Die Mieter am Steinengraben erhalten Unterstützung

Mehrere Organisationen und Parteien üben Kritik an Helvetia. Als «Netzwerk Wohnungsnot» appellieren sie an die Eigentümerin der alten Häuser am Steinengraben, ihre Neubaupläne zu überdenken.

Die Häuser Steinengraben 30 bis 36 sollen einem Neubau der Helvetia Versicherungen weichen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Mehrere Organisationen und Parteien üben Kritik an Helvetia. Als «Netzwerk Wohnungsnot» appellieren sie an die Eigentümerin der alten Häuser am Steinengraben, ihre Neubaupläne zu überdenken.

Geht es nach den Plänen der Eigentümerin Helvetia Versicherungen, weicht die alte Häuserzeile am Steinengraben bald einem Neubauprojekt. Während eine Einsprache der Mieter noch hängig ist, haben sich inzwischen mehrere Organisationen in die Debatte eingeschaltet. Dazu wurde vor wenigen Tagen ein offener Brief verfasst. Zu den Unterzeichnenden gehören der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter, die Heilsarmee Basel, die BastA!, die IG Wohnen, die Genossenschaft Mietshäuser Syndikat, die Jugendberatung der JuAr sowie die Caritas.

Die Verfasser stellen die bedrohten Steinengraben-Häuser in einen grösseren Kontext und weisen auf die Schwierigkeiten hin, bezahlbaren Wohnraum in Basel zu finden. Davon seien nicht mehr «ausschliesslich sogenannte Randständige, sondern immer mehr auch Menschen aus dem Mittelstand» betroffen. Daher appellieren die Organisationen an die Helvetia Versicherungen, einen «Beitrag zur Linderung der akuten Wohnungsnot in Basel zu leisten». Dass günstiger Wohnraum durch einen Bürokomplex ersetzt werden soll, ist in ihren Augen nicht nachvollziehbar. 

«Mangel an günstigem Wohnraum»

Die Situation in Basel bezeichnen sie als alarmierend: «Beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter sind rund 350 Personen ohne festen Wohnsitz gemeldet», heisst es etwa im offenen Brief an die Helvetia. Dabei sei es selten möglich, für diese Leute geeignete Wohnungen zu finden. Betroffen sind laut Angaben der unterzeichnenden Organisationen vor allem Jugendliche, Betagte, Alleinstehende, Familien mit Kindern und Alleinerziehende.

Sie fordern daher Helvetia auf, ihren Entscheid zu überdenken und zusammen mit den Bewohnern nach Alternativen zum Abriss zu suchen. «An Büroräumlichkeiten herrscht in Basel kein Mangel, sehr wohl aber an günstigem Wohnraum», heisst es weiter im Brief. 

Das «Netzwerk Wohnungsnot», welches hinter diesem offenen Brief steht, versteht sich als loser und informeller Zusammenschluss sozialer Einrichtungen. Es wurde vor gut einem Jahr ins Leben gerufen, als die «Petition für Massnahmen gegen die Wohnungsnot» lanciert wurde. Etwa 20 Organisationen arbeiten weiterhin an diesem Thema.

Warten auf den Kanton und Helvetia

Die Verfasser halten fest, dass sie gerne mit der Eigentümerin der Liegenschaft das Gespräch suchen wollen. «Momentan möchten wir abwarten, ob und wie sich Helvetia meldet», sagt Michel Steiner vom Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter. Die Versicherung habe ein Exemplar des Schreibens per Post zugesandt bekommen. Zudem müsse noch überprüft werden, ob der Entscheid dem Wohnraumförderungsgesetz widerspricht. «Ich hoffe, dass der Kanton seine Hausaufgaben macht», sagt Steiner.

Die angesprochene Eigentümerin der Liegenschaft sieht im Augenblick von einer Antwort auf den Appell ab: «Wir können keine Stellung nehmen, da wir den Brief noch nicht erhalten haben», sagt Helvetia-Sprecher Hansjörg Ryser.

