Das wird kommende Woche neu bei der TagesWoche

Der Countdown läuft: In elf Tagen erscheint die gedruckte Wochenausgabe der TagesWoche in einem neuen Design. Es ist ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung unserer Online-to-Print-Strategie.

Tag und Nacht am Redesign: Ludovic Balland (Bild: Nils Fisch)

Der Countdown läuft: In elf Tagen erscheint die gedruckte Wochenausgabe der TagesWoche in einem neuen Design. Es ist ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung unserer Online-to-Print-Strategie.

Die Betriebstemperatur steigt täglich im Newsroom der TagesWoche. Die Arbeiten am Redesign der gedruckten Wochenausgabe stehen kurz vor Abschluss – am 28. März wird die neu gestaltete Zeitung erstmals ausgeliefert. Es ist ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung der im vergangenen Mai beschlossenen Online-First-Strategie.

Was heisst das? Bereits seit Monaten erfolgt die inhaltliche Bespielung unserer digitalen Kanäle wie auch der gedruckten Wochenzeitung aus dem Newsroom heraus.

Schlankere Abläufe, mehr Infos, mehr Community

Dabei wurden auch die Arbeitsprozesse neu organisiert. Waren diese bis letzten Sommer vor allem auf die Produktion der Wochenzeitung ausgerichtet, gilt seit ein paar Monaten: Die Themenplanung verläuft plattformunabhängig. Die Beiträge werden, losgelöst vom späteren Publikationsmedium, recherchiert, digital aufbereitet und danach in den jeweiligen Kanälen veröffentlicht.

Dies vereinfacht die Planung, schafft neue Ressourcen für unser eher kleines Redaktionsteam und vergrössert die Informationsdichte in unserem Medium. Der neudesignte Print unterstützt diesen Prozess und hilft künftig, die redaktionellen Kräfte noch besser zu bündeln.

Auch in der neugestalteten Wochenzeitung werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, bewährte und beliebte Gefässe wie etwa das Wochenthema, das grosse Interview, Analysen und Gastbeiträge wiederfinden. Verstärkt soll hier künftig aber auch die Community zu Wort kommen.

Neu wird zudem ein Teil der Zeitung die wichtigsten Online-Storys der Woche in printgerechter Form aufarbeiten: Online und Print rücken näher zusammen. Mit etwas Distanz wollen wir in der Zeitung nochmals darstellen, was in den letzten sieben Tagen wirklich wichtig war.

Mehr dazu verraten wir Ihnen in den kommenden Tagen. Ebenfalls werden wir Ihnen noch diese Woche die ersten Entwürfe der neugestalteten Zeitung präsentieren.

Tag und Nacht dran: Ludovic Balland

Verantwortlich für das Neudesign ist der Basler Designer Ludovic Balland, der vergangene Woche an der Buchmesse in Leipzig eine Goldmedaille in der Kategorie «Schönste Bücher aus aller Welt» erhalten hat. Balland ist ein erfahrener Printdesigner. Er arbeitete an diversen Magazinkonzepten mit, war 2012 für das neue Erscheinungsbild des Theaters Basel verantwortlich und ist Gastdozent an verschiedenen Institutionen – unter anderem am Otis College of Art and Design in Los Angeles, wo er die Weiterentwicklung von Print im Zeitalter der Digitalisierung untersucht.

Derzeit tüftelt er in unseren Redaktionsräumen fast Tag und Nacht am neuen Layout – und lässt sich dabei auch von erschwerten Arbeitsumständen nicht aus dem Konzept bringen. Doch sehen Sie selbst …

Ludovic Balland, in wenigen Tagen erscheint die erste Ausgabe der neugestalteten TagesWoche – sind Sie bereit?

Wenn ich ein Buch gestalte, entwickle ich ein Fundament, auf dem ein einziges Haus errichtet wird: Ich gestalte ein Layout, das Buch wird gedruckt – und damit ist der Prozess abgeschlossen. Bei einem Medium wie der TagesWoche sind ganz andere, viel komplexere Prozesse im Spiel. Jede Woche muss ein neues Haus auf dasselbe Fundament gebaut werden. Alles geht viel schneller, die Arbeit ist weniger absehbar, es muss improvisiert werden – deshalb muss das Layoutfundament ausserordentlich stabil und ausbaubar sein. Ich bin bereit, ich habe für die TagesWoche sehr widerstandsfähiges Baumaterial entwickelt.

