Das Grabschänder-Bambi vom Friedhof Hörnli: «Jetzt rede ich!»

Rehe finden Geschmack am Grabschmuck auf dem Friedhof Hörnli. Vom Lösungsvorschlag der Tiere will die Stadt nichts hören.

Die Grabblumen schmecken den Rehen ausgezeichnet. (Bild: Tobias Stöcklin)

Für die Rehe auf dem Friedhof Hörnli steht Grabschmuck an oberster Stelle auf dem Speiseplan. Auf den Lösungsvorschlag der Tiere will die Stadt aber nicht eingehen.

Auf dem Friedhof am Hörnli sorgt ein Rudel Rehe für Unruhe. Rosen, Lilien und Primeln, als Grabschmuck zum Gedenken an Verstorbene aufs Grab gestellt, stehen auf dem Speiseplan der zwölf Friedhofstiere an oberster Stelle. Das kostet Nerven und Geld, die Stadtgärtnerei schätzt die Schäden auf über 60 000 Franken im Jahr, wie die «kmu news» berichteten. Alles Mögliche wurde bereits diskutiert: Kuhgatter, Verscheuchen und – als Ultima Ratio – Abschuss. Dabei wäre die Lösung einfach – man muss den Tieren nur zuhören.

Vor ein paar Monaten hat ein Tierkommunikator bei einem Besuch auf dem Friedhof «telepathisch» mit den Paarhufern Kontakt aufgenommen – und Erhellendes erfahren: Die Rehe wussten schlicht nicht, dass ihr Speiseplan für Ärger sorgt. «Sie sehen ein, dass ihr Fressen von Grabschmuck von den Menschen nicht verstanden wird», schreibt der Kommunikator in einem Brief an Regierungsrat Hans-Peter Wessels und die Stadtgärtnerei. 

Er habe aber nach eingehender Diskussion mit den Tieren eine Lösung gefunden: Der Kanton solle auf dem Friedhof einige Futterkrippen aufstellen. «Die Rehe haben mir kundgetan, in dem Falle keinen Grabschmuck mehr zu fressen.» Sollte der Kanton nicht bereit sein, die Futterkrippen zu bezahlen, würde seine Stiftung «Die Stimme des Tieres» die Kosten übernehmen. Eine Idee, auf die man auch ohne Telepathie hätte kommen können. Doch Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei, erteilt ihr eine Absage. In Basel-Stadt gelte ein Wildtierfütterungsverbot, das Aufstellen von Futtertrögen sei nicht möglich. «Tant pis», sagen sich die Rehe und fressen weiterhin mit Genuss die Gräber leer.

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 25.10.13

Konversation

  1. Hübsche Geschichte, hübsches Bild, unschöne Überschrift
    Die Kommentare zeigen: Lösungsvorschläge gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Eine weitere habe hier schon in anderem Zusammenhang vorgestellt:
    2011-11-27 02:01:27 „Am Ende des Weges blüht der Garten der Ewigkeit“
    Hier deshalb eine gekürzte Variante.
    Nichts gegen Schnittblumen, die von Hinterbliebenen auf die Gräber gestellt werden, sie sind oft genug das einzige Individuelle unter dem monokulturellem Bombast der Reihengräber. Der Bedarf an blumigem Überschwang ist allerdings im Schwinden begriffen. Immer weniger Leute können etwas anfangen mit diesem Angebot: „Ab Ostern Stiefmütterchen, Tulpen und Osterglocken. Im Sommer Begonien und Fuchsien. Im Oktober Calluna, Erika, Chrysanthemen.“ Nichts gegen diese Gewächse! Die können ja nichts dafür dass ihre Käufer nicht wissen, was sie tun. Vor 10 Jahren hat eine Zürcher Studie die Umweltbelastung durch den Friedhofs-Wechselflor ermittelt, Fuchsia, Erica, Calluna und auch Begonia haben grottenschlecht abgeschnitten. Derenungeachtet gehen die untersuchten Pflanzen nach wie vor den (teilweise langen) Weg aus den Gewächshäusern (2 Jahre) in die Abfallmulden, mit Zwischenhalt auf den Gräbern (3-5 Monate). Durch 40’000-fache (Anzahl städtischer Gräber) Wiederholung wird dieser Unsinn aber nicht sinnvoll. Mit der Bepflanzung mit standortfremdem Wechselflor setzt die Stadt auf dem Gottesacker alljährlich einen Teufelskreis in Gang: Die zwangsläufige Beregnung fördert Pilzkrankheiten, die man dann mit der chemischen Keule bekämpft. Mit der Brandmarkung alles Ungerufenen als „Schädlinge“, schafft man die Legitimation zu deren Vergiftung, womit man gleichzeitig deren Gegenspieler, die „Nützlinge“ ausschaltet. All dies wird erklärtermassen zum Trost der Hinterbliebenen veranstaltet – genauso wie der Coop-Filialleiter die Regale nur mit Artikeln füllen lässt, die „der Kunde wünscht“. Ein Verzicht auf den unnötigen Ressourcenverschleiss (an Pflanzen, Torf und Arbeitskraft, auf Verschwendung grauer Energie für die klimatisierte Anzucht, für die Produktion von Dünger und Pestiziden, für die Trinkwasseraufbereitung (zur Beregnung), für den Transport und den Maschineneinsatz). würde die Abkehr vom überholten Dogma bedeuten, wonach auf dem Grab jederzeit etwas zu blühen habe? In den 80er-Jahren hat auf diversen Friedhöfen der Schweiz ein Umdenken angefangen: Es wurde ein natürlicher Grabschmuck angeboten, für Menschen, die Zeit haben, etwas länger und genauer hinzuschauen, Menschen wie sie ja nicht selten am Grab stehen. Standortgerechte Wildstauden – also mehrjährige Pfllanzen – brauchen nämlich keinen Pflanzenschutz, denn die wechselseitige Kontrolle wird von einem Beziehungsnetz zwischen der Pflanze und kleinen und grösseren Tieren ausgeübt. Es ist offensichtlich, dass dieses Kontrollnetz in der Monokultur fehlt. Leider wurde die naturnahe Grabbepflanzung z.B. auf einem Zürcher Friedhof, aus wirtschaftlichen Ueberlegungen, nach wenigen Jahren trotz grosser Beliebtheit wieder aufgegeben. Beim ganzen floralen Overkill ist stets von Kultur und Tradition die Rede, in Tat und Wahrheit geht’s, wie üblich bei kapitalem Unsinn: um Geld, um Besitzstandswahrung wider jede Vernunft. Von verantwortlicher Stelle höre ich immer wieder die – mit der grössten Selbstverständlichkeit vorgebrachte Ausrede: „Das Gärtnergewebe muss auch leben.“ In der Privatwirtschaft müsste man mit einem solchen Argument nur einmal kommen. Dabei gibt es durchaus Betriebe, welche die geeigneten Wildstauden liefern, und den Kulturwandel begleiten könnten. Auf dem Friedhof begegnen wir unserer eigenen Vergänglichkeit, ist es da nicht grotesk, die Wahrnehmung des natürlichen Lebenskreises mit trostlosen Einwegpflanzen zuzudecken? Tröstlich wäre es zu sehen, wie das Leben weiter geht: Wie Schmetterlinge im Schwarm über den Lichtnelken tanzen, wie Blühen und Verblühen in die Frucht- und Samenbildung übergeht, wie aus Wildrosenblüten Hagebutten werden, Futter für Amsel, Drossel Fink und Star. Und halt eben auch für das eine oder andere Reh. Mehrjährige Wildstauden wachsen – anders als Schnittblumen – nach gelegentlicher Beweidung immerhin nach. Leider muss man annehmen, die Stadtgärtnerei verharre im alten Trott und ziehe das Wehklagen einer Richtungsänderung vor.

