Der Industrie-Riegel im Klybeck wird zum neuen Stadtquartier

Die Industrieareale von Novartis und BASF im Klybeck sollen sich zu einem neuen Stadtquartier entwickeln. Der Kanton Basel-Stadt hat mit den beiden Unternehmen eine Planungsvereinbarung abgeschlossen.

285'000 Quadratmeter Entwicklungsgebiet im nördlichen Kleinbasel.

(Bild: BVD)

Die Industrieareale von Novartis und BASF im Klybeck sollen sich zu einem neuen Stadtquartier entwickeln. Der Kanton Basel-Stadt hat mit den beiden Unternehmen eine Planungsvereinbarung abgeschlossen.

Am Anfang war die Industrie. 1884 gründete Alexander Clavel auf dem damaligen Brachland zwischen dem Rhein und dem Horburg-Gottesacker (heute Horburg-Park) das «Laboratorium für Fabrikation von Anilin- und anderen Farben» (die schliesslich zur Ciba wurde). Später entstanden nördlich und südlich davon Wohnüberbauungen. Auch das Industrieareal wuchs und bildet bis heute einen mächtigen Riegel zwischen Rhein und Wiese – einen, der sich mitten durch das nördliche Kleinbasel zieht.

Das wird in Zukunft anders sein. Spätestens seit die BASF 2013 bekannt gab, dass sie sich aus dem Klybeckareal zurückziehen will, wartete man gespannt, was mit dem riesigen Areal geschehen könnte. Nun ist klar, dass der Industrieriegel aufgehoben oder zumindest streckenweise durchlöchert wird. So soll ein neues Stadtquartier entstehen, das mit den benachbarten Quartieren Matthäus, Klybeck und Horburg zusammenwachsen kann.

Der Kanton Basel-Stadt hat mit den Grundeigentümerinnen eine entsprechende Planungsvereinbarung abgeschlossen. Mit von der Partie ist neben der BASF neu auch Novartis, so dass sich nun ein Entwicklungsgebiet mit einer Fläche von 285’000 Quadratmetern öffnet. Das entspricht über 40 Fussballfeldern oder beinahe der Hälfte der Gesamtfläche des angrenzenden Matthäusquartiers.

Ein neues Stück Stadt entsteht

In der Planungsvereinbarung ist die Rede von der «Schaffung eines neuen zusammenhängenden Stücks Stadt mit eigener Identität, welches optimal an die Nachbarquartiere Kleinhüningen, Klybeck, Horburg und Matthäus angebunden ist, ihre Vernetzung sicherstellt und die bestehende Trennungswirkung aufhebt». Wie der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard an einer Medienkonferenz am Dienstag ausführte, gibt es im neuen Quartier «Platz für alles Erdenkliche», namentlich für Wohnungen, Arbeitsplätze, Räume für die Erholung und Kultur – also «für ein neues Stadtquartier mit eigener Identität».



In Zukunft wird die Mauerstrasse nicht mehr an der Mauzer zum Industrieareal enden, sondern als neue Quartierstrasse bis zum Rhein führen.

In Zukunft wird die Mauerstrasse nicht mehr abrupt enden, sondern als neue Quartierstrasse bis zum Rhein führen. (Bild: Dominique Spirgi)

Das klingt reichlich vage und ist es auch, denn viel Konkretes lässt sich noch nicht sagen. In einem nächsten Schritt erfolgt eine Testplanung, die nötig ist, um den kantonalen Richtplan als Voraussetzung für eine spätere Zonenplanänderung anzupassen. Die beteiligten Partner der Arealplanung konnten darum noch nicht sagen, wie viele Wohnungen dereinst neu entstehen werden – es dürften aber Tausende sein, sagte Aeberhard. Festgelegt ist allerdings, dass 50’000 Quadratmeter als Wirtschaftsfläche zur Verfügung stehen soll. Klaus Ruf, Geschäftsführer von BASF Schweiz, denkt bereits laut über einen Satelliten des Innovationsparks Nordwestschweiz nach.

