Die Frau hinter der Art

Trudl Bruckner schrieb in den 1960er-Jahren zusammen mit ihren beiden Galeristenkollegen Balz Hilt und Ernst Beyeler Basler Kunst-Geschichte – das Dreigestirn lancierte die Art Basel.

«Grande Dame» der Kunst: Art-Basel-Mitgründerin Trudl Bruckner, 1986 in ihrer Galerie «Riehentor». (Bild: Kurt Wyss)

Trudl Bruckner schrieb in den 1960er-Jahren zusammen mit ihren beiden Galeristenkollegen Balz Hilt und Ernst Beyeler Basler Kunst-Geschichte – das Dreigestirn lancierte die Art Basel.

Warum bringen wir dieses Bild? Warum bringen wir es jetzt? Es wäre auch ohne aktuellen Anlass etwas wert. Es zeigt einen Menschen, der ziemlich direkt in die Kamera schaut und redet, eine altmodische oder bereits wieder modische Brille in der Hand. Dahinter Bilder der Galeristin, um die es sich hier offensichtlich handelt, Bilder von Paul Stöckli, von Spot­lampen beleuchtet.

Offen, direkt, neugierig

Das Bild entstand im September 1986 oben am Spalenberg in der Galerie mit dem nicht mehr zum Standort passenden Namen «Riehentor» – zurückzuführen auf ihren ersten Kunstsalon von 1956. Das Bild zeigt Trudl Bruckner, wie man sie eben meistens erlebt hat: offen, ­direkt, neugierig auf die Welt, stets zu einem Austausch bereit.

Von diesem Fotoshooting gibt es nicht nur ein Bild. Wir hätten auch ein anderes zeigen können: Trudl Bruckner mit ausgebreiteten offenen Armen. Auch das ist gewiss echt und doch eine Art Pose für Kurt Wyss und seinen Foto­apparat. Das Bild hier mit dem leicht schrägen, aus einer festen Position uns beinahe forsch entgegenblickenden Kopf in seinem abgewinkelten Bildergehäuse ist irgendwie echter.

Warum jetzt nun dieses Bild? Wir bringen es aus Anlass der 43. Ausgabe der Art Basel. Trudl Bruckner bildete zusammen mit Balz Hilt und Ernst Beyeler das Dreigestirn, das Ende der 1960er-Jahre die Basler Kunstmesse lancierte.

Die Idee wurde 1968 ­geboren. Die Initiative ging von den drei genannten Galeristen aus. 1989 wurde Trudl zur Ehrespalenbärglemerin erhoben und 2000 erhielt sie, sehr verdient, ein kleines feines Denkmal mit der von Annemarie Monteil verfassten Schrift aus der Reihe der Jahresbändchen, die in der Offizin der (alten) «Basler Zeitung» hergestellt wurden.

Wunder von Basel

Zur Geschichte des «Wunders von Basel» gehört, dass das Messeprojekt eine Reaktion auf die erste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst in Köln vom Herbst 1967 war. Jener Anlass wurde – typisch für die 68er-Jahre – als undemokratisch empfunden, weil nur aus­gewählte Galerien zugelassen waren.

Die Basler entschieden sich für ein offenes Messekonzept, das die Aussteller ohne Teilnahmebeschränkung zuliess. Köln reagierte mit einer Boykotthaltung: Man musste sich entweder für Köln oder für Basel entscheiden. Basel setzte sich durch. Seit 2002 gibt es zudem als amerikanischen Ableger die Art Basel Miami Beach, jeweils ­Anfang Dezember in Florida.

Doch das oben am Spalenberg entstandene Bild hat, wie gesagt, einen Eigenwert, es ist mehr als nur ein Aufhänger, der uns gestattet, eine Basler «success story» zu erzählen.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 08.06.12

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