Der eine Unfall zu viel

Claudio Margas stirbt einen qualvollen Tod. Als ein Säuretank des Prattler Chemieproduzenten Cabb explodiert, wird seine Lunge verätzt. Die ungeheuerliche Geschichte seines Unfalls und der Sicherheitskultur in einem Unternehmen, das zum Spielball von Finanzinvestoren geworden ist.

(Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Als ihr Freund stirbt, ist Lidia Requena gerade bei der Arbeit. Drei Wochen lag Claudio Margas* auf der Intensivstation des Universitätsspitals Lausanne, wartend auf die lebensverlängernde Operation. An einem Freitag im September 2014 erlaubt seine Mutter den Ärzten, ihn sterben zu lassen. «Ich wäre während seiner letzten Minute gerne dabei gewesen», sagt Requena.

Der 24-Jährige stirbt einen qualvollen Tod, so viel weiss sie. Nach einer Notoperation platzt seine Lunge auf, die umliegenden Organe werden beschädigt. Das ätzende Gift, das in seiner Lunge liegt, breitet sich aus, frisst sich ins benachbarte Gewebe. Sie hegt keinen Groll auf die Ärzte, weil sie ihren Freund vor seinem Tod nicht mehr sehen konnte. «Die Ärzte wollten sein Leiden beenden.»

Die Patrouille der basellandschaftlichen Kantonspolizei trifft um 15.15 Uhr auf dem Fabrikgelände der Cabb ein. Alarmiert wird sie von der Sanität, die den schwer verletzten Claudio Margas gerade in die Ambulanz verfrachtet. Vor Ort sehen die Beamten den geborstenen Tank, sie sehen die Wirkung der Explosion und beginnen damit, die Spuren zu sichern, dann informieren sie die Staatsanwaltschaft.

Eine Spur werden sie nicht mehr finden. Die Krücken, die Margas brauchte, um zu gehen, sind verschwunden. Sie tauchen im Polizeijournal nicht auf. Hätten die Ermittler die Krücken entdeckt, hätte das eine für den Arbeitgeber unangenehme Frage nach sich gezogen: Was hatte ein Arbeiter, der an Krücken geht, an den gefährlichen Tanks verloren?

Die Krücken brauchte Margas, weil sein Knie ein paar Monate zuvor schwer beschädigt worden war. Der Unfall geschah in der Rekrutenschule, die er vorzeitig abbrechen musste. Einen Monat lang verbrachte er danach zu Hause, vielleicht sechs Wochen, vom Hausarzt krankgeschrieben, der ihm dringlich riet, in naher Zukunft auf körperliche Arbeit zu verzichten.

Margas war zu Hause am Gesunden, als die Firma anrief. Man bat ihn, wieder arbeiten zu kommen, das Personal sei knapp. Man vereinbarte, er würde leichte Computer-Arbeiten ausführen, erzählt Requena. Margas willigte ein, auch damit er wieder sein volles Gehalt erhält.

Explosive Reaktion im Kessel

Der Unfall, soweit er sich aufgrund von Gesprächen mit Requena und Mitarbeitern rekonstruieren lässt, geschieht, als Margas gemeinsam mit einem Arbeitskollegen einen Säuretank auffüllt. Als sie die Flüssigkeit in den Tank einlassen, geschieht die Katastrophe: Es kommt zu einer Reaktion mit chemischen Resten, die nicht entfernt worden waren. Das Gemisch im Inneren explodiert mit einer solchen Wucht, dass der Kessel das Gift nicht mehr halten kann.

Margas kriegt die volle Ladung ab. Weil er keinen Ganzkörperschutzanzug trägt, wie es eigentlich vorgeschrieben ist für eine derartige Tätigkeit, sondern bloss eine Schutzbrille, wird seine Haut grossflächig verätzt. Vor allem aber gelangen hochgiftige Gase über die Atemwege in seine Lunge, wo sie unaufhaltsam das Gewebe zerstören, bis die Atmung zum Erliegen kommt.

Ein paar Tausend Franken hat die Firma an die Beerdigung gegeben, gemeldet hat sich bei Lidia Requena nie einer. (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

«Warum hat es nur ihn erwischt?», will Lidia Requena wissen. Margas‘ Mitarbeiter bleibt bei der Explosion unverletzt, er kann sich mit einem Satz zur Seite retten. «Konnte sich Claudio nicht retten, weil er an Krücken ging?» – «Weshalb war er nicht ordentlich geschützt?» – «Warum arbeitete er nicht wie abgemacht am PC?» – «Weshalb war der Tank nicht ordnungsgemäss gereinigt?» – sie hat viele Fragen und nie Antworten erhalten. Kein Verantwortlicher hat sich seit dem Unfall bei ihr gemeldet. Sich ihren Fragen gestellt, sich vielleicht entschuldigt, sich zumindest betroffen gezeigt.

