Das sind die grössten privaten Geldgeber der Uni Basel

Vier Monate nach Anfrage veröffentlicht die Universität eine Liste mit den grössten privaten Geldgebern. Angeführt wird sie von Novartis und Roche.

Eine Vielzahl von Unternehmen und privaten Stiftungen untertsützt die Universität mit Geld. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Vier Monate nach Anfrage veröffentlicht die Universität eine Liste mit den grössten privaten Geldgebern. Angeführt wird sie von Novartis und Roche.

Es war ein langer Weg zu ein wenig mehr Transparenz. Im Sommer stellte die TagesWoche der Universität Basel ein Gesuch um Akteneinsicht. Gefragt war eine Liste mit allen privaten Geldgebern. Die Universität beschrieb die Anfrage als zu umfassend und stellte Kosten von mehreren tausend Franken in Aussicht. Nach viermonatiger Korrespondenz schickte die Universität schliesslich eine Liste mit den zwölf grössten Geldgebern.

Zu den grössten Spendern gehören demnach die Eckenstein-Geigy-Stiftung, Roche und Novartis. Weitere Stiftungen finanzieren zahlreiche Professuren, mehrheitlich im Bereich der Life Sciences.

Drei Geldgeber zahlen über 10 Millionen Franken

Die Eckenstein-Geigy-Stiftung finanziert mit 15 Millionen über zehn Jahre eine Forschungsprofessur für Pädiatrische Pharmakologie. An zweiter Stelle steht Roche mit einem Betrag von 12 Millionen über 25 Jahre mit einer Professur für Immunologie. Der anteilsmässige drittgrösste private Geldgeber ist Novartis. Vor drei Jahren schenkte das Unternehmen der Universität 10 Millionen Franken zum Zweck, begabte Studierende in den Life-Sciences-Disziplinen zu fördern.

Der Basler Unternehmer (Medizinaltechnik) Thomas Straumann hat für die Professur in Materialwissenschaften im September 2006 sechs Millionen Franken gestiftet. Und die Botnar Stiftung hat für die im letzten Juni besetzte Professur für Pädiatrische Pneumologische Forschung fünf Millionen Franken gestiftet. Beide Stiftungen sind auf zehn Jahre befristet.

Wenig Wille zu Transparenz

Immer mehr Hochschulen schauen sich nach Geldern von privater Seite um. Zuletzt sorgte das UBS Sponsoring an der Universität Zürich in der Höhe von 100 Millionen Franken für Aufregung. Der neue Zürcher Rektor Michael Hengartner hatte vergangene Woche angekündigt, künftig alle Verträge offenzulegen. Ausserdem sei man daran, in einem internen Reglement festzulegen, wie mit privaten Geldgebern umzugehen ist. An der Universität Basel ist man davon noch weit entfernt. Der Basler Rektor Antonio Loprieno hält ein Reglement, wie es in Zürich entsteht, nicht für hilfreich.

Lesen Sie mehr zur Universität Basel und ihrer Nähe zu privaten Geldgebern in der kommenden Ausgabe der TagesWoche. Ab dem 7. Februar am Kiosk oder in der TagesWoche-App erhältlich.

Die grössten privaten Geldgeber in der Übersicht:

Eckenstein-Geigy-Stiftung, 15 Millionen Franken
Forschungsprofessur für pädiatrische Pharmakologie

Roche,12 MillionenFranken
Professur für Immunologie

Novartis, 10 Millionen Franken
Schenkung zur Förderung von Studierenden und Doktoranden in der Life Science

Botnar Foundation, 6 Millionen Franken
Professur für pädriatische Pneumologie

Thomas Straumann, 6 Millionen Franken
Professur für Materialwissenschaften

Branco Weiss, 5 Millionen Franken
Professur für jüdische Studien

Endress Stiftung, 3 Millionen Franken
Professur für Nanosensorik

Ehepaar Grisard, 3 Millionen Franken
Professur für Molecular Bionics

Swiss Foundations, 3 Millionen Franken
Aufbau Center for Philanthropy Studies

Interpharma, 450'000 Franken jährlich, unbegrenzt
Professur für Gesundheitsökonomie

Laurenz Stiftung, 1,5 Millionen Franken
Professur für zeitgenössische Kunst und Assistenzprofessur für Kunsttheorie

Novartis Foundation, 1 Million Franken
Teilfinanzierung Professur für molekulare und systemische Toxikologie


 

Artikelgeschichte

     

Konversation

  1. Gut ich bin bei der Eckenstein-Geigy Stiftung auf den Leim gekrochen.
    Sie schreiben, dass Herr Eckenstein eher den Basler Architekten zugeordnet werden muss. Was ist mit dem anderen Teil der Stiftung „Geigy“?
    Diese Stiftung unterstützt immer hin eine Professur für pädiatrische Pharmakologie.

    Der beste Geldgeber für eine Institution wie die UNI, wäre immer noch der, der seine Mittel nicht zweckbezogen zur Verfügung stellt.
    Bildung und Forschung sollten frei sein von materiellen Bedürfnissen anderer.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Ich hätte erwartet, dass man bei den verschiedenen Stiftungen (immerhin etwa die Hälfte der aufgeführten Geldgeber) etwas tiefer schürft. Sonst kommt es wie es kommen muss: Leser wie Frau Eldorado sehen ‚Geigy‘ in Namen einer Stiftung (notabene der grösste Geldgeber auf der Liste) und zählen deren Betrag logischerweise zu Pharma.