Konversation

  1. Ich weiss nicht, was „Aeschen“ früher war, vielleicht der grosse übliche Labbaum, der da mal stand….
    Heute muss es ein Mammon-gieriger Gott-Teufel sein, der allen seinen Anbetern immer wieder etwas von seiner Pracht zukommen lässt in Form von Grundstücken mit Gewinn-Aussicht beim weiteren Dealen.

    Daher ist es ja auch so chic, sich als solche Branche da nieder zu lassen.

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  2. @ Georg:
    Ihre Idee hat auch ein kleines Risiko: Wenn sich dann in der Brache-Zeit der gestreifte Herrgott-stör-mich-nicht-Blaukäfer ansiedeln würde und da die grösste Population davon entstehen würde und daneben dann noch eine rosa Bohr-Pfeifen-Blume in Gruppen wachsen würde, käme sicher bald der Naturschutz und schwupps….
    Basel hätte ein Naturschutzgebiet mehr!

    Dann kann man nur noch einen Zaun darum herum ziehen.

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  3. Aus ihren Behauptungen schliesse ich das Sie sich immer noch nicht vollumfänglich informiert haben..
    Ich habe da immerhin etwas Zeit investiert bevor ich mir meine Meinung gebildet habe!

    1. Die Häuser gehörten nicht immer der Helvetia, sie gehörten zuerst den Bewohnern und später anderen Eigentümern die ihr Privateigentum schützen, pflegten und vermieteten, also nutzten.

    2. Die Helvetia ist erst seit der Übernahme der National Suisse (Ex-Besitzerin) 2014/2015 Eigentümerin, sie hat also keineswegs Zwischennutzungen neu „erlaubt“ sondern übernommen von der National.

    3. Die Strategie mit welcher die National-Suisse aufkosten der Wohnhäuser Büroflächen zur Ertragssteigerung schaffen wollte (das nennt man „investment“) ist rechtswidrig oder nützt zumindest alle rechtlichen Schlupflöcher aus..

    4. Ihr glaube an den !wichtigen! Schutz des Privateigentum ist süss, wird allerdings genau von diesen Grossunternehmen, dem Kollateralschaden den sie verursachen und den Horden Juristen die das als „rechtens“ erklären, mit Füssen getreten. Ich nehme dazu einen Absatz aus der deutschen Verfassung:
    „Privateigentum verpflichtet“ sprich. wenn du besitzt, dann trage Sorge dazu, sei anständig..

    Letztens..
    Was an meinem „Gebrabbel“ den „klassenkämpferisch“ sein soll, verstehe ich beim besten Willen nicht, immer diese Schubladisierung.. sie interpretieren da sehr viel rein und werden persönlich, Schade!

    ..und für die Bewohner wünsche ich mir mehr ehrliches Interesse und Einfühlungsvermögen der debattierenden Menschen… und natürlich Erfolge dadurch..

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  4. Es ist doch imer das Selbe: Da wird etwas zur Zwischennutzung angeboten und wenn sie endet, bricht das grosse Theater los. Es war vor allem eine grundsätzliche Kritik.

    Ich hätte da keine grosse Lust, jemandem eine Zwischennutzung zu erlauben, wenn ich bei Beendigung der Zwischennutzung nur Theater hätte.

    Dass die Helvetia keine linke Wohlfahrtsorganisation ist, wusste man schon beim Einzug. Und die Häuser befinden sich nunmal in ihrem Eigentum und daher steht ihr frei im Rahmen der Gesetze mit den Häusern zu machen, was sie für richtig hält.

    Zum Glück leben wir in einem Land, in dem Privateigentum noch etwas gilt und geschützt wird.

    Dieses klassenkämpferische Gebrabbel ist süss. Nur was versprecht ihr euch davon? Dass die Helvetia sich wandelt und ihre Meinung ändert? Ja, dies geschieht am Besten, wenn man die Helvetia beschimpft.