Wie gestaltet man die Printausgabe eines Mediums, das nach dem Prinzip «online to print» funktioniert?

Es ist mir nicht darum gegangen, eine Form zu suchen, die sich nach den visuellen Codes des Internets orientiert. Solche Gestaltungskonzepte funktionieren nicht. Mich interessierte die Frage, inwiefern haben sich die Lesegewohnheiten durch das Onlinepublishing verändert – und welche Folgen hat das für die Berichterstattung auf Papier? Ich bin dabei zu interessanten Schlüssen gekommen.

Zu welchen?

Online ist dynamisch, Papier statisch. Bei der Online-Berichterstattung der TagesWoche ist der Leser Partner: Er teilt Inhalte, schreibt Kommentare, kann direkt Einfluss auf den Inhalt nehmen. Schreiber und Leser teilen sich dieselbe Oberfläche. Informationsvermittlung auf Papier funktioniert anders. Der Platz ist begrenzt, und es gibt irgendwann ein Endprodukt. Das Papier ist eine Bühne, der Leser ein Zuschauer. Die Umsetzung auf Papier ist räumlicher, die Dramaturgie spielt eine grosse Rolle und beeinflusst die Wahrnehmung der Informationen. Beim Neudesign der TagesWoche habe ich versucht, dem Leser mehr Platz auf der Bühne zu geben. Die Erfahrungen des Onlinepublishings lassen sich auch für die Berichterstattung auf Papier nutzen. Es entstehen so ganz neue Möglichkeiten, die – davon bin ich absolut überzeugt – auch für die Weiterentwicklung des Onlinepublishings fruchtbar sein können. 

Was war die grösste Herausforderung in diesem Projekt?

Die TagesWoche ist ein einzigartiges Produkt – ein Medium mit mehreren Informationsträgern. Die Herausforderung bestand darin, die unterschiedlichen Kanäle und Formate in Einklang zu bringen. Der Onlinekanal ist durch alltägliche Aktualität getrieben, die Wochenzeitung ordnet ein und analysiert. Beides spiegelt sich im Printredesign: Die Wochenausgabe ist zugleich Magazin und Zeitung. Um nochmals zur Architektur zurückzukommen: Meine Arbeit war mehr «Stadtplanung» als das Bauen einzelner Gebäude.

Und was bereitete Ihnen am meisten Probleme?

Es gibt keine Probleme.

Welche Seiten des neuen Designs gehören zu Ihren Lieblingen?

Da ich ein grosser Liebhaber von Tageszeitungen bin, gefallen mir jene Seiten sehr gut, die «Zeitungsappeal» haben. Es überrascht mich, wie trotz des magazinigen und sehr kompakten Formats der Eindruck einer Zeitung vermittelt werden kann. Man könnte sagen, die TagesWoche wird zur «Zeitung im Magazinformat» und gleichzeitig zum «Magazin auf Zeitungspapier». Das gefällt mir. Und natürlich das Cover!

Konversation

  1. Das ist ja alles wunderbar. Jetzt fehlt nur noch, dass die TagesWoche bei einem Zeitungsdrucker gedruckt wird, der den Gesamtarbeitsvertrag der graphischen Industrie einhält. Dann wäre es nahezu perfekt! Vielleicht hat ja die TagesWoche genug Einfluss bei der Firma Zehnder und wird diesbezüglich bei der Firmenleitung vorstellig werden. Schön wär’s – vor allem für die Drucker in Rickenbach.

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  2. … wie es im Übertitel steht, hatte ich vergessen. Noch ein Grund mehr, über Sprachkompetenz und Stil nach zu denken.
    Wenn man mag.

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  3. ich zitiere den obigen Text in Auszügen:

    Countdown
    Design
    Online-to-Print-Strategie (why not „Strategy“, Remo?)
    Newsroom
    Redesign
    Online-First-Strategie (Mixing the Sprachen again!)
    Newsroom
    Community

    (Dann der erste Absatz ganz ohne Neudeutsh-New-Speak! Respect!)

    der neudesignte Print
    Community
    Online-Storys (der Plural should eigentlich „Stories“ heissen)
    printgerecht (nicht Pint-gerecht, hicks?)

    usw…usw …

    Alle gute Wünsche von meiner Seite, aber ist das noch Journalismus or is it just Dschörnalism?
    Und was hat dieser Dschörnalism noch to do with our Mother-Längwich? Änd with which Längwitsch ächtsch exäctly?

