Durch die gleiche Mauer

Beim achten Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis Waaghof in Basel durchbrachen die drei Flüchtigen die gleiche Aussenwand, die schon 2003 geknackt worden war.

Jörg Degen, Leiter des Basler Waaghof-Untersuchungsgefängnisses zeigt anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums 2005 die Sicherheitseinrichtungen in einem Spazierhof. (Bild: Markus Stuecklin / keystone)

Ein Loch in seiner Decke liess einen Nachbarn des Waaghofgefängnisses Alarm schlagen: Er war der erste, der die Flucht der Untersuchungshäftlinge – durch eine Mauer ins Nachbarhaus und dort durch die Decke und seine Wohnung – bemerkte.

Das Untersuchungefängnis Waaghof an der Binningerstrasse ist seit seiner Inbetriebnahme 1995 immer wieder saniert, verbessert und geflickt worden. Genützt scheint es nicht viel zu haben: Acht Ausbrüche in zwölf Jahren sind keine besonders gute Bilanz für ein modernes Gefängnis.

«Inzwischen zeigt sich, dass der Standort für ein Gefängnis nicht ideal ist», sagt Klaus Mannhart, Sprecher der Sicherheitsdirektion: Denn auch wenn es «kein ausbruchsicheres Gefängnis geben kann», wie nach jedem einzelnen der acht Ausbrüche seit Eröffnung des Baus 1995 betont wurde: «Inmitten der Stadt lassen sich keine Zäune, Mauern und Flutlichtanlagen rund um das Gefängnis bauen.»

Durch die gleiche Mauer

Dennoch wirft auch der jüngste Ausbruch Fragen auf: Immerhin sind die beiden Flüchtigen durch just jene Backsteinmauer ins Anliegerhaus durchgebrochen, die schon 2003 von zwei Häftlingen mit «Kratzwerkzeugen» in offensichtlich langer Arbeitszeit durchbrochen worden war. Wie damals sind die Flüchtigen ins angrenzende Haus eingedrungen und dort durch eine Zwischendecke in eine Wohnung durchgebrochen, aus der sie ins Freie gelangten.

Pikantes Detail: Den Ausbruch entdeckt und gemeldet hat der Inhaber dieser Wohnung, der nach seiner Heimkehr das Loch in der zur Zeit des Ausbruchs leeren Wohnung entdeckte. Im Gefängnis selber gebe es keine ununterbrochene Überwachung, sagt Mannhart. Schon die Kommission, die 2004 den Bau unter die Lupe nahm, bemängelte, dass nicht einmal in den Zellen mit einem Blick durch die Türe feststellbar sei, ob die Insassen noch drin seien – und das ganz bewusst: Denn auch in Untersuchungshaft gibt es einen Anspruch auf Privatsphäre.

Die Methoden, aus dem Waaghof zu entkommen, sind vielfältig: Einmal setzten sich Insassen über ein Flachdach ab, ein anderes Mal aus einem Fenster, dann über ein Baugerüst. Zweimal gelang die Flucht mit Durchbrüchen durch die Backsteinwand zum angrenzenden Gebäude, einmal wuchteten die Ausbrecher ein Fenster auf und seilten sich ganz klassisch  mit Leintüchern ab. Und mindestens einmal ist ein Untersuchungshäftling einfach davonspaziert.

Alarmanlage abgestellt

Begünstigt wurden die Fluchten aber auch durch bauliche Missstände wie die schwache Backsteinmauer, rostende Fenster und obendrauf eine Alarmanlage, deren empfindliche Sensoren bis zu zwanzig Fehlalarme aufgrund von Katzen und Vögeln ausgelöst hatten – worauf sie abgeschaltet wurde (heute aber saniert und in Betrieb sei, wie Mannhart betont). Der Waaghof-Bau war ausserdem auch betroffen von einem Einbruch. Damals, an Weihnachten 1996, brach ein Mann in die Räume der Staatsanwaltschaft ein und stahl mindestens eine Waffe. Auf der weiteren Flucht erschoss er damit einen Bahnarbeiter.

Der Waaghof hat von Anfang an Zusatzkosten verursacht. So kostete der Bau 30 Prozent mehr als budgetiert. Die seither durchgeführten Sanierungen (Fensterersatz und Sicherheitsmassnahmen 1998 für 1,6 Millionen Franken, Anpassung und Sanierung Sicherheitskonzept 2005 für 3,8 Millionen, Fensterrahmen 2011 für 1,3 Millionen) haben mit weiteren Millionen zu Buche geschlagen.

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