Die TagesWoche erfindet sich zum zweiten Mal

Die TagesWoche gibt sich 2017 einen neuen Auftritt. Sie will damit am Markt bestehen und eine relevante, unabhängige Stimme auf dem Platz Basel sein.

Wo Basel am Schönsten, Coolsten, Spannendsten ist – der TagesWoche-City Guide «72 Stunden in Basel».

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die TagesWoche gibt sich 2017 einen neuen Auftritt. Sie will damit am Markt bestehen und eine relevante, unabhängige Stimme auf dem Platz Basel sein.

Die Gründung der TagesWoche hat die Medienwelt vor fünf Jahren aufhorchen lassen. Gebannt blickten Journalisten und Medienschaffende nach Basel, in der Hoffnung, dass am Rheinknie nicht nur eine neue Zeitung entstehe, sondern gleich auch die krisengeschüttelte Branche an sich gerettet würde. Sogar Wolfgang Blau, der damalige Chefredaktor von «Zeit online», liess über Facebook Glückwünsche ausrichten. Und in Basel freuten sich die BaZ-kritischen Bürgerinnen und Bürger aus politischen Gründen auf das neue Medium.

Die Idee war bestechend: Die Tageswoche ist ein Hybrid, ein aktuelles Onlinemedium, gepaart mit einer Wochenzeitung zur Vertiefung und Analyse. Und sie ist ein Medium, das auf Augenhöhe mit seiner Leserschaft in Kontakt treten will. Finanziert wird das Projekt über eine Stiftung, mit dem langfristigen Ziel, dank Abonnenten und Werbeeinnahmen selbsttragend zu werden.

Der Euphorie folgte eine Startphase mit hervorragenden journalistischen Stücken und Meldungen über erfreuliche Abozahlen. Die aufgeblasenen Erwartungen einer ganzen Branche konnte die TaWo jedoch nie erfüllen. Die Organisation blieb zu lange im Start-up-Modus und die Stimmung im Team verschlechterte sich. Es folgte eine Zeit mit internen Machtkämpfen und einem unschönen Trick zur Auflagensteigerung. Im Mai 2015 mussten der Chefredaktor und der Geschäftsführer die TagesWoche verlassen. Der Rettungsballon der Medienbranche war geplatzt – die TaWo stand vor dem Aus.

Das zweite Leben der TaWo

Doch die Stiftung für Medienvielfalt gab dem Projekt eine zweite Chance. Unter der Leitung von Verwaltungsratspräsident Oscar Olano begann sich die TagesWoche zu reorganisieren. Im Januar 2016 stiess ich neu als Chefredaktor und Geschäftsführer dazu. Mein Auftrag war und ist es, die TagesWoche als unabhängiges Medium in Basel zu erhalten und das Unternehmen von einem Start-up zu einem funktionierenden KMU zu entwickeln. Die TagesWoche ist dabei einzig dem Stiftungsauftrag verpflichtet und ansonsten absolut unabhängig.

Heute sehen wir uns als Medienprojekt, das längerfristig am Markt bestehen muss. Wir sehen die TagesWoche im Dienste der Bevölkerung. Die Anliegen und Fragen der Baslerinnen und Basler liefern uns die wichtigen Themen für unsere Arbeit. 



Wo Basel am Schönsten, Coolsten, Spannendsten ist – der TagesWoche-City Guide «72 Stunden in Basel».

Die TagesWoche ist kreativ im Netz unterwegs – aktuelles Beispiel ist der eigene City-Guide (Bild: Hans-Jörg Walter)

In der neuen TagesWoche sollen alle Ideen, Meinungen und Entwicklungen diskutiert werden können. Wir möchten damit eine Gesellschaft fördern, die vielfältig, tolerant und offen ist. Wir möchten ehrlich, unabhängig, mutig, nützlich und inspirierend sein.

