Die Sanierung der Lindan-Deponie geht weiter

Die Beseitigung der Lindan-Altlasten wird mit einer neuen Sanierungsfirma wieder aufgenommen. Austretende Schadstoffe und Geruchsemissionen sollen der Vergangenheit angehören.

Seit September 2013 ist die Sanierung zwischen Basel und Kleinhüningen unterbrochen. Auf dem Gelände wurde ehemals das Insektizid Lindan produziert, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. (Bild: Webcam)

Die Beseitigung der Lindan-Altlasten wird mit einer neuen Sanierungsfirma wieder aufgenommen. Austretende Schadstoffe und Geruchsemissionen sollen der Vergangenheit angehören.

Vor einem Jahr wurde die Sanierung des Lindan-verseuchten Bodens auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage von Novartis und Clariant nahe der Basler Stadtgrenze eingestellt. Nicht ganz freiwillig, sondern aufgrund anhaltender Proteste von Bürgern aus der Schweiz und Frankreich, die wegen der Staub- und Geruchsemissionen zunehmend beunruhigt waren.

Ein Drittel des zu entgiftenden Materials war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgehoben. Die beteiligten Behörden und auch Novartis, die für den Hauptteil der Sanierungsarbeiten aufkommt, hatten anhaltend versichert, es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.

Neue Firma, neues Glück?

Nach einem Jahr Stillstand werden die Sanierungsarbeiten nun wieder aufgenommen. Der Auftrag für die Sanierung des Areals war neu ausgeschrieben worden. Die Arbeiten werden nicht mehr von einer französischen Firma fortgeführt, sondern von einer Arbeitsgemeinschaft der Unternehmen Marti und Züblin, der Arge MZ Hüningen. Diese darf nicht mehr nach den vergleichsweise lockeren Auflagen der französischen Behörden arbeiten.

Der Wechsel der Bauherren und der Zeitverlust durch den Unterbruch der Arbeiten wird die Kosten, die Novartis auf 100 Millionen Euro bezifferte, um 50 Prozent in die Höhe treiben.

Strengere Auflagen

Die Auflagen und Grenzwerte für die Bauarbeiten sind nach dem Unterbruch deutlich strenger. Sie wurden von Frankreich, Deutschland und der Schweiz gemeinsam definiert.

Die  französischen Behörden hatten die Betreiber beispielsweise lediglich verpflichtet, regelmässig Messungen der Emissionen durchzuführen und die Ergebnisse an die Behörden weiterzuleiten.

Diese Regelung bleibt bestehen, zusätzlich messen auch das baselstädtische Amt für Umwelt und Energie (AUE) und das Lufthygieneamt beider Basel. Die Werte werden mit den Messungen von Novartis abgeglichen.

Die Schweizer Parteien haben extra eine Genehmigung eingeholt, um auch auf dem Gelände der STEIH messen zu dürfen, die ja auf französischem Gebiet liegt.

Verbesserte Arbeitsmethoden

Mit den neuen Richtlinien wird inskünftig deutlich mehr Wert auf die Vermeidung von Feinstaub und Geruchsemissionen gelegt. Bereits beim abgebrochenen ersten Teil der Sanierung wurden die Arbeiten in Zelten mit Unterdruck durchgeführt, welche die Freisetzung von Schadstoffen verhindern sollen.

Unter den weissen Zelten sanierte Novartis den Lindan-kontaminierten Boden des STEIH-Areals.

Unter den weissen Zelten sanierte Novartis den Lindan-kontaminierten Boden des STEIH-Areals. (Bild: zvg)

Das leicht kontaminierte Material wurde aber teilweise noch in den Zelten auf Lastwagen geladen, die nur ungenügend mit Blachen abgedeckt wurden.

«Jetzt werden wir jegliches Material in den Zelten in geschlossene Container verladen. Die Aussenhülle der Container wird gereinigt, bevor sie auf die Lastwagen verladen werden», schildert Manfred Schoger von der Arge MZ Hüningen eine der Verbesserungen.

Bagger, die das Material ausheben, arbeiten ebenfalls nur noch in den Zelten, die sie nicht mehr verlassen dürfen. Die überdeckte Fläche wird fast verdoppelt, die mit Blachen geschützten Erdhügel sollen von der Bildfläche verschwinden.

