Die Uno fordert alternative Finanzierungen für Medikamente

Das Patent-System in der Pharmaindustrie funktioniert nur ungenügend, stellt ein Panel der Uno fest. Es fordert deshalb alternative Finanzierungsmodelle für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten. Insbesondere von solchen, die für die Industrie finanziell unattraktiv sind.

Medikamente und eine Schweizer 200 Franken Banknote fotografiert am Donnerstag, 25. September 2014, in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

(Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Das Patent-System in der Pharmaindustrie funktioniert nur ungenügend, stellt ein Panel der Uno fest. Es fordert deshalb alternative Finanzierungsmodelle für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten. Insbesondere von solchen, die für die Industrie finanziell unattraktiv sind.

Es brauche neue Finanzierungsmodelle, damit Medikamente für vernachlässigte Krankheiten entwickelt werden können. Experten der öffentlichen Gesundheit fordern dies schon seit Jahren. Das bestehende Patent-System funktioniere nämlich nicht. Nicht bei Krankheiten, die für die Pharmaindustrie uninteressant sind. Tuberkulose wäre so ein Beispiel.

Doch wie könnten solche Finanzierungsmodelle aussehen?

Eine Idee ist: Entwicklungskosten vom Preis trennen. Im Bereich der vernachlässigten oder sogenannten seltenen Krankheiten gibt es bereits entsprechende Initiativen – beispielsweise die «Drugs for Neglected Diseases Initiative» (DNDi), die ein patentfreies Malariamittel entwickelte.

Das reiche aber nicht. An einem High Level Panel der UNO sagte alt Bundesrätin und Co-Präsidentin Ruth Dreifuss: «Wir müssen mehr Mittel für die öffentlich-rechtliche Forschung haben, um Bereiche erforschen zu können, die für die Pharmaindustrie von geringem Interesse sind.»

Das Panel über den besseren Zugang zu Medikamenten hat diese Woche Vorschläge vorlegt, um das strukturelle Problem der Forschung zu lösen und einen besseren Zugang zu Medikamenten zu gewährleisten. Der Bericht ist zurzeit auch Thema an der Weltgesundheitsversammlung in Genf.

Das Panel war 2015 vom damaligen UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon geschaffen worden. Die Initiative dazu hatte das Uno-Entwicklungsprogramm ergriffen, nachdem die Diskussionen innerhalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO) blockiert waren. Es gab «einen Streit zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen den Staaten mit einer grossen Pharmaindustrie und jenen, die das nicht haben», wie der Experte für Gesundheit und Entwicklung bei der zwischenstaatlichen Organisation South Center, German Velasquez, in Genf sagte.

Es sei ein globales Problem, sagt Ruth Dreifuss.

Der fehlende Zugang zu Medikamenten galt lange als Problem armer Länder. Ein Trugschluss: «Unser Bericht hat klar ergeben, dass es sich um ein globales Problem handelt», sagte Ruth Dreifuss. Es gebe auch in reichen Ländern Preisprobleme, die zu einer Rationierung von Medikamenten führten.

«Ich denke etwa an das Paradebeispiel Hepatitis C, das zum Ergebnis hat, dass sogar die Schweiz beschloss, mit einer Behandlung zuzuwarten, bis die Krankheit ausgebrochen ist.» In der Schweiz koste eine Behandlung mit 50’000 Franken gut die Hälfte des Preises in den USA von 84’000 Dollar.

29’000 Euro in Frankreich, 230 Dollar in Ägypten

Heute kann Hepatitis C geheilt werden. Der Wirkstoff heisst Sofosbuvir (Markenname Sovaldi) und wurde vom Pharmakonzern Gilead entwickelt. Viele Länder haben mit Gilead über den Preis für Sofosbuvir verhandelt. In Frankreich liegt er für die zwölfwöchige Behandlung derzeit bei 29’000 Euro, in Spanien bei 13’000 Euro.

Ägypten hat die Patentierung von Sofosbuvir verweigert. Dort produziert eine lokale Firma ein Generikum für 230 Dollar pro Behandlung. 10 Prozent der Bevölkerung Ägyptens leiden an Hepatitis C, weltweit sind es 150 Millionen Menschen. Wenn das Medikament überall so günstig wäre wie in Ägypten, könnte laut Velasquez jedes Land eine Kampagne führen, die Hepatitis C ausmerzen könnte. 

