Die Schule beginnt am Morgen bald später

Zuerst die gute Nachricht für die Basler Sek-Schüler: Sie können am Morgen bald einige Minuten länger schlafen. Und dann gibt es für viele andere Jugendliche aber auch noch eine schlechte Nachricht.

Mehr Schlaf für viele Jungendliche: Für die Basler Sek-Schüler beginnt die Schule bald 20 Minuten später. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Zuerst die gute Nachricht für die Basler Sek-Schüler: Sie können am Morgen bald einige Minuten länger schlafen. Und nun die schlechte Nachricht für die Basler Gymnasiasten und alle Baselbieter Jugendlichen: Ihr Unterricht soll wie bis anhin um 7.40 Uhr oder sogar noch früher anfangen. Der politische Kampf für mehr morgendlichen Schlaf geht aber zumindest in Basel weiter – und damit wohl auch die Kontroverse.

Es ist eine Forderung, die vor allem bei Jugendlichen sehr populär ist und wohl darum immer wieder gestellt wird.

Es ist aber auch eine Forderung, die stark umstritten ist. Bestens gezeigt hat das unsere Wochendebatte zum Thema: Soll die Schule später beginnen?

Ja, unbedingt, schrieb die Basler Gymnasiastin Ada Mohler. Schule müsse lustvoll und spannend sein. Um 7.40 Uhr am Morgen sei sie das aber für die wenigsten Schülerinnen und Schüler – und für die meisten ein Kampf.

Na ja, hielt der SVP-Politiker Joël Thüring in der Debatte dagegen, er selbst freue sich auch nicht jeden Morgen «über den schrillen Ruf des Weckers». Dennoch sei es für ihn selbstverständlich, ab 7.30 volle Leistung zu bringen.

So laufe es nun mal in der Arbeitswelt, sagt Thüring. Und darauf müsse die Schule die Schüler vorbereiten. Darum wäre es falsch, den Schulbeginn auf später zu verschieben. Die Schülerinnen und Schüler müssten sich eben sagen: «Morgenstund hat Gold im Mund.»

Trotz aller Weisheit verlor Thüring die Abstimmung nach einer angeregten Debatte aber deutlich mit 74 zu 26 Prozent der Stimmen.

Mittagspause wird verkürzt

Gut möglich, dass der Wille der TagesWoche-Community nun auch in der Realität umgesetzt wird. Ein bisschen zumindest: In Basel hat das Erziehungsdepartement jedenfalls vor, den Unterrichtsbeginn in der Sekundarstufe auf 8.00 Uhr zu verschieben. Diese Anpassung drängt sich mit der Schulreform auf, die ab 2015 auch in dieser Hinsicht eine Vereinheitlichung bringen soll. Noch fangen Sekundar (7.40 Uhr) und Primar (8 Uhr) zu unterschiedlichen Zeitpunkten an. Die 20 Minuten Unterrichtszeit, die mit der Umstellung verloren gehen, sollen mit einer Verkürzung der Mittagspause kompensiert werden. Eine Verlängerung des Unterrichts am Nachmittag ist nicht vorgesehen.

Der Entscheid über die Umsetzung liegt nun beim Erziehungsrat. Noch laufen aber die letzten Abklärungen im Erziehungsdepartement. Ein Grund, warum der Regierungsrat dem Grossen Rat beantragt, den Anzug von Franziska Reinhard (SP)  für «einen kinder- und jugendgerechten Schulstart» erst einmal stehen zu lassen, wie am Dienstag nach der Regierungs-Sitzung mitgeteilt worden ist (der Vorstoss ist auf der Rückseite dieses Artikels zu finden).

«Das ist erst der Anfang!»

