Denkmalschutz light für das Felix-Platter-Spital

Am Schluss sind alle zufrieden: Regierung und private Heimatschutz-Organisationen haben sich auf einen reduzierten Schutz für den Bau des Felix-Platter-Spitals geeinigt. Und die Genossenschaft, die das Areal überbauen möchte, begrüsst den Entscheid.

Die Aussenhülle des Felix-Platter-Spitals wird unter Schutz gestellt.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Am Schluss sind alle zufrieden: Regierung und private Heimatschutz-Organisationen haben sich auf einen reduzierten Schutz für den Bau des Felix-Platter-Spitals geeinigt. Und die Genossenschaft, die das Areal überbauen möchte, begrüsst den Entscheid.

In der breiten Bevölkerung mögen die Meinungen über den Wert des Bauwerks von 1967 auseinandergehen. Für die einen ist das Felix-Platter-Spital ein hässlicher Klotz, andere haben sich an den Bau gewöhnt, sehen in ihm vielleicht sogar ein bemerkenswertes urbanes Monument.

In Fachkreisen ist der Wert des Baus der Architekten Fritz Rickenbacher und Walter Baumann als Denkmal der Nachkriegsmoderne mittlerweile unbestritten. Trotzdem wollte die Basler Regierung den Bau ursprünglich nicht unter Schutz stellen. Dies, «um den Genossenschaften ein unbebautes Areal zu übergeben», wie sie in einer Medienmitteilung schreibt.

Platz für 500 bis 550 Wohnungen

Der heutige Spitalbau hat ausgedient, auf dem Areal soll ein wesentlich kleinerer Neubau für Altersmedizin entstehen. Der grosse Rest des Areals wurde dem regionalen Dachverband der Wohngenossenschaften übertragen, die über die neu gegründete Baugenossenschaft wohnen&mehr als Modellprojekt ein neues «Quartier im Quartier» mit 500 bis 550 Genossenschaftswohnungen schaffen möchte.

Gegen den Entscheid der Regierung, den Bau nicht unter Schutz zu stellen, haben der Heimatschutz Basel und die Freiwillige Basler Denkmalpflege Rekurs eingelegt. Und es zeichnete sich ab, dass auch die Baugenossenschaft wohnen&mehr gut mit dem monumentalen Bau am Rande des Areals leben kann – sofern die Umnutzung zum zeitgemässen Wohnraum nicht behindert werde. «Wesentlich ist die Frage, wie rigide der Denkmalschutz ausgelegt wird», sagte Jörg Vitelli, Präsident des Dachverbands, im Dezember 2015 gegenüber der TagesWoche.

Mit einem Kompromiss zum Erfolg

Die Regierung hat nun die Anliegen der Heimatschützer und der Baugenossenschaft mit einem Kompromissvorschlag unter einen Hut bringen können. «Das Hauptgebäude wird ins Denkmalverzeichnis eingetragen, nötige bauliche Veränderungen sind jedoch möglich», schreibt sie. Das heisst, dass in erster Linie die Bauhülle, also der visuelle Eindruck bestehen bleibt. Erhalten bleiben auch die Kantine mit Spitalküche und der Versammlungsraum mit seinen Glasmalereien.

Die beiden privaten Heimatschutz-Organisationen freuen sich über diese «weitgehende Unterschutzstellung», wie sie in einem Mediencommuniqué schreiben. Im Gegenzug verzichten sie auf eine Unterschutzstellung der beiden ehemaligen Schwesternhäuser und die Verbindungsbauten. Ihren Rekurs gegen die Nichtunterschutzstellung ziehen sie zurück.

Planungssicherheit geschaffen

Auch die Baugenossenschaft wohnen&mehr begrüsst den Kompromiss, der Planungssicherheit schaffe. «Durch die deutliche Reduktion des Schutzumfangs erhält wohnen&mehr genügend Spielraum, um das Spitalgebäude zügig und wirtschaftlich in ein Wohngebäude mit rund 130 Wohnungen umnutzen zu können», schreibt die Genossenschaft. Vorstudien würden nachweisen, dass die Umnutzung baulich und technisch machbar sei.

«Das Gebäude wird städtebaulich gut integriert und zu einem Flaggschiff des neu entstehenden Quartierteils werden», schreibt die Genossenschaft weiter. Welche halböffentlichen und öffentlichen Nutzungen im Sockelgeschoss Einzug halten, werde in den nächsten Jahren eruiert.

Baubeginn 2019

Bis 2017 will wohnen&mehr zusammen mit den Behörden den städtebaulichen Rahmen für das Areal erarbeiten. Erst dann werden konkretere Bilder zur Gestaltung und Nutzung in Aussicht gestellt. Ab 2018 sollen die einzelnen Baufelder projektiert und ab 2019 erste Wohnhäuser neu gebaut werden.

Konversation

  1. Dieses Spital als Gebäude gefällt mit gut.
    Ich kenne dieses Spital kenne ich als Patient seit vielen Jahren, und bin noch bestens zufrieden.
    Ein Umbau zu Wohnungen ist sehr teuer !
    Warum braucht dieses Gebäude als Alten-Heim. Dies benötigt nicht den Bau von Küchen, denn diese sind nicht nötig. Die grosse Küche dient für alle, und zum Essen ist der Restaurant-Raum ist unten vorhanden!
    Warum das Geld so verschleudern ???
    Felix Meyer

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  2. Wenn ich hier noch etwas anführen dürfte? Der starke Investitionsdruck für die institutionellen Anleger wird über kurz oder lang dazu führen, dass beide architektonisch wertvollen „Neubauten“ durch Neubauten ersetzt werden müssen. Selbstverständlich erst nach fachlich hochwertig begleiteten „Wettbewerben“. Wir freuen uns darauf.