Das Panel schlägt eine Zwangslizenz vor, damit billigere Generika produziert werden können.

Das Panel hat in seinem Bericht mehrere Empfehlungen zusammengestellt. Eine erste Empfehlung lautet: Regierungen sollen die Flexibilisierungsregelungen respektieren, die im Fall von Problemen für die öffentlichen Gesundheit im Abkommen über handelsbezogene Rechte an geistigem Eigentum (TRIPS) vorgesehen sind.

Demnach kann eine Regierung Zwangslizenzen bewilligen, um billigere Generika eines patentierten Medikaments zu produzieren und zu verkaufen, sofern die Generikafirma dem Patentinhaber eine Lizenzgebühr bezahlt. Besorgt erklärte sich das Panel darüber, dass Regierungen unzulässigem Druck ausgesetzt seien, auf Zwangslizenzen zu verzichten.

Wie sehr Industrieländer Präzedenzfälle fürchten, die das Patent-System in Frage stellen könnten, zeigte der Fall von Kolumbien. Im letzten Jahr wollte das Land eine Zwangslizenz wegen des hohen Preises des Novartis-Krebsmedikaments Glivec (Imatinib) erteilen.

Sowohl Novartis als auch die Schweiz übten Druck aus, davon abzusehen. Am vehementesten reagierten die USA. Sie drohten Kolumbien, die 450-Millionen-Dollar-Hilfe für die Umsetzung des Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen könnte gefährdet sein.

Die Kosten für Forschung und Entwicklung sollen transparent werden

Eine weitere Empfehlung des Panels ist es, ein rechtsverbindliches internationales Abkommen auszuhandeln, das – ergänzend zum Patent-System – die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln durch staatliche Gelder für jene Bereiche ermöglichen würde, welche die Pharmaindustrie wenig interessiert.

Das forderten Experten bereits 2006 und 2008. Die Industrieländer stellten sich jedoch dagegen. Das Panel schlägt vor, dass Regierungen als Vorbereitung für Verhandlungen über ein solches Abkommen zunächst über einen Kodex von Grundsätzen für die medizinische Forschung und Entwicklung beraten.

Weiter empfehlen die Experten des Panels mehr Transparenz bei der Preisgestaltung von Medikamenten. Von den Pharma-Unternehmen fordern die Experten, in ihren Geschäftsberichten über ihre Kosten für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten informieren.

Novartis und Roche lassen in die Preisgestaltung blicken

Der Pharmakonzern Novartis etwa hat gemäss Geschäftsbericht 2016 insgesamt 9 Milliarden Dollar für die Forschung aufgewendet. Der Nettoumsatz betrug 48,5 Milliarden Dollar und der Reingewinn 6,7 Milliarden Dollar. Zudem engagiere sich Novartis «seit vielen Jahren für den Ausbau des Zugangs zu Arzneimitteln und für die Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten», sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Bei der Preisgestaltung will Novartis aufzeigen, wie der Konzern den Wert seiner Medikamente bestimmt. Berücksichtigt werden der klinische Wert (medizinische Ergebnisse), der Wert für den Patienten (z.B. höhere Lebensqualität), der Wert für das Gesundheitssystem (Vermeidung anderer Kosten) sowie der Wert für die Gesellschaft (höhere Produktivität).

Der Preis sei nur eine Hürde für den Zugang zu Medikamenten «und oftmals nicht die wichtigste», sagt die Roche.

Die Pharmaindustrie würde Patienten gerne fragen, wie viel es ihnen wert sei, ein Jahr länger zu leben, um damit unabhängig vom Nutzen kaufkraftbestimmte Preise zu erreichen, meinte dazu ein Vertreter der Gesundheitsbehörden eines westlichen Landes.

Beim Pharmakonzern Roche hiess es, der Preis eines Medikaments sei nur eine Hürde für den Zugang zu Medikamenten «und oftmals nicht die wichtigste». Um diese Hürde zu reduzieren, berücksichtige der Konzern bei der Preisgestaltung die Kaufkraft des jeweiligen Landes.