Novartis behält Filetstücke am Rhein

Auch wird nicht alles, was heute auf dem Areal angesiedelt ist, verschwinden. Die BASF wird sich zwar mittelfristig ganz zurückziehen, Novartis hingegen will weiter auf dem Gelände tätig bleiben. Heute arbeiten 2000 Menschen auf den Novartis-Arealen im Klybeck. Matthias Leuenberger, Delegierter von Novartis Schweiz sagt, dass die Firma namentlich die beiden Arealteile entlang des Rheins «als strategische Reserve» behalten werde. Allerdings soll der heute abgesperrte Zugang von der Klybeckstrasse zum Rhein geöffnet werden.



Das Filetstück am Rheinufer möchte Novartis als strategische Reserve behalten.

Das Filetstück am Rheinufer möchte Novartis als strategische Reserve behalten. (Bild: Dominique Spirgi)

Die Testplanung soll im Herbst 2016 beginnen. Dabei geht es laut Aeberhard darum, das städtebauliche Potenzial auszuloten und neue Grün- und Freiräume zu orten. Dabei soll eine interessierte Öffentlichkeit früh miteinbezogen werden. Eine Öffentlichkeit, die, wie verschiedene Wohnbaugenossenschaften bereits angekündigt haben, sehr an einer aktiven Beteiligung interessiert ist.

Ein langer Prozess

Allerdings ist Geduld gefragt. Die Böden gewisser Parzellen, die für die industrielle Produktion genutzt wurden, müssen erst saniert werden. «Vor 2023/2024 ist mit konkreten Baumassnahmen nicht zu rechnen», sagte Aeberhard. Früher wären allenfalls Umnutzungen bestehender Bauten denkbar. Die Planungspartner gehen grundsätzlich davon aus, dass nicht alles neu gebaut werden muss – einige Häuser sind bereits im Inventar schützenswerter Bauten aufgeführt.

Für Basel bedeutet die Öffnung und Umnutzung des Areals mittelfristig einen Quantensprung in der Stadtentwicklung, die auch andernorts brummt. Der Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, Hans-Peter Wessels, spricht von einem realistischen Szenario von 30’000 neuen Arbeitsplätzen und 20’000 zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohnern in der Stadt Basel bis ins Jahr 2036.

Konversation

  1. Gute Nachrichten für die Bewohner der Stadt Basel. Neuer Wohnraum…wobei ich mir ein Leben im Kleinbasel nixht vorstellen könnte. Wahrscheinlich werden die Nörgler wieder das Haar in der Suppe finden, um die Chemiegrössen zu kritisieren. Ist sicherlich eine Win-Win Situation für alle Parteien.

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  2. Gute Sache.

    Es gibt im Klybeck einige grosse Gebäude in denen schon jetzt bestens eingerichtete Büros existieren. Die Regierung/Verwaltung sollte unbedingt ins Auge fassen mit so vielen Departementen wie möglich in diese Büros zu ziehen. Es wird nämlich bedeutend günstiger kommen, die momentan als Büros genutzten ehemaligen Stadtpaläste / Residenzen in Wohnraum umzufunktionieren als den von der Chemie als Büros gebauten Raum im Klybeck.

    Im weitern sollte im gleichen ‚Aufwisch‘ eine totale Umnutzung des Hafenareals in Betracht gezogen werden. Anschauungsunterricht gibt es dazu in einigen Städten Europas. Man muss natürlich viel Geld in die Hand nehmen und grosszügig Land rheinabwärts kaufen. Es braucht viel Platz um vom Schiff auf die langen Container-Güterzüge umzuladen. Auch dazu gibt es Anschauungsunterricht in Nordeuropa wo die Container-Züge Richtung Ost- und Mitteleuropa beladen werden. Natürlich kostet das viel, aber die zukünftigen Generationen werden uns dankbar sein für eine solche Jahrhundert-Investition.

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