Für Reinhard ist diese Ankündigung ein «guter Anfang». Mehr aber nicht. Ihr Ziel ist ein Schulanfang um 8.30 Uhr – und zwar auch für die Gymnasiasten und nicht nur für die Primar- und Sekundarschüler. Die paar Minuten mehr Schlaf am Morgen würden sich bei vielen Jugendlichen positiv auf die Leistung auswirken, sagt sie. Genau gleich argumentieren auch die Schülerinnen und Schüler der Basler Gymnasien Leonhard, Münsterplatz und Kirschgarten in ihrer Petition für eine Verschiebung des Schulbeginns auf 8.30 Uhr. Eine Forderung, die weiterhin aktuell ist. Und offenbar auch berechtigt. Es gibt jedenfalls Studien, die zeigen, dass die typischen Langschläfer oft kreativ sind – und in der Schule dennoch eher Mühe haben als die Frühaufsteher, weil sie erst wirklich wach werden, wenn es dafür schon fast zu spät ist.

Ein Problem, das mit den Jahren noch zunimmt. Eine Erfahrung, die auch Gymnasiastin Ada Kohler gemacht hat: «Unsere Schule widerspricht dem natürlichen Schlafrhythmus», sagt sie: «Darum müssen sich viele Jugendliche abmühen, um eine einigermassen angemessene Leistung zu bringen.»

Baselbieter bestehen auf frühen Schulbeginn

Ein Schulbeginn um 8 Uhr – in der Sekundar wie in der Primar: In Basel-Stadt wird diese Vereinheitlichung mit der Schulreform begründet, die gemeinsam mit Baselland durchgeführt wird und erklärtermassen ein einheitliches Schulsystem bringen soll. Logischerweise müsste der morgendliche Schulbeginn damit auch auf dem Land generell auf 8 Uhr festgelegt werden. Wird er aber nicht, wie bei der Baselbieter Bildungsdirektion zu erfahren ist. Der frühe Beginn sei auf die Verkehrsverbindungen abgestimmt und erlaube zudem, den knappen Raum möglichst gut auszunutzen, was vor allem bei den Sporthallen häufig wichtig sei, heisst es in der Begründung.  

Konversation

  1. Auch wenn ich jetzt aus stark subjektiver Sicht kommentiere, da ich selbst ein Lernender bin, muss ich sagen würde die Schule später beginnen würde sie das um einige attraktiver machen. Wenn bei mir der Wecker um 6:30 erklingt ist das in meinen Augen weitaus schmerzvoller als wenn dieser erst um 7:45 läutet. Egal was ich mache ob ich früh zu Bett gehe oder nicht meine Müdigkeit werde ich nicht los, ob man sagen kann dass einige Menschen halt nachtaktiv sind wage ich zu bezweifeln. Um diesen Kommentar zu beenden möchte ich sagen wenn ich ausgeschlafen in der Schule erscheinen könnte würde dies einiges an meiner Lernkapazität ändern.

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  2. SVP-Politiker Joël Thüring freut sich jeden Morgen «über den schrillen Ruf des Weckers». Das ist schön für ihn und vermutlich mit der Tatsache zu erklären, dass SVP-Granden vom Denken her eher alt daher kommen und es bei Joël eine Frühform der „senilen Bettflucht“ sein dürfte.

    Aber ich unterstütze jeden Schüler, der vor 8 Uhr keinen Bock hat, sich den Schädel mit Wissen voll zu stopfen. Das ist unmenschlich. Ich weiss aus meiner leidvollen Erfahrung, dass das nix bringt (gut, bei mir hhat´s auch nach 8 nichts gebracht, aber das ist eine andere Baustelle…).

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  3. Ob ich nun um 07:00 oder um 09:00 beginne, ist irrelevant.

    Wer 2 Stunden später anfängt, ist 2 Stunden später zu Hause. Was soll die Diskussion also?

    Wer um 6 Uhr aufsteht, muss um 10 Uhr im Bett sein. Wer um 7 Uhr aufsteht, muss um 11 Uhr im Bett sein. usw. blabla.

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  4. Als «Eule» und Mitglied seit über 15 Jahren, beim Verein «DELTA t», empfehle ich Herrn Thüring – offensichtlich eine «Lerche» – einen Schnellkurs in Chronobiologie zu absolvieren.

    «Die Menschheit wäre längst ausgestorben, hätte Sie auf Nahrungsaufnahme verzichtet, solange der Stoffwechsel nicht erforscht war. Ebenso steht es mit der Fortpflanzung. Und analog verhalten sich selbstbewußte Delta t-ler, die erst zu Bett gehen, wenn sie müde sind und nicht zu Zeiten, die der statistische Durchschnitt vorgibt.

