Dieser General hat sich den eigenen Schnaps verdient

Das abenteuerliche Leben Johann August Sutters (1803–1880) bot wiederholt Stoff für Romane. Die Basler Autorin Helen Liebendörfer hat mit «Hansdampf in allen Gassen» nun einen weiteren hinzugefügt.

1953 erhielt der «General» in seinem Heimatort Rünenberg ein kleines Denkmal.

(Bild: Martin Stohler)

Das abenteuerliche Leben Johann August Sutters (1803–1880) bot wiederholt Stoff für Romane. Die Basler Autorin Helen Liebendörfer hat mit «Hansdampf in allen Gassen» nun einen weiteren hinzugefügt.

Ob Johann August Sutter das Zeug zu einem erfolgreichen Geschäftsmann hatte, ist umstritten. Mit Sicherheit war der «Kaiser von Kalifornien», wie Luis Trenker Sutter in seinem gleichnamigen Filmepos von 1936 bezeichnete, ein begnadeter Selbstdarsteller.

Sutter, dessen Vater das Bürgerrecht der Oberbaselbieter Gemeinde Rünenberg besass, kam am 23. Februar 1803 im badischen Kandern zur Welt und starb am 20. Juni 1880 in Washington, D.C. Nach einer Lehre in der Thurneysenschen Verlagsbuchhandlung in Basel arbeitete Sutter zunächst in Tuchhandlungen in Aarburg und Burgdorf.

1828 heiratete er Anna Dübeld und gründete mit einem Darlehen seiner Schwiegermutter in Burgdorf eine eigene Tuch- und Kurzwarenhandlung. Sechs Jahre später war Sutter bankrott. Darauf setzte er sich hoch verschuldet nach Amerika ab. Seine mit den Kindern in der Schweiz zurückgelassene Ehefrau Anna sollte er erst im Jahr 1850 wiedersehen, als er sie nach Kalifornien holen liess.

Rohstoff für Schriftsteller

In Kalifornien, das zunächst noch zu Mexiko gehörte, baute Sutter in den 1840er-Jahren rund um sein Fort in «Neu-Helvetien» ein kleines Imperium auf. Dabei ging er hohe finanzielle Risiken ein. Als 1848 Gold auf seinem Land gefunden wurde und sich massenweise Goldgräber darauf breitmachten, setzte der Niedergang seines kleinen Reiches ein.

Die USA, zu deren 31. Bundesstaat Kalifornien 1850 wurde, verliehen Sutter zwar den Ehrentitel «General», seine von Mexiko erhaltenen Landrechte anerkannten sie aber nur zum Teil. Sutter ging vor Gericht, hatte mit seinen Klagen aber keinen Erfolg.

Sutters abenteuerliches Leben lieferte wiederholt den Rohstoff für literarische Werke. Eine erste grössere biografische Skizze erschien 1868 in der «Basellandschaftlichen Zeitung». Sie wurde später vom «Verein für Verbreitung guter Schriften» als Broschüre wiederholt neu aufgelegt.

Sutter liess Frau und Kinder zurück auf dem Weg zum Glück.

Ihr Verfasser Martin Birmann (1829–1880) war von Sutters Heimatgemeinde Rünenberg nach dessen Flucht nach Amerika als Beistand für die in der Schweiz zurückgelassene Frau Sutters eingesetzt worden und stand mit ihm über Jahre in Briefkontakt.

Birmanns Schrift gibt weitgehend die Sicht Sutters wieder und zeichnet den Gründer von Neu-Helvetien als tragischen Helden, der seinen zuvor mühsam errungenen Reichtum verliert, als Horden von Abenteurern über Sutters Ländereien herfallen und das Gold selbst Sutters Mitarbeitern den Kopf verdreht.

An Birmann anknüpfend spann Blaise Cendrars 1925 mit seinem Erfolgsroman «L’or» die Sutter-Legende weiter. Damit war das Fundament für Sutters Nachruhm auch in seiner alten Heimat gelegt (in den USA blieb er als einer der Kolonisatoren Kaliforniens in Erinnerung).

Der andere Sutter

In der Folge war Sutter wiederholt Gegenstand historiografischer Werke. Zudem werben sein Name und sein Porträt seit über 70 Jahren für einen Baselbieter Kirsch aus Sissach, und 1953 errichtete Rünenberg seinem prominenten Bürger ein kleines Denkmal.

Auch auf der literarischen Agenda konnte Sutter seinen Platz behaupten. So widmete ihm Stefan Zweig in seinen «Sternstunden der Menschheit» (1927) eine historische Miniatur, der Baselbieter Schriftsteller Traugott Meyer legte 1953 in Baselbieter Mundart den Roman «Dr Gänneral» vor und der Basler Schriftsteller Jürg Weibel unterzog Sutters Lebensgeschichte in «Saat ohne Ernte» (1980) einer literarischen Prüfung und bettete sie historisch tiefer ein.

Weniger ein tragischer Held als ein dem Alkohol zusprechender Selbstdarsteller.

Mit ihrem eben erschienenen Sutter-Roman betritt Helen Liebendörfer demnach kein literarisches Neuland. Dennoch gewinnt sie dem Stoff Neues ab und setzt eigene Akzente. Namentlich interessiert sie sich für das Schicksal von Sutters in der Schweiz zurückgelassener Ehefrau Anna. Zudem macht sie deutlich, dass Sutter Teil eines Auswandererstroms aus Europa war, der schon vor dem Goldrausch einsetzte. Breiten Raum nimmt denn auch die Schilderung der Durchquerung Amerikas mit Ochs und Wagen ein.

Natürlich geht Helen Liebendörfer auch auf den Niedergang Neu-Helvetiens ein. Dabei zeigt sie uns Sutter weniger als tragischen Helden denn – und darin folgt sie der Sicht ehemaliger Geschäftspartner Sutters – als einen dem Alkohol zusprechenden Selbstdarsteller, der nicht immer mit beiden Füssen auf dem Boden der ökonomischen Realität stand.
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Helen Liebendörfer: «Hansdampf in allen Gassen. Die Abenteuer von General J. A. Sutter». Historischer Roman. Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2016.

Konversation

  1. Teufel auch, immer diese Säufer in Amerkika.

    Auch ich „spreche“ (hin und wieder) „dem Alkohole zu“. Indes – Es wird mir keine Warnung sein.

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