Lastwagen- und Schiffstransport vollständig überdacht

Auch Fotos, wie sie im Internet kursierten, soll es künftig nicht mehr geben. Auf ihnen ist zu sehen, wie Material eingehüllt in Staubwolken offen auf Schiffe verladen wird. Künftig soll der Verlad mithilfe eines geschlossenen Förderbands direkt in den gedeckten Schiffsrumpf abgewickelt werden.

Noch aber bleibt ein halbes Jahr, bis wieder Schiffe und Laster vorfahren, um die verbleibenden 200’000 Kubikmeter Material zu entfernen. Denn erst muss die Infrastruktur nachgerüstet und getestet werden.

Die Bevölkerung bleibt skeptisch

Die Verantwortlichen wollen nicht das Risiko eingehen, nochmals im Kreuzfeuer der Kritik zu stehen. Am Dienstag wurde die  Bevölkerung in Huningue über die neuen Massnahmen informiert.

Viele Anwesende äusserten sich skeptisch, da ihre Bedenken ob der immer wieder deutlich wahrnehmbaren Gerüche in der Vergangenheit stets verharmlost worden waren. Erst das Einschreiten der Basler Regierung zeigte Wirkung.

Ein Besucher des Anlasses brachte es auf den Punkt: «Was mich beruhigt ist, dass die Novartis-Chefs nur wenige Dutzend Meter entfernt in ihren Büros sitzen. Sie werden schon im eigenen Interesse künftig auf Sicherheit achten. Schliesslich müssen auch sie einmal ihre Büros lüften.»

Eröffnung des Velowegs nicht in Gefahr

Und was bedeuten die Verzögerungen bei der Sanierung für den geplanten Veloweg entlang des Rheinufers, der direkt an der Problemzone vorbeiführen wird? Seine Eröffnung ist bereits für das nächste Jahr angekündigt.

Das sei kein Problem, so versichert Claude Muller, der Geschäftsführer der STEIH, der auch die Sanierung leitet: «Künftig ist alles gedeckt, die Abluft wird konsequent behandelt und es kann kein Staub mehr nach aussen dringen. Der Eröffnung des Radwegs steht aus unserer Sicht nichts im Weg.» Der Abschluss der Sanierung wird voraussichtlich Ende 2017 erfolgen.


Die Novartis installierte eine neue «Geruchs-Hotline» unter der Nummer 061 324 81 52 . Sobald auf der Nummer mehrere Beschwerden pro Tag eingehen, sollen die Arbeiten gestoppt werden, so verspricht der Pharmakonzern.

Die Geschichte des Novartis-Areals im Überblick

1947-1974: «Produits Chimiques Ugine Kuhlman» produziert Insektenvernichtungsmittel und kontaminiert das Gelände mit Lindannebenprodukten.

1973: Sandoz erwirbt das Areal und errichtet eine Industriekläranlage, die durch STEIH Sàrl (Station de Traitement des Eaux Industrielles de Huningue) betrieben wird.

2012: Der Betrieb der ARA STEIH, der Clariant und Novartis gehört, wird eingestellt. Clariant und Novartis wollen ihre Abwässer künftig über eine Rohrleitung via Dreirosenbrücke in die Basler Kläranlage ProRheno leiten, da die Auflagen der französischen Behörden verschärft wurden. Die Sanierung des Lindan-verseuchten Bodens wird nach zahlreichen Sondierungsbohrungen in Angriff genommen. Den Grossteil der Arbeiten finanziert Novartis.

September 2013: Die immer wieder auftretenden Geruchs- und Staubemissionen sorgen für Beunruhigung bei der Bevölkerung, obwohl immer wieder versichert wird, die Grenzwerte würden nicht überschritten. Die Arbeiten werden schliesslich eingestellt.

September 2014: Die Eigentümer schliessen einen Vertrag mit der ARGE MZ Hüningen. «MZ» steht für die Firmen Marti und Züblin, die die Sanierung übernehmen. Die Sanierung soll nach erfolgter Nachrüstung der Infrastruktur auf dem Gelände im Frühjahr 2015 wieder aufgenommen werden und Ende 2017 abgeschlossen sein.

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