Entscheidend für die Preisbildung sei der Nutzen eines Medikaments für die Patienten und die Gesellschaft. Für den Behördenvertreter dagegen versuchen Pharmaunternehmen mit ihren Preisen maximalen Profit im jeweiligen Markt zu generieren.

Bewegung in der Diskussion

Da die Positionen zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern polarisiert sind, wird es in nächster Zeit kaum zu Verhandlungen über eine internationale Konvention kommen. Dennoch gibt es Bewegung in der Diskussion um den Zugang zu Medikamenten.

Die Entwicklungsländer wollen nicht länger zuwarten, sagte Velasquez. Die 12 Staaten der Union Südamerikanischer Nationen Unasur beschlossen im Dezember, die Empfehlungen des Panels umzusetzen, die an Regierungen gerichtet sind. «Die Idee ist, den Bericht auf nationaler Ebene zu verabschieden», sagte Velasquez.

Wenn sich die Staaten zusammenschliessen, könnten die Pharmafirmen nicht in verschiedenen Ländern unterschiedliche Preise machen. Die Länder könnten von den Firmen zudem fordern, die Zusammensetzung der Preise und der Kosten für die Produktion transparent zu machen.

Die Hoffnung auf Wettbewerb unter Generika-Produzenten

Druck auf die Pharmaindustrie gibt es auch von der WHO, die eine Diskussion über faire Renditen von Investitionen fördern will, unter Einbezug von Investmentbankern. Die WHO hat inzwischen einen Generikum-Wirkstoff von Sofosbuvir präqualifiziert.

Der Wirkstoff entspricht demnach den Qualitätsstandards und kann von Generika-Produzenten in Entwicklungsländern bezogen werden, um Pillen herzustellen. «Wenn es einen Wettbewerb unter Generika-Produzenten gibt, fallen die Preise üblicherweise», sagte Suzanne Hill, Direktorin der WHO-Abteilung für unentbehrliche Medikamente.

Auch die WHO setzt sich dafür ein, dass die Firmen ihre Kosten für die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln transparent machen. «Heute besteht kein Bezug zwischen diesen Kosten und dem Preis von Medikamenten, denn die Preise sind so hoch», sagte Hill. Was den Aktienkurs einer Firma erhöhe, sei ein Blockbuster, das bedeute eine Milliarde Dollar im ersten Jahr, sagte Hill.

Ein Teil der Forschung und Entwicklung werde jedoch oft durch öffentliche Forschungsinstitute finanziert. Aber ohne Transparenz könne nicht über die Verknüpfung der Forschung mit dem Endpreis oder über deren Entkoppelung diskutiert werden. «Es braucht nachhaltige Preise für die Gesundheit und nachhaltige Geschäftsmodelle.»