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  2. 200 Pilze
    700 Gramm Rehfleisch
    200 Gramm geräucherter Schweinebauch
    1 Zwiebel

    3 Zweig/e Thymian
    Salz und Pfeffer
    100 ml Wein, rot
    200 ml Wildfond
    1 EL Zitronensaft
    1 EL Gelee (Johannisbeergelee)
    150 ml Sahne
    1/2 Bund Petersilie

    Rehfleisch in gleichmäßige Würfel schneiden. Speck und Zwiebeln fein würfeln. Rehfleisch, danach Speck und Zwiebeln anbraten, miteinander mischen, mit Salz und Pfeffer würzen, Thymian zugeben und mit Rotwein aufgießen. 45 Minuten schmoren lassen. Danach die Champignons (kleine im Ganzen, größere teilen bzw. vierteln) und den Wildfond zugeben und weitere 15 Min. schmoren. Zitronensaft, Sahne und Johannisbeergelee untermischen und nicht mehr aufkochen lassen. Abschmecken und mit gehackter Petersilie bestreuen.

    Anmerkung: Je nach Geschmack getrocknete Steinpilzscheiben einweichen und samt Einweichwasser mitschmoren lassen.

    Ich würde dem Tier zuhören, wie es langsam im Backofen vor sich hin gluckert, so als Alternativtierflüsterer und alle Geschädigten zum Essen einladen.
    Waidmanns Heil!

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  3. Auch ich beobachtete schon Rehe und Hasen im Hörnli! Dieses Jahr sogar zwei mittlere, schwarze Wildsäue, die am saftigen Grabschmuck der Verstorbenen knabberten Schlimm? Nein-höchstens lustig! Vermutlich gönnen sicher die meisten Dahingeschiedenen den Wildtieren die Blumen, gespendet von den nichts ahnenden Verwanden und Bekannten. Meine Wenigkeit will eh nicht mehr aufs Hörnli zügeln, wenn es mal so weit ist. Die Körperhülle kremieren und meine Asche Vater Rhein zum Weitertransport in die ewigen Jagdgründe übergeben, so stehts in meinem Testament. Die Hinterbliebenen sollen doch nicht für Grabpflege und Bepflanzung von mir aufkommen müssen! Auch in meinem Freundeskreis denken viele wie ich. Auf dem Hörnli gibt’s also in absehbarer Zeit mehr Platz, die Viecher sollen fressen, solange es noch hat.

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  4. Wenn der Schaden Fr. 60’000/Jahr betragen soll, dann müsste sich eine ebenso akzeptable wie wirksame Form von Kuhgattern finden lassen.
    Oder man fährt, weil des sich ja um einen spirituellen Ort handelt, voll auf die Eso-Schiene ab. Sicher finden sich dann Tierpsychologen und Gurus aller Art ein, welche die verirrten Bambis alternativmedizinisch mit Heilmassagen und Kügeli etc. pp. auf den richtigen Weg führen.

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  5. Gibt es vielleicht hier irgendwo in der Region einen der dieses Handwerk versteht mit den Toten zu kommunizieren. Schliesslich ist dieser Grabschmuck für die Verstorbenen. Deshalb sollten sie mal gefragt werden, was ihnen wichtiger ist, ein unversehrter Schmuck auf ihrem Grab oder lieber Besuche von Rehen, die an ihrem Grabschmuck freude haben und ihn auch gern haben.

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