Der Babykocher hat uns gerade noch gefehlt

Liebe geht durch den Magen, und man will ja sowieso nur das Beste für die Kleinen. Das wissen auch die Gerätehersteller. Hier kommt der Babycook ins Spiel.

Supersach: Der Beaba Babycook.

Liebe geht durch den Magen, und man will ja sowieso nur das Beste für die Kleinen. Das wissen auch die Gerätehersteller. Hier kommt der Babycook ins Spiel.

Es ist eine Binsenwahrheit, dass man auch bei reiflicher Überlegung keine Ahnung hat, worauf man sich da eigentlich einlässt, wenn man ein Kind zeugt. Das weiss man schon nur deswegen, weil alle, die sich schon darauf eingelassen haben, einem das unablässig sagen (eben, dass man keine Ahnung hat, worauf man sich da eigentlich einlässt, wenn man ein Kind zeugt).

Die Sache wird dadurch nicht besser, dass die Informationen, die man von Freunden, Bekannten und Wildfremden vermittelt bekommt – ungefragt, versteht sich –, stark widersprüchlich sind. Die Freunde, Bekannten und Wildfremden versorgen einen vermutlich aus zwei Gründen mit ihren Ratschlägen: Einerseits, um zu beweisen (und auch um etwas damit anzugeben), dass sie wirklich eine Ahnung haben. Und zweitens – denn die Ratschläge sind oft durchaus gut gemeint –, damit man wenigstens den Hauch einer Ahnung davon bekommt, worauf man sich da eigentlich einlässt, wenn man ein Kind zeugt.

Die Leute vergessen schnell, dass sie gerade noch gesagt haben, das sei ein unmögliches Unterfangen.

«Babymixer?»

«Habt ihr schon einen Babymixer?», fragte ein Bekannter bei einer solchen Gelegenheit, und vor meinem geistigen Auge spielte sich eine grauenhafte Szene ab, worauf ich, womöglich heftiger als nötig, verneinte. Das fragende Gesicht des Bekannten glättete ich mit der Gegenfrage: «Babymixer?»

«Das ist super!», schwärmte er. Der Babymixer ist, das ergaben die weiteren Erklärungen, eigentlich ein Babykocher. Das allein würde die grauenhaften Assoziationen noch nicht beenden, aber der «Beaba Babycook» (je nach Modell ab ca. 120 Franken aufwärts) kocht keine Babys. Die würden, jedenfalls als Ganzes, da gar nicht reinpassen. Nein, der Babycook mit eingebautem Mixer ist dazu da, Nahrung für die Kleinsten zuzubereiten.

«Der Babycook ist ideal für Gemüse, Fisch, Fleisch und Obst. Dabei können Sie für Ihr Baby auch Zutaten verwenden, welche Sie für die Mahlzeit Ihrer Familie benötigen. Die Vitamine bleiben bei der Zubereitung erhalten», so die Herstellerfirma. Und weiter: «Die Grösse des Gerätes wurde so konzipiert, dass auch einzelne Portionen zubereitet werden können, die mengenmässig auch dem Hunger des Babys entsprechen. Der Beaba Babycook Original Suisse nimmt nur wenig Platz auf der Arbeitsfläche in der Küche oder auf engem Raum in Anspruch.»

Und was ist nach 24 Monaten?

Kein Wunder braucht diese Supersach wenig Platz: Das Mini-Ding fasst weniger als 1 Liter.

«Warum sollte ich nicht meinen Mixer brauchen? Was ist das Problem mit meiner Pfanne? Was kann das Ding, was meine Geräte nicht können?», fragte ich meinen Kollegen – und merkte sofort: ein No-Go. Der Babykocher war für ihn eine wichtige Sache, nahm viel Platz ein bei der Ernährung seines Liebsten – wenn auch nicht auf der Arbeitsfläche seiner Küche.

Reaktionsschwach brach es aus mir heraus: «Und was mache ich mit dem Ding, wenn mein Kind kein Baby mehr ist? Dann ist das Elektroschrott, nach 24 Monaten schon.»

Mein Kollege maulte argumentfrei, aber überzeugt von den Vorzügen des Babycook. Die Stimmung war verdorben. Einen Babycook werde ich mir nicht zulegen. Aber eine Lehre soll es mir gewesen sein: Bei Ratschlägen zum Thema Nachwuchs nicke ich artig und lächle. Ahnungslose müssen dankbar sein, wenn andere sie an ihrem Wissen teilhaben lassen.

Supersach – Was ist das?
Supersach ist die TagesWoche-Rubrik für Dinge, die die Welt nicht braucht, und Sachen, die man haben muss.

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