Konversation

  1. Gerne nutze ich diesen Artikel um den interessierten einen anderen Blickwinkel aufzuzeigen. Pharmaunternehmungen haben weltweit einen eher schlechten Ruf. Ob gerechtfertigt, teilweise gerechtfertigt oder reine Polemik muss jeder selbst entscheiden. Erlauben Sie mir jedoch meine Sicht als Angestellter in einer Pharmaunternehmung. Auch wenn Sie es bestimmt anders empfinden werden, ich kratze nur an der Oberfläche.
    1. Die Suche nach neuen Substanzen /Molekülen und Entwicklung von Medikamenten wird immer aufwendiger. Nur etwa eine von 500-1000 Substanzen / Molekülen schafft es als Medikament in die finale Studienphase III, kurz vor Markteinführung. Vorbei die Zeiten in denen die blosse Entdeckung des Penizillinpilzes Millionen von Menschen retten konnten oder ein paar zusammengemischte und aufgebackene chemische Basisstoffe ein neues Schmerzmittel ergaben.
    2. Moderne Medikamente, vor allem Parenteralia haben heute mehrere hundert Prozessschritte. Beim Produktionsverfahren müssen genaueste Reihenfolgen, Temperaturen, atmosphärische Drucke, Verarbeitungszeiten, Dosierungsverhältnisse und noch ganz viele weitere Parameter streng nach den Vorgaben eingehalten werden. Manchmal entscheiden zwei Stellen hinter dem Komma über Erfolg oder Fehlschlag.
    3. Ausserdem, wo früher eine ausgediente Lagerhalle mit „Klimaanlage“ (man konnte die Fenster öffnen) als Produktionsstätte reichte, müssen heute ganze Gebäude nach aktuellen GMP, GDP, GLP Standard neu gebaut werden. Diese ermöglichen eine absolut sterile Produktion, mit mehreren Reinheitszonen und von der Umwelt absolut abgeschottet. Sämtliche Maschinen und Anlagen sind i.d.R. Einzelanfertigungen, extra für dieses eine Medikament entwickelt und gebaut. Danach muss mittels Validierung, Qualifizierung und Behördenprüfung sichergestellt werden, dass die Laborprozesse für die Massenproduktion absolut identisch nachgebildet werden können. Vieles davon ist berechtig und nötig aber jemand der noch nie in der Pharmaindustrie gearbeitet hat, kann sich unmöglich vorstellen wieviel „Blödsinn“ von den Behörden verlangt wird und die Kosten sinnlos vervielfältigen. Nebenbei die reinen Baukosten für solche Gebäude und Anlagen erreichen oft 300- 500 Millionen CHF.
    4. Sobald ein vielversprechendes Molekül gefunden wurde, muss es sofort patentiert werden. Man will ja nicht, dass die Forscher damit zur Konkurrenz überlaufen. Daraus ergeben sich weltweit hohe Registrierungs- und Anwaltskosten. Ebenfalls selbstredend ist die Entlohnung der Forscher selbst. Mit entsprechendem Obolus will man sie an die eigene Unternehmung binden. Und glauben Sie mir, diese Menschen werden wirklich als das wertvollste Gut (Human Capital) einer Unternehmung betrachtet.
    5. Sobald eine Pharmaunternehmung „A“ ein vielversprechender Wirkstoff, Molekül oder Substanz, mit dem dazugehörigen Produktionsverfahren patentiert hat, ist es im Patentregister öffentlich. Das Patent ist je nach Medikament und Indikation zwischen 20-30 Jahre gültig. Je seltener die Krankheit um so länger gilt das Patent. Damit soll gewährleistet werden, dass sich auch die Forschung zu seltenen Krankheit lohnt. Aber ab dem Tag der Patentierung resp. Patentveröffentlichung können Generikafirmen „B“ und Konkurrenten „C“ das Molekül kopieren, selbst erforschen und ein eigenes Produkt entwickeln. Man bedenke dabei: Zu diesem Zeitpunkt kann die eigentliche Entwicklung des marktreifen Medikamentes durch die Unternehmung „A“ trotzdem noch weitere 10-15 Jahre dauern. Ebenfalls wird die Unternehmung „A“ laufend weitere Patente anmelden, die von „B“ und „C“ kopiert werden können und somit einen Grossteil der F&E kosten einsparen. So lange sie damit keinen kommerziellen Profit machen ist das absolut legal.
    6. Immer mehr Gesundheitsbehörden weltweit verlangen immer aufwendigere Registrierungsverfahren, welche oft ziemlich entgegengesetzte Ansätze haben. Während manche einen statistischen Beweis für die Wirksamkeit verlangen, wollen andere den wissenschaftlichen Beleg, dass der Wirkstoff keine Schäden verursacht. Dasselbe gilt für Tierversuche. Es sind vor allem die staatlichen Gesundheitsbehörden die immer wie mehr Tierversuche fordern, um gesichertere Daten zu erhalten. Ebenfalls werden immer aufwendigere Studien, mit immer wie mehr Probanden verlangt. Hier hat eine Pharmaunternehmung absolut keine Beeinflussungsmöglichkeit. Nur wenn sämtliche Richtlinien der staatlichen Behörden erfüllt sind, gibt es eine Zulassung. Der Personalaufwand für die Studien der Pharmaunternehmung beträgt mehrere 100 Personen (Doktoren, Forschern, Studenten, Anwälte und Probanden), welche über Jahre als Angestellte oder Subunternehmen einen regelmässigen Lohn erwarten. Eine Wertschöpfung hat bis anhin jedoch noch immer nicht stattgefunden und die Unternehmung „A“ somit noch keinen einzigen Rappen eingenommen.
    7. Wenn ein Medikament schliesslich nach 10-20 Jahre Entwicklung (manchmal sogar 25Jahre) endlich marktreif ist, bleiben der Unternehmung „A“ nur noch ein paar wenige Jahre, um sämtliche angefallenen Kosten, einen Gewinn und gewisse Reserven für weitere Forschung einzufahren. Wir erinnern uns… nur eines von 500-1000 Wirkstoffe schafft die Marktreife. Zwischen den ersten Tierversuche und der Studienphase 3 ist die Durchfallquote der Medikamente noch immer ca. 95%, Trotzdem wurden manchmal schon mehrere 100 Millionen CHF je Medikamente ausgegeben.
    8. Dennoch, genau an dem Tag an dem das Patent der Unternehmung „A“ abläuft, werden „B und C“ mit einem eigenen, fertig entwickelten, registrierten und marktbereiten Präparate in den Startlöchern stehen. Geforscht haben sie kaum und die Entwicklungskosten beliefen sich auf ein Bruchteil. Die Kopie ist um ein vielfaches kostengünstiger aber neue Medikamente werde sie nie entwickeln.
    9. Weiteres Risiko das das forschende Unternehmen „A“ einkalkuliert muss: Nach jahrelanger Forschung hat es ein neues flüssiges Medikament entwickelt, das 1x pro Woche mittels Spritze verabreicht werden muss. Die Marktreife steht kurz bevor und es wurde schon über 1Milliarde an Entwicklungskosten ausgegeben. Jetzt kommt eine Firma „X“ mit einem viel besseren Wirkstoff. Bei ihr reicht eine Tablette 1x im Monat. Welches Medikament wird der Kunde wohl lieber mögen? 1x pro Woche eine Spritze oder 1x im Monat eine Tablette? Dieses Beispiel ist tatsächlich genauso real geschehen und hat einer Unternehmung Kosten von 1 Milliarde CHF beschert, für ein marktreifes Produkt das niemand will.
    10. Ich habe Ihnen hiermit nur einen winzigen Einblick in die Kosten für ein neues Medikament beschrieben. Gänzlich ausgelassen sind die Kosten, für Abfüll- und Verpackungsmaschinen, Packmittelentwicklung für alle Länder, eine garantierte absolute fehlerfreie Übersetzung aller Packungsbeilagen für alle Sprachen auf der Welt, Transportqualifizierung, Stabilitätsstudien, Kühlkettesicherstellung, wochenlange Personalschulungen an neuen Maschinen und Anlagen (durch Ingenieure und Konstrukteuren), „totes Kapital in Lagerstellplätze uvm.
    11. Heutzutage kostest ein neues Medikament bis zur Markteinführung ca. 1.5 Milliarden CHF. Vieles davon sind preistreibende Absurditäten weil jede Gesundheitsbehörde auf dieser Welt sich für die wichtigste hält und auf unvorstellbare Extrawünsche besteht. Egal ob es ein potenter und Hauptabsatzmarkt wie die USA oder ein unbedeutender Kleinstaat ist, das nur aus ethisch moralischen Gründen beliefert wird aber ein reines Verlustgeschäft ist. Jawohl!! Auch das gibt es tatsächlich! Aber welche Unternehmung würde öffentlich „sinngemäss und von mir sehr überspitzt dargestellt“ einem ganzen Staat sagen: „Leute, eigentlich geht ihr uns am A**** vorbei, ihr seid für uns nur ein Verlustgeschäft. Dankt den anderen Länder, dass wir dort genug Gewinn erzielen können um euch kostenlose Medikamente liefern zu können“.
    12.Genau dasselbe war in Griechenland. Niemand interessierte, dass der Staat seit 4 Jahren Pharmarechnungen von privaten Unternehmungen nicht mehr bezahlte. Alle empörten sich bloss über die Pharmaunternehmungen, welche nur noch den Endkunden belieferten jedoch keine staatlichen Institutionen mehr. Obwohl die Versorgung zur keiner Sekunde gefährdet war, waren die Pharmakonzerne die bösen. Zeigen Sie mir eine Unternehmung die 4 Jahre lang anstandslos Ware liefert aber kein Geld erhält.
    13.Worin ich Ihnen zu 100% zustimme: Solange eine Pharmaunternehmung gute und engagierte Mitarbeiter hat, welche in der gesamten Prozesskette fleissig und pflichtbewusst arbeiten und viele neue Medikamente verzögerungsfrei auf den Markt bringen, verdient die Unternehmung derart schweineviel Geld, dass es einer ethischen Perversion gleich kommt. Dafür können viele gute Löhne bezahlt werden und ein grosser regionaler Wohlstand entsteht. Hat die Unternehmung jedoch 5-6 Fehlschläge in der Studienphase III oder fehlgeschlagene Markteinführungen wegen „Schlamperei“, wird sie insolvent und ganz viele arbeitslose wären die Folge. Abstiegsbeispiele für ehemals prosperierende Wirtschaftsstandorte gibt es zur Genüge.