Tag eins nach dem Unfall ist sie wieder im Spital. Margas atmet nun nicht mehr selbstständig, die Ärzte haben ihn an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Die Ärzte sind besorgt, seine Lunge, sagen sie, sieht nicht gut aus.

Das Gift kommt nicht raus

Margas ist fortan konstant im künstlichen Koma. Zwei, drei Mal lassen sie ihn aufwachen, rare Zeitfenster für Requena, um mit ihm zu kommunizieren. Er kann weder sprechen noch sich bewegen, mit einem feinen Nicken zeigt er an, dass er versteht. Einmal erhält Requena einen Anruf aus dem Spital, sie solle sofort kommen. Als sie sein Zimmer betritt, sieht sie den geschundenen Körper heftig zucken. Sie sieht, dass er Angst hat. Die Ärzte bitten sie, ihm die Angst zu nehmen. Sie hätten ihm ein Mittel verabreicht, das seinen Körper dazu bringen soll, das ganze Gift auszuscheiden. Es wird alles gut werden, sagt sie ihm. Er nickt.

Es wird alles gut werden, Requena wiederholt es, wann immer sie ihn besucht. Sie wiederholt es auch, wenn sie abends im Bett liegt. Sie lässt keinen Zweifel zu.

Letztes Werk seiner Art: Die Quecksilber-Elektrolyse ist geächtet, in der Schweiz produziert nur noch Cabb Pratteln damit Chlor. (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Doch das Gift bleibt in seiner Lunge. Sein Zustand verschlechtert sich mit jedem Tag, bis die Ärzte die Lunge für nicht mehr zu retten halten und ihn auf die Warteliste für eine neue setzen. Er steht an erster Stelle, seine Zeit läuft ab. Um bereit zu sein, sobald ein Organ vorliegt, wird er ins spezialisierte Unispital nach Lausanne verlegt. Doch eine Lunge für einen Mann von Claudios Grösse sei schwierig zu finden, warnen die Ärzte.

Eine Woche vor seinem Tod registrieren die Ärzte eine rapide Verschlechterung seines Zustands. Er spuckt Blut und muss notoperiert werden. Und die Lunge, sie kommt nicht. Dann wird sein Todeskampf beendet, die Ärzte raten aufgrund der aussichtslosen Lage, die lebenserhaltenden Maschinen abzuschalten. Die Mutter ist einverstanden.

Cabb schweigt

Die Firma Cabb will sich zum Unfall mit Verweis auf die laufende Untersuchung nicht äussern. Man würde mit den Behörden vollumfänglich kooperieren, habe volle Transparenz hergestellt und eine eigene Untersuchung des Unfalls angestellt, heisst es auf Anfrage. Als Reaktion auf zwei schwerwiegende Unfälle 2014 sei man der Sicherheitscharta der Suva beigetreten, habe zusätzliche Schulungen abgehalten. Man wolle das Bewusstsein für die Sicherheit vertiefen, heisst es auch: «Dazu wurde ein neues Logo kreiert, um die Allgegenwärtigkeit der Sicherheit zu erhöhen.»

«Für unsere Sicherheit mache Ich alles», steht auf dem Logo geschrieben. Doch die Frage müsste vielleicht besser lauten: Tut das Unternehmen genug für die Sicherheit seiner Angestellten?

Gleich viermal wechselte Cabb in den letzten zehn Jahren den Besitzer – von einem Finanzinvestor zum nächsten. (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Die bewegte Unternehmensgeschichte weckt daran Zweifel. 2003 bündelt der Basler Chemiekonzern Clariant sein Acetylgeschäft in der neuen Unternehmung Cabb («Clariant Acetyl Building Blocks»). 2007 kauft Cabb den Chemiehersteller SF Chem mitsamt dem Prattler Werk dazu. SF Chem produzierte seit 1917 Basisstoffe für die Basler Chemie.

Spielball der Finanzjongleure

Als SF Chem an Cabb verkauft wird, gehört sie der Beteiligungsgesellschaft Capvis. Auch Cabb wird bald zum Renditeobjekt von Finanzinvestoren. 2005 erwirbt der niederländische Private-Equity-Fonds Gilde das Unternehmen. Nur ein Jahr später veräussert Gilde den Säurefabrikanten an die Private-Equity-Sparte des Versicherungskonzerns AXA. 2011 beginnt das Besitzerkarussell wieder zu drehen: AXA reicht die Firma mit ordentlichem Profit an den britischen Finanzinvestor Bridgepoint weiter.

