Der zynische Kaiser Caligula wollte sein Pferd zum Konsul machen

Spinnt er oder ist das Kalkül, fragt man sich nicht nur bei heutigen Herrschern. Wahnsinnige gabs schon im alten Rom. 

Mord und Quälerei: Der Herrscher Caligula sicherte sich seine Macht mit allen Mitteln.

Caligula – von 37 bis 41 n. Chr. römischer Kaiser – hiess genau genommen Gaius Ceasar Germanicus. Seine Eltern gehörten zu den einflussreichen Kreisen Roms. Caligulas Vater Germanicus galt als möglicher Nachfolger von Augustus, mit dem bekanntlich die römische Kaiserzeit begann. Agrippina, die Mutter Caligulas, war die Tochter eines Freundes von Augustus. Bei der Heirat der beiden hatte Augustus die Hand im Spiel.

Ein Jahr nach der Geburt Caligulas erhielt Germanicus im Jahr 13 den militärischen Oberbefehl am Oberrhein. Später wurde er in diplomatischer Mission in den Osten des Reiches geschickt, wo er im Jahr 19 in Antiochia starb. Böse Zungen behaupteten, er sei auf Geheiss von Kaiser Tiberius, seit dem Jahr 14 Nachfolger des Augustus, vergiftet worden. Caligulas Mutter Agrippina starb im Jahr 33 – freiwillig oder gezwungen – den Hungertod, nachdem Tiberius sie im Jahr 29 auf eine Insel verbannt und zwei ihrer Söhne im Gefängnis hatte verhungern lassen.

Am Hof von Tiberius

Den Spitznamen Caligula («Soldatenstiefelchen») erhielt der spätere Kaiser von Soldaten, die ihre Freude daran hatten, dass der Binggis im Heerlager eine einfache Soldatenuniform trug.

Nach der Verbannung Agrippinas beorderte Tiberius den 18-jährigen Caligula zu sich nach Capri, von wo aus er das Reich regierte. Am Hofe des Tiberius wurde Caligula auf verschiedenste Weisen auf die Probe gestellt. Das Schicksal der Seinen schien er dabei gänzlich vergessen zu haben, als ob keinem je etwas zugestossen wäre. Beleidigungen habe er mit «unglaublicher Verstellung» ertragen. Der römische Geschichtsschreiber Sueton (70 bis 126 n. Chr.) schrieb, Caligula habe damals eine solche Unterwürfigkeit gezeigt, «dass nicht zu Unrecht gesagt wurde, es habe niemals einen besseren Sklaven und einen schlechteren Herrn gegeben».

Als es mit Tiberius zu Ende ging, fand auch Caligulas Unterwürfigkeit ein Ende. Caligula soll dem stets misstrauischen und unbeliebten Herrscher Gift verabreicht und ihm schliesslich die Kehle zugedrückt haben. Zuvor hatte er sich allerdings der Unterstützung der kaiserlichen Prätorianergarde versichert.

Geldgeschenke und Zirkusspiele

Am Anfang seiner Herrschaft war Caligula enorm populär. Sueton schreibt, er habe mit seinem Machtantritt «die Wünsche des römischen Volkes, um nicht zu sagen, der ganzen Menschheit, erfüllt».

Nach seinem Einzug in Rom wurde Caligula vom Senat und von einer ins Rathaus eingedrungenen Menschenmenge die unbeschränkte Regierungsgewalt übertragen. Dies geschah unter Missachtung des Testaments von Tiberius, der einen Enkel zum Miterben eingesetzt hatte.

Caligulas Popularität war es sicher förderlich, dass er imposante Zirkusspiele und Gladiatorenkämpfe veranstaltete und dem Volk Geldgeschenke machte.

Mit dem Senat versuchte er zunächst ein gutes Einvernehmen zu pflegen. Dies änderte sich allerdings, als eine Verschwörung aus den Reihen des Senats gegen ihn aufgedeckt wurde. Nachdem sein Misstrauen gegen den Senatorenstand erwacht war, war er bestrebt, dessen Ansehen insgesamt zu demontieren und sprang mit einzelnen Senatoren äusserst brutal um. Dabei legte er grossen Zynismus und Sadismus an den Tag. So soll Caligula laut Sueton Väter gezwungen haben, der Hinrichtung ihrer Söhne beizuwohnen. Einen habe er gar im Anschluss an die Urteilsvollstreckung zum Essen eingeladen und versucht, ihn zum Lachen und Scherzen zu bringen.

Manches, was Caligula während seiner Herrschaft tat, wirkt bizarr. Zum Beispiel habe er sein Lieblingspferd Incitatus («Heisssporn») zu sich in den Palast geladen, ihm goldene Gerstenkörner vorgesetzt, ihm aus goldenen Bechern zugetrunken und geplant, es zum Konsul zu machen. Kein Wunder, dass Caligula schon in der Antike als wahnsinnig bezeichnet wurde.

Für Aloys Winterling, Professor für Alte Geschichte in Berlin, ist die Episode mit Incitatus jedoch kein Hinweis auf eine psychische Erkrankung, sondern Teil von Caligulas Kommunikationsverhalten. Mit ihr gab er den Senatoren zu verstehen, dass er problemlos auf sie verzichten und sein Pferd zum Konsul machen könne. So weit sollte es aber nicht kommen. Am 24. Januar 41 wurde Caligula das Opfer einer erneuten Verschwörung.

Konversation

  1. Das Pferd hätte den Riesenvorteil gehabt, keine dummen Dinge zu beschliessen, wo man sich bei heutigen (auch hiesigen Politikern) nicht mehr so sicher ist.
    Ob die „Beschluss-Onkels“ von Bern nicht doch besser dem nächsten Kleingärtner-Verein zugeschlagen werden sollten? Da träfen sich dann Laien mit Laien….

    Danke Empfehlen (0 )
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