Der Verein Wasserstrasse kämpft für Haus Nummer 39

In der Wasserstrasse im St. Johann sind sieben der einst vom Abriss bedrohten Häuser gerettet. Die Zukunft des hintersten Hauses mit der Nummer 39 ist hingegen offen. Das sorgt für Ängste bei den Bewohnern.

Der Durchgang zwischen dem Haus Nummer 39 und dem Voltabau sollte für Fussgänger reichen, meinen die Bewohner.

In der Wasserstrasse im St. Johann sind sieben der einst vom Abriss bedrohten Häuser gerettet. Die Zukunft des hintersten Hauses mit der Nummer 39 ist hingegen offen. Das sorgt für Ängste bei den Bewohnern.

15 Personen bewohnen die sieben Wohnungen im Haus an der Wasserstrasse mit der Nummer 39. Es ist die letzte Liegenschaft der Häuserzeile. Direkt gegenüber befindet sich der Erweiterungsbaus des Volta-Schulhauses. Es ist diese Randlage, welche die Zukunft des Hauses erneut gefährdet.

Die Häuser an der Wasserstrasse wurden 2012 zum Politikum. Damals hätten alle acht Häuser abgebrochen werden sollen. Der Verein Wasserstrasse setzte sich erfolgreich für deren Erhalt ein. Die Liegenschaften, die der Stadt gehören, sollen von der Wohngenossenschaft Gnischter übernommen und saniert werden.

Für ein Haus gehen diese Pläne jetzt doch nicht auf. Das ist eine Hiobsbotschaft für die Bewohnerinnen und Bewohner, die eigentlich guter Dinge waren. 

Absichtserklärung werde nicht eingehalten

2012 schienen die Abrisspläne vom Tisch zu sein. In einer Absichtserklärung zwischen der Bürgergemeinde Basel-Stadt und der Wohngenossenschaft Gnischter ist festgehalten, dass alle verbleibenden Häuser an der Wasserstrasse im Baurecht an die Wohngenossenschaft Gnischter übergeben werden sollten. Das gemeinsame Ziel war der Erhalt von günstigem Wohnraum.

Bekanntlich ist es aber das Kleingedruckte, das zählt. In diesem Fall waren es die Bedingungen. Wie viele Häuser schliesslich übergeben werden, ist abhängig vom damals geplanten Erweiterungsbau des Volta-Schulhauses und von einem Umbau des Kraftwerkes der Industriellen Werke Basel (IWB). Dieser IWB-Umbau ist kein Thema mehr. 

Die Bewohner waren erleichtert, als die Regierung ihre Pläne bekannt gab, auf dem Lysbüchel-Areal eine neue Schule zu bauen. Damit wäre auch der Umbau des Volta-Schulhauses kein Hindernis mehr für den Verein Wasserstrasse. 



Wenige Meter vor der Häuserzeile beginnt der Pausenplatz des Volta-Schulhauses.

Wenige Meter vor der Häuserzeile beginnt der Pausenplatz des Volta-Schulhauses.

Seit der Absichtserklärung sind zwei Jahre vergangen. Die Wasserstrasse befindet sich bereits in der Übergangsphase zur Genossenschaft. Einige Wohnungen wurden von Gnischter übernommen. Im vergangenen November erkundigte sich der Verein Wasserstrasse bei den Behörden um den Stand der Dinge.

Drei neue Begründungen, von denen nie die Rede war

Das Planungsamts des Bau- und Verkehrsdepartements informierte den Verein über die geplante Neuverteilung der Parzellen: Die Nummer 39 ist das einzige Haus, welches nicht in die gleiche Parzelle wie die restlichen sieben Häuser umgezont wird. Damit wird dieses Haus nicht wie geplant von Verwaltungsvermögen zu Finanzvermögen umgewidmet und kann deshalb von der Wohngenossenschaft Gnischter nicht übernommen werden.



Die geplante Neuverteilung der Parzellen schliesst ein Haus aus: Die Nummer 39 kann so nicht wie geplant von der Wohngenossenschaft Gnischter übernommen werden.

Die geplante Neuverteilung der Parzellen schliesst ein Haus aus: Die Nummer 39 kann so nicht wie geplant von der Wohngenossenschaft Gnischter übernommen werden.

Der Verein fühlt sich hintergangen; der Kanton breche damit sein Versprechen. Die Behörden hätten ihm zudem drei völlig neue Gründe für die Abspaltung des letzten Hauses genannt: Erstens entspräche der Abstand zwischen dem Volta-Bau und der Liegenschaft nicht den Brandschutzvorschriften, zweitens solle ein breiterer Durchgang vom Volta-Pausenplatz zur Dreirosenbrücke ermöglicht werden, was drittens so auch die Zufahrt der Feuerwehr ermöglichen wird.

Für den Verein sind das fadenscheinige Gründe. «Der Durchgang besteht schon, wird nur durch Gitter versperrt. Das ist kein Hindernis. Dafür muss man kein Haus abreissen», sagt Simone Meier vom Verein Wasserstrasse. Die Gründe seien «aus der Luft gegriffen». 

Lysbüchel-Areal ist entscheidend

Das Planungsamt des Bau- und Verkehrsdepartements führt auf Anfrage andere Begründungen aus: «Es ist vor allem davon abhängig, ob auf dem Lysbüchel-Areal eine neue Schule gebaut werden kann», sagt der Kommunikationsleiter Marc Keller. Wenn das wie geplant funktioniere, spräche nichts gegen den vorläufigen Erhalt aller Häuser. 

Nur wehrt sich das Gewerbe dagegen, dass das Lysbüchel-Areal zur Wohnzone wird und steht so auch dem geplanten Schulhaus-Neubau im Weg. Der Umbau des Volta-Schulhauses ist also doch nicht vom Tisch. Keller seinerseits erinnert daran: «Wir haben nie versprochen, dass alle Häuser übernommen werden können. Es ging uns darum, so viele wie möglich zu erhalten.» 



Die Häuser an der Wasserstrasse wurden seit Jahrzehnten nicht renoviert. Das soll sich mit der Übernahme durch die Wohngenossenschaft Gnischter ändern.

Die Häuser an der Wasserstrasse wurden seit Jahrzehnten nicht renoviert. Das soll sich mit der Übernahme durch die Wohngenossenschaft Gnischter ändern.

Die Schulhaus ist das eine, aber es gibt noch weitere Faktoren. Der wahrscheinliche Abriss des Öltanklagers der IWB spräche zusätzlich dagegen, jetzt das Haus Nr. 39 langfristig zu erhalten wollen. Das Planungsamt möchte deshalb den Erhalt der Nr. 39 offen lassen. Je nachdem was anstelle des Öltanklagers dereinst gebaut wird, könnte es wieder keinen Platz für die Nr. 39 haben, sagt Keller. Möglicherweise werde dort auch neuer Wohnraum entstehen.

Weiterer bezahlbarer Wohnraum wird zerstört

Für den Verein Wasserstrasse geht es nicht alleine um den Erhalt des letzten Hauses. Für die Bewohner liegt ein weiteres Beispiel vor, wie bezahlbarer Wohnraum zerstört wird und alte Mieter verdrängt werden. Gemeinsam mit Mietern anderer vom Abriss bedrohten Häusern organisieren sie eine Demonstration. Sie wollen so Druck auf Behörden und Politiker aufbauen.

Der Grosse Rat wird demnächst über die Neuverteilung der Parzellen entscheiden. Vorerst können die Bewohner der Nummer 39 weiter im Haus wohnen. Wie lange noch, das wissen sie hingegen nicht.

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