Cabb ist begehrte Spekulationsmasse: Kaufen, restrukturieren, Kosten runterfahren, Firmen auf Pump dazuholen, dann nach ein paar Jahren der Weiterverkauf mit satter Marge – und das ganze Spiel von vorne.

Bridgepoint finanziert den Kauf mit einem Kredit über 235 Millionen Euro, der Cabb aufgebürdet wird. Doch die Profitjäger wollen mehr aus ihrem Asset herausholen: 2013 lässt sich der Investor eine Sonderdividende ausschütten – finanziert mit einen Kredit über 100 Millionen Franken, den Cabb aufnehmen muss.

Futter für die Heuschrecken

Cabb bleibt attraktiv: 2014 verkauft Bridgepoint das Unternehmen für 800 Millionen Euro an den britischen Private-Equity-Giganten Permira. Permira verfügt wie Bridgepoint über einen einschlägigen Ruf als rücksichtsloser Investor. Vor ein paar Jahren stand der Fonds im Zentrum der deutschen «Heuschrecken»-Debatte, als der damals von Permira kontrollierte Modekonzern Hugo Boss gezwungen wurde, eine kreditfinanzierte Sonderdividende über 450 Millionen Euro auszuschütten.

In Pratteln soll es weitergehen, sagt das Unternehmen. Trotzdem ist die Verunsicherung in der Belegschaft gross: Viele fürchten um ihren Job. (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Was Permira mit dem Chemiekonzern und dem traditionsreichen Prattler Werk vorhat, werden die nächsten Jahre zeigen. Einige Schlüsselstellen im Unternehmen hat der Finanzinvestor in den letzten Monaten mit Vertrauensleuten besetzt. Jetzt wird durchgerechnet, was rentiert und was nicht. In Schweizerhalle soll es weitergehen, teilt das Unternehmen mit: Die veraltete, energieintensive und umweltschädliche Quecksilber-Elektrolyse soll nächstes Jahr ersetzt, die Mitarbeiter sollen plus minus gehalten werden.

Kritische Stimmen verstummen

Doch die Verunsicherung im Betrieb ist gross. Jeder habe Angst um seinen Job, es herrsche ein ungesunder Druck, erzählt ein Angestellter unter dem Versprechen der Anonymität. Die Empörung über die Umstände des Todes von Claudio Margas ist bald der Sorge um die eigene Zukunft gewichen: Kritische Stimmen verstummen nach und nach.

An seine Beerdigung kommen Dutzende Cabb-Mitarbeiter, der Betrieb in der Abteilung ruht einen Tag lang. Auch die Bosse sind da und verfolgen schweigend die Abdankung in der Friedhofskapelle Hörnli. Später bezahlen sie ein paar Tausend Franken an die Beerdigungskosten. Ob darüber hinaus eine Entschädigung an die Opferfamilie entrichtet wird, will die Firma nicht sagen.

«Ich spüre ihn jeden Tag, er ist nicht tot, er ist noch da.» 

Lidia Requena 

Lidia Requena verliert ein paar Monate nach dem Tod Claudios ihre Stelle in der Küche der Hirslandenklinik. Man entlässt sie, weil sie ihre Leistung nicht mehr erbringe. Requena sagt, sie habe ein bisschen die Lust am Leben verloren. Schliesslich sucht sie einen Therapeuten auf, weil sie glaubt, ohne nicht mehr hochzukommen.

Vielleicht muss sie dazu erst Claudio verabschieden. Manchmal, wenn man sich schlafen legt, die Decke hochzieht, spürt man, dass irgendwo in der Wohnung noch Licht brennt. Eine Lampe, die noch an ist. Requena fühlt das Licht: «Ich spüre ihn jeden Tag, er ist nicht tot, er ist noch da.»

* Name geändert

Konversation

  1. Ich habe mit ihm zusammengearbeitet und habe einen netten Menschen kennen gelernt und ja die Firma aber nicht hier will mich ja nicht strafbar machen.
    Aber wer unter Druck steht der macht nicht alles richtig.

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  2. Ende der 60er Jhre machte ich eine Lehre als Apothekenhelferin.
    Dort kamen diese Gifte in 25 oder 50 Liter Korbflaschen.
    Den Inhalt musste ich bei Bedarf, immer einen kleinen Vorrat in Halbliter- oder Literflaschen abfüllen.
    Da war Javelle noch das Harmloseste. Salzsäure war auch dabei. An Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern.
    Allerdings an etwas schon: Die damaligen Nylonstrümpfe, lösten sich auf. Bei einem auch nur sehr kleinen Spritzer, gab es sofort Löcher in die Kleider.
    Und das war damals die Arbeit des Lehrlings!