Wir stehen ein für grundlegende Werte und gesellschaftliche Errungenschaften wie Menschenrechte, Gleichheit der Geschlechter, Eigenverantwortung, Rede- und Religionsfreiheit oder Kinderrechte.

Wir sind nun daran, unsere Produkte dieser Strategie anzupassen und werden voraussichtlich Ende März die TagesWoche in Print und Online in einem neuen Layout präsentieren. Wir möchten künftig digital innovativer sein und neue Formen des Storytellings fördern. Inhaltlich wollen wir die TagesWoche öffnen und uns vermehrt auch gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Themen widmen, aber im Zentrum unserer Berichterstattung wird auch in Zukunft der Mensch stehen. 

Was wir sind, woher wir kommen und wohin es gehen soll: Alles zum Jubiläum der TagesWoche in der Übersicht.

Konversation

  1. Ich habe einige Zeit die TaWo nicht mehr gelesen. Seit ein paar Wochen macht es aber wieder richtig Spass. Einfach ein riesiges Danke! Und ich bin auf die Erweiterung gespannt

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  2. Herzliche Gratulation.
    Die Online TagesWoche ist seit ihrer Geburt mein täglicher Begleiter (ich würde es noch mehr schätzen, wenn man sie auch wieder mit einem Android Handy lesen könnte. Konnte man mal, aber leider nicht mehr)
    Am Freitag nehme ich mir dann eine Stunde Zeit und lese die Print Ausgabe (meistens von vorne bis hinten).
    Die Illustrationen von Tom Künzli sind etwas vom feinsten und versüssen mir den Tag.

    Ich hoffe dass es die TW noch lange gibt und wünsche euch nur das Beste.

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    1. Herzlichen Dank für die netten Worte.

      Das Problem sollte sich mit dem neuesten Update des Browsers gelöst haben. Sollte das nicht der Fall sein, gerne Bescheid geben.

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    2. @Thom Nagy
      Uups, ich nehme es zurück, es funktioniert wieder tadellos. DANKE
      Jetzt kann ich auch wiederim Tram und Zug die TW lesen
      Ist aber erst kürzlich hochgespielt worden?

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  3. Da bin ich mal gespannt, wie uns die TaWo künftig den Wert „Eigenverantwortung“ beibringen will… ich glaube mich zu erinnern, dass auch (und gerade) die SVP ihre Schäfchen (die weissen) immer wieder gerne mit dem Slogan „Eigenverantwortung“ an den Trog, respektive an die Urne lockt… Da drängt sich doch schon die Frage auf: wenn man Eigenverantwortung als Wert glaubt verkaufen zu müssen – wen versucht man dann von seiner Verantwortung zu entbinden? die Antwort dürfte im Falle von SVP, liberalen Parteien, Arbeitgeberverbänden und vielen weiteren Eigenverantwortungsfans (mögliche TaWo-Inserenten?) relativ klar sein. Wäre es nicht eher Aufgabe eines kritisch-unabhängigen Mediums, sich für die gute alte Mündigkeit stark zu machen? Dieser Begriff scheint mir noch weniger von den Obengenannten vereinnahmt und bebeigeschmackt zu sein.

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  4. Dieser fromme Wunsch von all diesen Stiftungen die Projekte anfinanzieren mit der Aussicht sich dann im nie eintreffenden selbsttragenden Moment zurück zu ziehen… Naja, hat dieser Vorgang irgendwo schon mal geklappt? Oder müssen dann einfach andere Stiftungen und Steueroptimierer einspringen? Oder der Staat? Oder gehen die Projekte dann doch einfach wieder ein? TaWo weiterhin toi toi toi mit dieser Stiftung! 🙂

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  5. „In der neuen TagesWoche sollen alle Ideen, Meinungen und Entwicklungen diskutiert werden können. …“

    Das neue Programm tönt schwer nach Landesring und Mitte. Man könnte es auch CoopZeitung 2.0 nennen. Bin sicher, dass der Meury gleich loszetert.

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