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  4. und ihre Themen!
    In vielen lebens- und menschennahen Themenbereichen füllt die TaWo riesige Löcher, um die konventionelle Medien aufgrund ihrer Abhängigkeiten grosse Bogen ziehen.
    Besonders um die hässlichen Schmuddelbereiche eines ausser Rand und Band geratenen Arbeitsmarktes, dem immer mehr Lohnabhängige zum Opfer fallen: Temporäre statt Festangestellte, Arbeitsverhältnisse auf Abruf und ohne garantiertes Mindesteinkommen, zunehmende Hungerlöhne und Nichtdurchsetzung der Flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit mit der EU.

    Nun noch eine Druckerei in der Region berücksichtigen, die sich an den Gesamtarbeitsvertrag der Branche hält und sich unterstützend für einen GAV für JournalistInnen einsetzen – die TaWo ist ganz schnell wieder Klassenprimus!

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  5. Ich hoffe, dass sich mal jemand wenigstens ernsthaft um die Rätselseite kümmert. Sie ist die wichtigste Seite für mich in dieser „Zeitung“, die ich mittlerweile „10 Minuten“ nenne, weil sie kaum je etwas wirklich Neues bring, und man auch alle Rätsel in 5 Minuten gelöst hatt!
    Es geht nicht an, ein bereits völlig gelöstes Sudoku zu veröffentlichen, oder zweimal dasselbe. Im ersten Fall kann man die Zeitung gleich wegwerfen, im zweiten Fall halt erst nach ca. 5 Minuten. Aber ihr habt auch sonst noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten ausserhalb der Rätselseite! Bin gespannt auf die neue Version…

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  6. Ich glaube zu spüren dass das Tageswoche Team richtig euphorisch ist und voller Elan und Tatendrang. Man freut sich riesig. Vor allem auch Ludovic Balland scheint es zu geniessen.
    Schaub scheint zwar auch gespannt zu sein, kann aber seine abfälligen Bemerkungen wie
    ‚Künstler Bla Bla‘.. einfach nicht sein lassen.
    Damit er’s allerdings auf ‚ausgewählte Kommentare‘ schafft, dazu muss er einen Onkel bei der Tageswoche haben. Was soll daran so interessant sein?

    Drücke euch die Daumen

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  7. Der gedruckten Ausgabe der TagesWoche würde es gut anstehen, wenn sie künftig in einer Druckerei gedruckt würde, die dem Gesamtarbeitsvertrag der grafischen untersteht. Zehnder, wo ihr heute druckt, ist weder gewerkschaftsfreundlich noch GAV-treu. Wäre es nicht auch eine neue Strategie, auf solche Punkte zu achten und diesen Mangel zu beheben?

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  8. @ Herr Schaub
    Was Sie in mit Ihrem „sonnigen“ Gemüt, als Künstlerblabla abtun ist eine Schwerstarbeit!
    Das Schriftbild muss gewählt werden und zwar so, dass es dem geneigten Leser auch in den Kram passt. Druckmaschinen, welche eine Zeitung ausspucken, haben bestimmte Formate, das Format bestimmt auch den äusseren Aufbau der einzelnen Berichte… etc. etc. etc.
    Eine Zeitung sollte ein harmonisches Gesamtkonzept haben, nicht nur auf dem Internet.
    Sie reden über Künstlerblabla, aber erkundigen Sie sich einmal, WER die „Schräubchen“ nun neu ausrichtet und dreht. Im Verhältnis gesehen, wäre es so, als wenn Karl Lagerfeld für eine Fasnachtsclique den Auftritt zum Morgestraich incl. Kostüme und Laterne planen würde. Vielleicht ist Ihnen mit diesem Vergleich die Dimension vereinfacht dargestellt.
    Man benötigt ein sehr grosses typographisches Wissen um in der heutigen Zeit, Druckausgabe, Internetauftritt und Kundenfreundlichkeit (Lesbarkeit, Formatakzeptanz) auf einen Nenner zu bringen.
    Warten wir es doch ab, ich bin gespannt auf die neue Printausgabe (Papier ist für mich immer noch unersetzlich, wenn es um Presse geht.)
    Den Machern viel Glück

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