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    1. Die Zeiten ändern sich – heute wird mir das Nachfüllen des Putzbenzinfläschchens verweigert aufgrund der (neuen) Chemikaliengesetzgebung.

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  3. Claudio Margas ist das brutale Opfer eines Chemieproduzenten und Spekulationsprojektes, welches unkontrolliert seine hochriskante Produktion mitten im Gebiet von Schweizerhalle und in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten, betreiben darf. Claudio Margas ist auch ein Opfer von Ignoranz. Ungenügende Arbeitsplatzsicherung und Sicherheitsbestimmungen werden offensichtlich, weder von der Firma Cabb, noch von den Behörden, auch nach zahlreichen Unfällen, kritisch hinterfragt und entsprechend eingeklagt.

    Die zahlreichen Betriebsunfälle der Firma Cabb werden auch von den Behörden nicht ernst genommen und die Firma wird nicht zu einer sicheren Produktion gezwungen. Mitten in einem Industriegebiet, mit unzähligen Chemiefirmen, ist das fahrlässige Wirken der Firma Cabb ein Sicherheitsrisiko. Es kann auch nicht sein, dass ArbeitskollegInnen von Claudio Margas in dieser höchst gefährdeten Situation weiter arbeiten müssen. Auch die Gewerkschaften müssten sich um solche Situationen kümmern. Die Schilderung von Lidia Requena, der Freundin des qualvoll Verstorbenen, zeigt, die Arbeitsbedingungen unhaltbar sind. Die fahrlässige Chemieproduktion der Firma Cabb provoziert solche Unfälle und kann auch von den Behörden nicht weiter geduldet werden. Hier ist eine offene Kommunikation und ein behördliches Einschreiten dringendst angesagt.

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  4. Trotz aller Traurigkeit und der Tatsache, dass Claudio nicht hätte körperlich arbeiten dürfen, muss ich darauf hinweisen, dass er als Chemikant bzw. Chemietechnologe nicht hätte auf seine Schutzausrüstung verzichten dürfen. Dennoch bleibt Fakt, dass er nicht hätte zur körperlichen Arbeit gedrängt werden dürfen und allenfalls unter Zeitdruck stand.

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  5. Manchmal ist es gut eine Situation über einen längeren Zeitraum zu beleuchten und sich dann eine Meinung zu bilden:

    Wikipedia schreibt:
    ‚Wegen Importschwierigkeiten von Schwefel- und Salzsäure im 1. Weltkrieg gründeten die Chem. Fabrik Schweizerhall (später Schweizerhall Holding AG), die spätere Ciba, die Sandoz, die Geigy und die Chemische Fabrik Uetikon 1917 die Säurefabrik in Pratteln. Nach schlechtem Geschäftsgang in der Zwischenkriegszeit führte die Kriegskonjunktur zu erhöhten Absätzen, zur Produktediversifizierung und zum Ausbau des Betriebs (2005 360 Angestellte). Bis 2004 blieb das 2001 in SF-Chem AG umbenannte Unternehmen im Besitz der Basler Chemiefirmen Clariant und Syngenta, dann übernahm es die schweiz. Beteiligungsgesellschaft Capvis. 2007 wurde es in die dt. Spezialitätenchemie-Gruppe CABB GmbH integriert.‘

    Als ich in den späten achtziger Jahren mit der Säurefabrik zu tun hatte, gehörte diese der Ciba-Geigy und der Sandoz. Diese beiden Firmen produzierten u.a. grössere Mengen Industriechemikalien und Farbstoffe in Schweizerhalle. Ein quasi-verbundenes-Unternehmen am Standort Schweizerhalle machte damals Sinn. Kein Strassen-, Schiff- und/oder Bahntransport dieser gefährlichen Substanzen.

    Sandoz brachte seine Industriechemikalien/Farbstoff Sparte als Clariant 1995 an die Börse und fusionierte anfangs 1996 mit Ciba-Geigy zu Novartis. Nachher wurden Ciba Spezialitätenchemie (inkl Farbstoffe) sowie Syngenta (Agrochemie) auch an die Börse gebracht. Clariant verkaufte vor nicht allzu langer Zeit Teile seines angestammten Geschäftes an amerikanische (Textil, Papier etc) und an französische (Leder) Finanzinvestoren. Ciba-Spezialitätenchemie verkaufte seine Polymer und Textilsparten an Huntsman (einem amerikanischen quasi Finanzinvestor). Nachher wurde Ciba von Basf übernommen.

