Die Geschichte des Basler Rathausturms

Was heute der Claraturm ist, war vor über 100 Jahren der Rathausturm. Umbaupläne des Rathauses sorgten für Kontroversen in der Basler Politik.

(Bild: PowerBook)

Mit oder ohne Turm? Der Erweiterungsbau des Basler Rathauses war 1899 umstritten.

Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 2-18-2

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Basel ein rasantes Wachstum. In der Folge wurde es Regierung und Verwaltung im alten Rathaus zu eng. Zudem entsprach auch der Grossratssaal nicht mehr den Bedürfnissen der neuen Zeit. Ein Erweiterungsbau sollte Abhilfe schaffen.

Als Sieger einer «allgemeinen Ideenkonkurrenz», die im Januar 1896 stattfand, erhielt die Basler Architektenfirma E. Vischer & Fueter den Auftrag zur Ausarbeitung eines definitiven Projekts. Dieses wurde im Sommer 1897 vom Grossen Rat genehmigt.

Zur darauf folgenden Umsetzung des Vorhabens bemerkten die Architekten in einem Beitrag in der «Schweizerischen Bauzeitung»: «Die Ausführung musste mit Rücksicht auf die Unterbringung der im bestehenden Gebäude befindlichen Verwaltung successive erfolgen.»

So wurde zunächst von Frühjahr bis Herbst 1898 das Archivgebäude an der Martinsgasse gebaut. Gleichzeitig hatten die Architekten die Pläne für das am Markt gelegene Rathaus auszuarbeiten. Dabei erfuhr «das Bauprogramm insofern eine Erweiterung, als nun auch das Finanzdepartement im Rathaus untergebracht werden sollte».

«Charakter eines Festungbaus»

Die überarbeiteten Pläne sorgten am 23. März 1899 im Grossen Rat für heftige Diskussionen. Stein des Anstosses war nicht zuletzt der geplante Rathausturm.

Grossrat Professor Heusler, ein entschiedener Gegner des Regierungsprojekts, kritisierte gemäss dem Bericht der «Basler Nachrichten», dass die geplanten Anbauten «dem Neubau den Charakter eines Festungsbaus geben würden. Besonders wandte er sich gegen die Idee, zur Seite des jetzigen alten Rathauses einen Turm zu stellen, während doch diese Idee vom Rat entschieden zurückgewiesen worden ist. Die Erstellung von Modellen, welche geplante Bauten veranschaulichen sollen, bezeichnete der Redner als Humbug, weil diese kleinen Modelle perspektivisch ganz anders auf das Auge wirkten als die Baute selbst.»

«Wuchtige Zweige der kantonalen Verwaltung»

Heusler war nicht der einzige Kritiker des Regierungsprojektes. In der Schlussabstimmung wurde es aber vom Grossen Rat deutlich mit 54:20 Stimmen angenommen. Die Opposition gab sich damit noch nicht geschlagen, sondern ergriff das Referendum.

Im Abstimmungskampf warben die Gegner für ein Nein, damit der erweiterte Marktplatz «nicht durch falsche Stellung eines schweren Turmkolosses auf ewige Zeiten aus dem Gleichgewicht geraten werde» und damit nicht «durch die autoritäre Wucht der Anbauten die Wirkung der alten Rathausfassade und damit des ganzen Gebäudes erdrückt werde».

Die Befürworter hielten dem entgegen: «Während die Nützlichkeit und Zweckmässigkeit für den Anbau links die grössere Höhe bedingt gegenüber dem alten Baue, so entspricht durchaus dem Schönheitsgefühl als Gegengewicht der Turm auf der anderen Seite. Und wie vortrefflich werden mit dieser Vorlage wuchtige Zweige unserer kantonalen Verwaltung endlich einmal an passendem Orte untergebracht.»

Die Gegner konnten wie schon im Grossen Rat so auch bei der Volksabstimmung vom 18. Juni 1899 keine Mehrheit auf ihre Seite ziehen. Mit 3524 zu 2416 Stimmen nahmen die Stimmbürger die Vorlage klar an. Lediglich im Abstimmungslokal Seevogelschulhaus wurde sie mehrheitlich abgelehnt.

«Ein überraschendes Resultat»

Die «Basler Nachrichten» sahen in der deutlichen Zustimmung «ein für viele überraschendes Resultat». Offenbar habe sich, so das konservativen Blatt weiter, «in den letzten Tagen noch ein Umschwung in der öffentlichen Meinung zu gunsten des Regierungsprojektes vollzogen, wozu die zahlreichen Ausstellungen von Plänen und Zeichnungen, die ruhig betrachtet werden konnten, wohl das meiste beigetragen haben mögen, während die öffentliche Diskussion einen teilweise gereizten Ton annahm und die Klärung der Meinungen wenig förderte.»

Des Weiteren gab der Verfasser des Abstimmungskommentars zu bedenken: «Fragen, welche mit Nachdruck an die Ästhetik appellieren, wie die vorliegende, eignen sich auch nicht sonderlich für eine Volksabstimmung. Aber dem Zug der Demokratie muss in unserer Zeit nun einmal gefolgt werden.»

Das Basler Rathaus vor dem Umbau

Damit Sie, liebe Leserin, lieber Leser, eine Vergleichsmöglichkeit haben und sich Ihr eigenes Urteil bilden können, haben wir für diese Ausgabe der Zeitmaschine eine historische Fotografie ausgewählt, die das Basler Rathaus vor dem Umbau zeigt. Entstanden ist sie laut Angaben des Staatsarchivs Basel um 1868. Aufgenommen wurde sie vom Basler Fotografen Adam Varady, der von 1816 bis 1889 lebte.

Auf Varadys Aufnahme ist das Vorderhaus des Rathauses mit seinen drei Arkaden und der vorderen Kanzlei – Letztere im linken unteren Bereich des Gebäudes – zu sehen. Das Haus, das daran anschliesst, wird einem neuen Flügel weichen müssen, das Haus rechts wird dem Rathausturm Platz machen. Im Zuge der Neugestaltung des Marktplatzes um 1890 wird auch das Haus mit den Sonnenstoren abgebrochen werden.

Quellen

Bild im Staatsarchiv: http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=402180

Konversation

  1. Von einem Stohler (nehme an, aus dem Fünflibertal ?) würden wir eigentlich erwarten, dass er weiss, wie sein Hauptmann Sevogel bei uns geschrieben wird.

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