    Weitere Klischees zu denen ich gerne Stellung nehmen würde: Pharmaunternehmen wollen Krankheiten gar nicht heilen, denn dauerhaft kranke Patienten bringen mehr Profit.
    Seien Sie versichert, für jeden Forscher ist seine Arbeit Berufung und Leidenschaft. Patentierte Wirkstoffe sind öffentlich und nur begrenzt geschützt. Wenn es tatsächlich bereits ein Wirkstoff gegen AIDS gäbe, so wäre dieser schon längst patentfrei. Frische und ehrgeizige Chemiker, Pharmatechnologen, Biologen, Biochemiker oder Molekulartechnologen könnten frisch ab der Uni zusammen (mittels Crowdfunding) eine Unternehmung gründen und ein heilendes Medikament entwickeln. Sie wäre schlagartig Milliardäre. Warum hat es wohl noch niemand versucht?! Dasselbe gilt für jede andere „noch“ unheilbare Krankheit.
    Die Compliance Abteilung einer jeder Pharmaunternehmung gewährleistet mit dem Code of Conduct, dass ethische Standards eingehalten werden und die ärmsten der Armen (Afrika) Medikamente zum Herstellungspreis erhalten, auch wenn es in manch Augen blosse Publicity ist.
    Der CEO mag manchmal als Ars****** erscheinen und eine Massenentlassung von 200 Personen verkünden. Mit der schlagartigen Einsparung von 6000 CHF Monatslohn plus zusätzliche 20% Sozialabgaben pro Mitarbeiter, kann die Unternehmung MONATLICH 1‘440‘000 CHF Lohnkosten einsparen und so den sicheren, regelmässigen und dauerhaften Lohn der restlichen 800 Mitarbeitern sicherstellen.
    Weiter wird seitens Pharmaunternehmungen schon seit längerem Geprüft wie man eine kostenlose Behandlung für Patienten anbieten könnte. Nur wenn es tatsächlich gelingen würde einen Patienten komplett zu heilen, würde man auf eine Bezahlung der erfolgreichen Behandlung bestehen. Das wären durchaus ehrenhafte Absichten. Nichtdestotrotz darf man nicht vergessen, absolut niemand arbeitet ohne Profit oder kann es sich leisten Dauer Verluste einzufahren. Privatunternehmung bleibt Privatunternehmung.