    Von der Ästhetik her, fänd ich den Abriss schade, keine Frage. Aber die Häuser sind nicht unter Denkmalschutz und von dem her macht die Helvetia nichts Unrechtes.

    Aber mit ihren letzten beiden Abschnitten beweisen sie eines: Gib Dein Eigentum nie nie nie für eine Zwischennutzung frei, denn Du hast nur Theater, wenn Du es beenden willst!

    @M Cesna
    Mein Tagesschmunzler, danke 🙂

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  5. Die vier Häuser scheinen das grösste Problem in Basel zu sein.

    Die damaligen Besitzer hatten die Häuser an die Versicherung (für sicherlich gutes Geld) verkauft, bis zum Abriss wurde nun eine Zwischennutzung gewährt – und damit ist nun gut. Einige Leute scheinen mit dem Eigentumsbegriff generell Probleme zu haben…

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    1. @Georg:
      Sie machen mich echt wütend, sowas plumpes..

      @Barracuda:
      Natürlich, sie haben recht, die Besitzer haben sicherlich mal gutes Geld dafür bekommen.. aber das Problem -es ist wohl hier, sowie in den meisten Städten ein Grosses- ist:

      Wo sollen den die Menschen hin wenn das ständig überall geschieht? Alle raus aus der Stadt? -dann steigen da die Preise ja auch wieder und neue Probleme werden geschaffen..
      Für wen ist den die Stadt? Soll da überhaupt noch gelebt werden?

      Ich denke, wir sind hier in einem zivilisierten Umfeld und Eigentümer, egal ob Privatpersonen oder eben Versicherungsgesellschaft haben eine Verantwortung zu übernehmen!

      Man kann eben nicht tun und lassen was man will und andere in ihrer Existenz gefährden. Immerhin ist Wohnen ein Menschenrecht.

      So wie man es eben gelernt hat, man sorgt nicht nur für sich sondern auch für andere mit..

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  6. Von Anfang an?? Zwischennutzung?? Sie haben sich nicht informiert..

    -> steinengraben.ch
    Hätten Sie sich die Zeit genommen sich anständig zu informieren, würden sie nicht so vorschnell „urteilen“..

    Nur weil nun ein Versicherungskonzern sein „verdientes“ Geld irgendwo „versorgen“ sprich: anlegen muss..
    und…
    -in Wohn-Immobilien investiert (die Menschen benötigen)
    -andere Interessen hat als den Menschen weiterhin das Wohnen zu ermöglichen
    -von Renditezielen gesteuert ist (statt von Interessen und Verantwortung für den Besitz)
    -und somit rechtliche Hürden (Mietverträge) nach und nach durch Zwischennutzungs-verträge ersetzt um leichter abreissen zu können..

    ..heisst das NICHT, dass dieses „Investieren“ in irgendeiner Form IN ORDNUNG ist!!

    140 Jahre lang wurde in diesen Häusern gewohnt!
    Eigentümer und Mieter wollten das die längste Zeit so -sonst wären sie ja schon längst abgerissen- die wollen das da die Häuser wunderschön, „heimelig“, Zentrumsnah sind und sogar einen prächtigen Gemeinschaftsgarten haben: Alles sehr lebenswert also.

    -> In Zukunft sollten keine Zwischennutzungsverträge zur Einschränkung/Befriedung der Machtlosen-Besitzlosen geschlossen werden!
    Oder alle Zwischennutzer gehen anschliessend in die Opposition!

    Zwischennutzungen sind ein abgekartetes Spiel, Opium fürs Volk..

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  7. @steiner

    das mit dem imagebeschrieb funktioniert im allgemeinen etwa so wie bei der metzgerei:
    «seien Sie versichert – bei uns findet auch das ärmste schwein seine höhere bestimmung»

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