    Dennoch sind Schlafforschung und Chronobiologie für Delta t von höchstem Wert, indem sie uns z.B. helfen, gesellschaftliche Anfechtungen abzuwehren wie die, dass eine Änderung unseres Schlafverhaltens nur eine Frage des guten Willens sei. Auch gesellschaftspolitische Veränderungen, die z.B. die Schulanfangszeit betreffen, sind maximal realistisch vor dem Hintergrund unterstützender Forschungsergebnisse. Zeigen sich die Entscheider doch selbst gegenüber härtesten Fakten erstaunlich resistent.

    Dabei sei nicht verschwiegen, dass wir uns nach Gründung von Delta t 1993 hauptsächlich erst wissenschaftlichen Bekehrungsversuchen ausgesetzt sahen. Man könne uns helfen, uns der Gesellschaft anzupassen. Die wesentlichen Zutaten: eine grosse Portion Disziplin und Schlafhygiene, regelmäßige Prisen Melatonin und morgens etwas Lichtfolter.

    Zum Glück hat sich das Gesamtbild mittlerweile verändert. Die meisten Mediziner und Forscher scheinen sich mehr dem Individuum verpflichtet zu fühlen, als einem so nur statistisch existenten Durchschnittsschläfer in einer Durchschnittsgesellschaft.»

    Auszug aus:

    http://delta-t.org/dt_pages_d/dt_forschung.html

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  5. Laut Franziska Reinhard würde ein paar Minuten mehr Schlaf am Morgen einen positiven Einfluss auf die Leistung der Schüler haben. Ich glaube gerne, dass das so stimmt. Jedoch denke ich (auch aus eigener Erfahrung), dass es eine Illusion ist zu glauben ein späterer Schulbeginn führe zu mehr Schlaf bei den Schülern. Ich sehe es als viel wahrscheinlicher, dass ein sehr grosser Teil der Schüler die Chance nutzen würde um Abends später ins Bett zu gehen und dann ist man wieder gleich weit wie zuvor.

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  6. Därr gemäinä schülärr ist faul und moss dahär diszipliniert werrden es braucht keine allgemeinbildung mehr was wir wollen ist DER TOTALE Fachidiot derr ist manipulierbar und formbar 10 stonden arbeit täglich sind zomotbar wär dorch dieses raster fällt ist genetisch minderwärtig…..
    Gruss vom postkartenmaler

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  7. Joël Thürings Argumentation ist ja wirklich total schräg. Oder spannt er heute Mittwoch auch schon den Regenschirm auf, wenn er weiss, dass es am Sonntag regnen kommt?

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  8. als lehrer hab ich die erste stunde am morgen am produktivsten und die schüler am aufnahmefähigsten gefunden.
    und sowohl als schüler als auch als lehrer habe ich es geliebt, wenn die schultage deshalb früher fertig waren und nicht regelmässig um sechs oder sieben uhr abends.

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  9. Die Forschung belegt eindeutig, dass ein Schulbeginn nach 8 Uhr die Leistungsfähigkeit, die Disziplin und das Schulklima verbessern. Zudem zeigen Langzeitstudien, dass sich die Schlafdauer der Jugendlichen verlängert und nicht etwa durch nächtliches Lesen und Spielen kompensiert wird. Schulen die den späteren Beginn eingeführt haben, würden laut Befragungen niemals zum frühen Beginn zurückkehren wollen.
    Bei uns – die wenigsten Länder kennen unseren frühen Schulanfang – ist das jedoch ein Politikum und die Schulen müssen sich hüten nicht als Wohlfühloasen verunglimpft zu werden. Fragwürdig ist auch, ob dieser spätere Beginn an der Primarschule sinnvoll ist, denn die Umstellung der Schlaf-Wach-Rhythmen beginnt erst mit der Adoleszenz, ist also eigentlich vor allem ein Thema der Sekundarstufe II. Hoffentlich haben wir aber den Mut, den alten Zopf von ‚Morgenstund hat Gold im Mund‘ abzulegen.

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