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    1. @ Andreas Kermann: Ihre Aussage verwirrt mich etwas. Wenn dies Ihre Schlussfolgerungen aus meinem Post sind, dann habe Sie meiner Meinung nach nicht verstanden wo das Problem wirklich liegt.
      Der Staat war noch nie Innovativ. Denken sie wirklich die von mir beschriebene „bessere Tablette“ wäre noch entwickelt worden, wenn der Staat bereits ein funktionierendes „Injektionsmedikament“ gefunden hätte?
      Wenn ein Staat die Wirtschaft plant oder für Innovationen zuständig ist, dann entstehen „Erfolgsgeschichten“ wie der Trabi oder Lada in Russland. Über Jahrzehnte keinerlei Fortschritte, technische Verbesserungen oder Produktionsoptimierungen geschafft. Im Gegenteil, man musste für das eigene neugeborene Kind ein Trabi vorbestellen, damit es zur Volljährigkeit ein Auto erhielt. Die Lieferzeit betrug sage und schreibe 18 Jahre. Absolutes Versagen der staatlichen Planwirtschaft.
      Anderes Beispiel: All die neuen PRIVATFINANZIERTEN Hochhäuser der letzten 10 Jahre in Basel wurden in rund 1-3 Jahren gebaut. Wenn STAAT einen Verkehrskreisel neu gestalten lässt, herrscht dort für 9-12 Monate Baustelle. Die Diskrepanz bei den Relationen ist einfach mit nichts zu rechtfertigen. Ganz zu schweigen von den 7 Jahren Renovierungszeit für den ca. 100m Schäntzlitunnel. Soll mir mal einer erklären warum die Renovation von 100m Tunnel mehr als doppelt so lange dauert, wie der Bau des höchsten Hochhaus in der Schweiz.
      Die Medikamentenkosten könnten drastisch gesenkt werden, wenn die Unternehmungen nicht mehr jede Extrawurst von den STAATLICHEN Gesundheitsbehörden für eine Zulassung erfüllen müsste. Statt dessen könnte doch z.B. die WHO bindende Richtlinien und Gesetzte erlassen, die für alle Staaten gelten. Ebenso könnte die WHO als zentrales Pharma-Patentamt fungieren, schlagartig wären auch hier sehr viele Kosten weg.
      Wenn Patente nicht so schnell ablaufen würden, könnten auch die forschenden Pharmaunternehmungen die Kosten über einen längeren Verkaufszeitraum wieder einholen und wären nicht diesem enormen „Geldeintreibedruck“ ausgesetzt.
      Weitere Sparmöglichkeit: Wenn sich Staaten mit ähnlichen Sprachen und Regionen (z.B. Skandinavien, Baltikum, Balkan, Südamerika und Karibik und noch ganz viele weitere Beispiele) an einen Tisch setzten könnten und gemeinsam vereinbaren, welche Informationen auf der Verpackung, eine gemeinsame mehrsprachige Packungsbeilage aushandeln und bei der Haltbarkeit und Datumsformat auf der Verpackung aufgedruckt werden, könnten auch hier durch grössere Volumen und weniger Bürokratie enorme Kosten eingespart werden.