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  3. PS:
    …es erinnert mich entfernt an das Altersheim St. Jakob Park mit seiner aus Beton „geflochtenen“ kleinkarrierten Gitterstruktur. Und wenn ich mal ausnahmsweise ehrlich bin, dann muss ich zugeben: Das Felix Platter Spital ist zwar nicht viel schöner als das Stadion, aber immerhin doch ein wenig weniger hässlich!
    Ich schlage also einen Deal vor: Wir lassen das Spital stehen und reissen dafür das Stadion wieder ab!
    Was meinen sie dazu, Herr Georg?

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  4. @ Georg.
    Wie M Cesna hier schreibt, ist es blödsinnig, ein Gebäude von innen her zu isolieren. Ich bin enttäuscht, dass Sie das offenbar nicht wussten, denn ich hätte Sie für einen Architektur-Fan gehalten. Nur so ist zu erklären, dass sie das Felix Platter Spital schön finden können. Irgend ein kluger Mensch hat in einem anderen Online-Medium geschrieben:
    “ Wie lange muss jemand eigentlich Architektur studieren, bis seine ästhetischen Empfindungen so verbogen worden sind, dass er so ein Teil für schützenswert hält?“
    Tja, mein lieber Georg, diese Frage geht offenbar auch an Sie.

    So oder so: Es ist genau wie beim völlig konzeptlos „geplanten“ Umbau des Guy-Morin-Mausoleums, also der Kaserne: Man wird unfassbar viel Geld verlochen müssen in eine untaugliche und unausgegorene „Lösung“ wenn man es dann den Denkmalschützern recht machen will. (Das sind die Typen ganz in schwarz mit dem Rollkragenpulli und der fett- und dunkelrandigen Brille …entweder rund wie die von LeCorbusier oder aber eher das Modell „Flügeltür“ im Stil von Max Frisch und Jean Paul Sartre. So atemberaubend verstörend wie letztgenannter, denke ich mir, muss man auch in die Welt hinaus schielen können, um das Felix Platter Spital wirklich für wertvoll zu halten. Nein, das kann echt nicht jeder.

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  5. Auch wenn das viele nicht verstehen: Das Felix-Platter-Spital (der Hauptbau) hat mir schon immer gefallen. Echt, ich finde den Bau originell. Und ich bin kein Architekt! Ob er sich bautechnisch sinnvoll und ökonomisch vertretbar zu einem Wohnhaus umbauen lässt, kann ich nicht beurteilen.

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  6. Mind Me: «auf anderen Fotos sieht das Gebäude schon eher besser aus.» Mit anderen Worten: Sie kennen das Gebäude also überhaupt nicht, sondern haben nut ein paar Fotos in Zeitungen gesehen, aber selbstverständlich diskutieren Sie wacker über seine Ästhetik mit. Willkommen am Online-Stammtisch.

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  7. Offensichtlich fällt es schwer die geplanten Wohnbauaktivitäten auf dem ehemaligen Felix-Platter-Spital positiv zu bewerten. Es ist mit Sicherheit fehl am Platz, wenn sich jetzt selbsternannte ExpertInnen mit bautechnischen Fragen beschäftigen bevor überhaupt ein Projekt- und Realisierungsvorschlag auf dem Tisch liegt. Hier an Details rumzumäkeln, um damit zu kaschieren, dass man eigentlich grundsätzlich gegen das Wohnbau-Projekt ist, zeigt nur, wie wenig innovativ die KritierInnen aufgestellt sind.

    Der Kompromiss zwischen den Heimatschutz-Organisationen, der Regierung und den Initianten von «wohnen&mehr» ist in jedem Fall ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung eines einmaligen Wohnprojektes. Jetzt liegt es an den Bauspezialisten gute Lösungen zu finden, welche das ehemalige Spitalgebäude in ein Wohngebäude mit rund 130 Wohnungen verwandeln. Die dazu nötige Bautechnik ist vorhanden und «wohnen&mehr», als Zusammenschluss von zahlreichen seit Jahren aktiven Wohngenossenschaften, bringt das nötige Know-how mit um hier gute Lösungen zu finden. Das wird keine leichte Aufgabe sein, aber solche Vorgaben sind auch Herausforderungen, um neue Wege zu beschreiten.
    Eine miesepetrige Haltung hat noch nie dazu verholfen Neues auf die Beine zu stellen. Daher sind die vorliegenden Entscheidungen richtig. Jetzt startet die eigentliche Planung. Es gilt daher die entsprechenden Resultate und Lösungsvorschläge abzuwarten. Es ist aber super, dass «wohnen&mehr» hier aktiv wird und neue Wohnungen, ja ein ganzes Wohnquartier für mehrere hundert EinwohnerInnen, generiert. Damit erhält der genossenschaftliche Wohnungsbau ein markantes Pilotprojekt und die Stadt ein neues Wohnquartier. Solche Bestrebungen müssen unterstützt und nicht behindert werden.

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  8. Ein wirklich schoenes Gebaeude sieht aus jeder Perspektive toll aus. Habe meine Meinung daher nur leicht revidiert :).

    Grundsaetzlich finde ich solche Architektur hat sich seit damals nicht fundamental veraendert, aber die Qualitaet ist heute hoeher. Solche bauten sind ersetzbar! Oder man darf auch daran rumschrauben…

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