    Die Schweizerhall Holding gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Der Chemieteil wurde an Brenntag (an der deutschen Börse quotiert) verkauft und der Pharmateil wurde als Acino später von einem Finanzinvestor übernommen.

    Chemie Uetikon wurde juristisch aufgeteilt in einen Immobilienteil und einen Agro-Chemie-Teil. Diese und weitere Firmen gehören der CPH Chemie + Papier Holding Perlen (börsenquotiert in der Schweiz).

    Heute werden in Schweizerhalle viel weniger Industriechemikalien und keine Farbstoffe mehr produziert. Was einmal als gute und nachvollziehbare Idee im 1. Weltkrieg begann und bis anfangs neunziger Jahre auch Sinn machte, verlor stark an Bedeutung. Deshalb auch der Verkauf vor etwas über 10 Jahren durch die damaligen Besitzer Clariant und Syngenta an Capvis, einen Schweizer Finanzinvestor. Zwischenzeitlich wurde wie im Artikel beschrieben diese Fabrik zu einem Spielball weiterer Finanzinvestoren. Freuen tut dieses Spiel die Protagonisten der erweiterten Finanzindustrie (Investmentbanker, Rechtsanwälte, Rechnungsprüfer und Umweltberichtschreiber). Sinn macht es allerdings keinen – weder ökonomisch, noch sozial und schon gar nicht ökologisch.

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  6. Wenn diese Firma die notwendigen Schutzvorkehrungen für Ihre Angestellten nicht einhalten kann oder will sollte man sie verstaatlichen und die Besitzer zwangsenteignen. Und die Firma unter staatlicher Kontrolle sanieren (nicht im finanztechnischen Sinn) bis sie wieder anständig geschäften kann und ihren Angestellten einen in jedem Bezug sicheren Job anbieten kann.
    Zudem sollte man dass gesamte Managment der fahrlässigen Tötung anklagen, denn diese Herren und Damen lassen sich ihre Verantwortung sehr gut entlöhnen… dann sollen sie auch zur Verantwortung gezogen werden.
    Und zu guter Letzt sollte das Managment eine saftige Schadenersatz an die Unfallopfer zahlen müssen.
    … das Ganze ist schlicht zum Kotzen!

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  7. Arbeitsschutz wird kleingeschrieben.
    Warum?

    Die Schweiz ist sehr schlecht mit Arbeitnehmervertretungen gesegnet.
    Die SUVA kann oder will nicht, völlig offenliegende Arbeitsschutzprobleme angehen.

    Mein herzliches Beileid gilt den Hinterbliebenen und der Witwe.

    Und hier… tatata…. sind die verantwortlichen Köpfe

    http://cabb-chemicals.com/de/management.html

    Von denen wird sich niemand verletzen, es sei denn, er bricht sich einen Zahn ab, wenn er auf dem Bleistift rumkaut.

    Es gibt mehr Arbeitsschutzverletzungen als man denkt.

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  8. „Die CABB ist ein wichtiges Industrieunternehmen im Kanton Basel-Landschaft und […] zugleich einer der grössten Stromverbraucher.“

    (Nachzulesen in der Antwort von Frau Pegoraro auf die Vorlage von Herrn Wiedemann, 28.05.2013).

    Damit dürfte wohl klar sein, wo der Hase durchläuft: Arbeitsplätze, Steuer- und Stromeinnahmen. Hier wird sich nichts ändern. Gerade in der heutigen finanziellen Situation kann es sich der Kanton BL nicht leisten, auch noch so veraltete und umweltschädliche Industrieunternehmen zu vergraulen. Ob man dafür gar bereit ist, einen Toten in Kauf zu nehmen?

    Die Antwort zur Vorlage enthält auch noch weitere recht interessante Infos:

    „Das Sicherheitsinspektorat hat [den Kurzbericht zur Störfallverordnung] letztmals im Jahr 2007 geprüft und durch eine Betriebsinspektion mit den aktuellen Begebenheiten vor Ort verglichen.“

    „Der Störfall wird wie folgt definiert:

    Als Störfall beurteilt wird ein Ereignis mit leichten, zeitlich begrenzten und reversiblen Schäden bei vielen Personen und Tieren oder bei einer grösseren Gruppe und/oder leichten, zeitlich begrenzten und reversiblen Schäden im Umkreis von einigen Kilometern für die Umwelt.“

    Wenn aber bei einem vergleichsweise kleinen Unfall im Werk selber schon „irreversible Schäden“ auftreten, dann braucht es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was bei einem wirklichen Störfall passieren könnte. Basel adieu!

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