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  2. Also wenn es nach der Wirtschaftlichkeit gesamtgesellschaftlich ginge, müsste mehr in Medikamente investiert werden, um damit Krankheiten von jüngeren Menschen zu behandeln. Schizophrenie ist so eine krankheit, die den jungen Menschen befällt und doch oft nicht wieder weg geht und auf eine lebenslange massive Behinderung hinaus läuft, oft derart, dass es sogar nicht mehr zum eigenen Broterwerb reicht.
    Dank dem, dass es überhaupt Medikamente dagegen gibt, konnten die grossen psychiatrischen Aufbewahrungsanstalten geschlossen werden und die Patienten oft wieder in üblicher Wohnsituation (manchmal auch betreut) leben, aber der grosse Wurf diesbezüglich fehlt bis heute, der die psyhische Behinderung soweit zurückdrängen könnte, dass ein normales Leben wieder möglich würde.

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  3. Eben und nur ganz wenige Wirkstoffe schaffen es auf den Markt. Bei allen andern haben auch Hunderte Forscher mitgearbeitet und es wurde mässig Geld investiert mit Null Profit.

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  4. @peter meier1

    einfach nochmals in aller ruhe&besinnung nachlesen:

    «Wie sehr Industrieländer Präzedenzfälle fürchten, die das Patent-System in Frage stellen könnten, zeigte der Fall von Kolumbien. Im letzten Jahr wollte das Land eine Zwangslizenz wegen des hohen Preises des Novartis-Krebsmedikaments Glivec (Imatinib) erteilen.

    Sowohl Novartis als auch die Schweiz übten Druck aus, davon abzusehen. Am vehementesten reagierten die USA. Sie drohten Kolumbien, die 450 Millionen Dollar-Hilfe für die Umsetzung des Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen könnte gefährdet sein.»

    noch fragen?

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  5. Gebt das Hanf frei, dann brauchen wir keine Medikamente mehr. Wer das noch nicht gecheckt hat, ist wohl bekifft.

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  6. Ja Chröttli – das Patent garantiert dem Hersteller und Entwickler eben gewisse Einnahmen um seine Investitionen zu decken. Wenn es keinen Patentschutz gibt wird kein Hersteller mehr soviel Geld in die Forschung stecken. An einem fertigen Produkt haben Tausende Mitarbeiter gearbeitet und es wurden Zig Millionen Franken investiert.

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