    Sie kann ja nicht unbedingt wissen, dass Herr Eckenstein eher den Basler Architekten zugeordnet werden kann/soll.

    Leider muss ich diesem Bericht – einmal mehr – die Note ‚ungenügend‘ geben. Es fehlt – wie bei vielem in der TaWo – einfach die Sorgfältigkeit und der Tiefgang.

    Sind die Redaktoren eventuell zu stark mit sich selbst und den (viel zu) tiefen Auflagenzahlen beschäftigt? Könnte man ja verstehen.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Sehr geehrter Herr Heimgartner

      Vielen Dank für Ihre Präszisierung. Mehr zur privaten Finanzierung der Universität Basel können Sie in unserem Wochenthema in der Printausgabe lesen. Ab Morgen am Kiosk (oder am Flughafen) erhältlich.

      Die Geschichte der Familie Eckenstein ist übrigens hier nachlesbar: http://www.eckenstein.ch/

      Freundliche Grüsse

      Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Gut, ich will Ihnen die Freude machen.
    Von Seiten der Pharma kommt das meiste Geld, fast 40 Mio.
    Und das wissen Sie sicher selber auch, dass kaum jemand jemand anderem selbstlos Geld in die Hand drückt.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass es für Buschis und Kleinkinder kaum Medikamente gibt, die frei verkäufllich sind. Man sollte sie so weit als möglich davon verschonen. Deshalb ist es richtig, dass man deswegen zum Arzt muss.
    Allerdings gibt es viele Hausmittelchen seit Grossmutters Zeiten, die, wenn nötig, inklusive Bettruhe meist vorzüglich wirken.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. Danke für den link. Es sollten wirklich alle Sponsoren so offengelegt werden. Das wär schon mal was.

    @Viktor K
    Ich finde, dass es noch weiter gehen soll. Der Staat soll das Geld frei geben. Die Uni bestimmt, was geforscht wird und wie sie ihr Geld einteilt.
    Die einzige Kontrolle des Staates sollte sein, dass im Uni-Betrieb keine Korruption und Veterliwirtschaft herrscht.
    Geistige Inhalte müssen frei sein und dürfen nicht von aussen bestimmt werden.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  5. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe des Staates die Uni zu finanzieren und zu kontrollieren. Das Geld, das private Institutionen der Uni geben wollen, könne sie durch vermehrtes Steuern zahlen tun. So werden die Unis nicht abhängig von Privaten, die dann jederzeit den Geldhahnen zudrehen können, resp sagen, für welchen Zweck sie ihr Geld geben. Einfluss auf die Beitragshöhe der Mittel, die der Staat sprich, können diese privaten Geldgeber auf politischem Weg ausüben. So ist doch das Bildungswesen bei uns organisiert. Das hat seine guten Gründe!

    Viktor Krummenacher, Bottmingen

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  6. @Georg: Dass die Forschung wichtig ist, wird nirgends bestritten.

    Hier geht es darum, dass die Öffentlichkeit ein Recht hat, zu erfahren, wer was sponsert und welche Bedingungen an die Gelder geknüpft sind. Dass sich Herr Loprieno gegen ein Transparenz-Reglement stellt, ist schade, aber auch wenig überraschend.

    Wenn Sie schon Sparpaketen erwähnen: In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass Kantone sparen müssen weil sie sich einen Steuerwettbewerb liefern und zur Korrektur des „struturellen Defizits“ wichtige Investitionen (z.B. in Bildung) streichen.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  7. Die pädiatrische Forschung ist wichtig, steckt diese gerade bei der Pharmazie arg in den Kinderschuhen. So gibt es heute kaum ein Hustempräparat, das für Kinder unter 2 Jahren frei verkäuflich ist.

    In Zeiten in denen der Staat überall versucht zu sparen, sind solche Unterstützungen wichtig. Und vor allem haben sie gerade in Basel eine gewisse Tradition.

    Ich selbst habe selten bis kaum bemerkt, dass eine Professur gesponsert war, die Profs waren äusserst unabhängig und die Firmen hielten sich vornehm zurück.

    Aber ich freue mich schon auf fie zahlreichen Negativmeldungen, die reflexartig beim Stichwort Pharma hier kommen, wie das Amen in der Kirche…

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  8. Ich kenne die Familie nicht, habe aber schon öfters über sie gelesen:
    Casino Abstimmung (Hauptgegener), Kunstmuseum (Familie Oehry stiftet an Eckenstein’s Stelle) und Affenhaus im Zoo (das von Ecksteins bezahlt wurde). Soviel ich weiss, hiess seine verstorbene Frau Geigy. Zum Hintergrund der gestifteten Professur können Sie beiliegenden Link anklicken:
    http://www.unibas.ch/index.cfm?uuid=86FDE6F5B221750D007DEA596CF4EB40&&IRACER_AUTOLINK&&

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (9)

Nächster Artikel