junge Meschen Freiräume benötigen, wo sie ohne die Kontrolle von oben, ihre Ideen und ihre Kreativität ausleben können. Schade, dass es die Stadt Basel, die Regierung und die Immobilien Baselstadt versäumt haben, mit friedlichen Mitteln einen Konsens zu finden.
    Mit diesem Vorgehen, wird nur wieder Hass und Ablehnung geschürt und die jungen Menschen werden in ihrer Vorstellung gestärkt, dass der Staat letztlich eine Repressioskultur pflegt und man und Frau sich von ihm abwenden. Ich finde es ein Armutszeugnis für unsere sogenannt rotgrüne Regierung, dass es so geendet hat.

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  5. Wo fand denn eigentlich die Eskalation statt, von der die TaWo schreibt? Kein Tränengas, keine Gummigeschosse, … ?

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    1. Vielen Dank für Ihre Suggestivfrage. Hier die Antwort: Ein friedlicher Rückbau entwickelte sich zu einer polizeilichen Räumung. Darin bestand die Eskalation. Verloren haben dabei leider alle: Jene jungen Leute, die sich für eine (befristete) Belebung auf dem Migrolareal einsetzen. Und auch die Verantwortlichen der Stadt, die dies – und das ist nicht selbstverständlich – gerne unterstützen möchten.

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    2. Noch was zur Ergänzung, Herr Meier: Wer Mauern (oder Zäune) hochzieht, will die Eskalation provozieren und will ausgrenzen.

      Mit Sicherheit ist das für die jungen Leute eine Lebenserfahrung, die sie der Gesellschaft noch lange nachtragen werden.

      Das nenne ich Eskalation.

      Vielleicht ist das in Ihrem Sinn. Aber die Gesellschaft darf sich das eigentlich gar nicht leisten: Die Zukunft gehört ihnen, nicht uns.

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  6. Wenn ich mir die Räumung ansehe, wird mir schlecht. Nicht wegen der Bilder, sondern wegen all dem, was dahinter steckt und wie viele Träume und Kreativität, wie viel Freiraum auf kleinstem Raum einmal mehr kaputt gewalzt wurden. Warum? Geld? Prinzipien? Leere. Die Jungen werden ihre Kreativität und Träume nicht verlieren. Dafür sind sie zu lebendig. Darüber freue ich mich.

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