Ein Kleber soll das Gewerbe retten

Sieben unabhängige Geschäfte sagen dem Lädeli-Sterben mit einem Label den Kampf an. In Deutschland ist Buy-Local bereits verbreitet.

Sieben unabhängige Geschäfte sagen dem Lädeli-Sterben mit einem Label den Kampf an. In Deutschland ist Buy-Local bereits verbreitet.

Steigende Mieten, Preisdruck und Online-Handel: Viele unabhängige Geschäfte in der Region kämpfen ums Überleben. Der Druck auf die Geschäfte wächst seit Jahren, die Klagen waren und sind entsprechend gross. Genug vom Jammern haben nun sieben Ladenbetreiber aus der Region, sie haben sich zum Verein Buy-Local zusammengeschlossen und lancieren ein gleichnamiges Label für unabhängige Geschäfte in der Region.

Das Ziel des Vereins ist – getreu dem Motto «gemeinsam ist man stärker» – ein Netzwerk von kleinen Geschäften. Wer mitmacht, profitiert von gemeinsamen Aktionen, Werbung und Empfehlungen der anderen Mitglieder. «Einer allein kann nicht so viel Geld für Werbung aufbringen, gemeinsam lässt sich aber viel mehr Aufmerksamkeit erreichen», sagt Maya Itin, Genossenschafterin beim Buchladen Rapunzel in Liestal und Mitglied der Kerngruppe des Vereins.

Finanziert werden sollen die Werbematerialien und Aktionen aus der Vereinskasse, die durch die Mitgliederbeiträge gespeist wird. Die Mitglieder erhalten dafür neben Zugang zum Netzwerk auch ein Label: Buy-Local. Der Verein vergleicht es mit einem Bio-Label.

In Franken lässt sich der Erfolg nicht messen.

Buy-Local verpflichtet die Ladenbesitzer zu den Qualitätsmerkmalen des Vereins. Der Kunde erhalte im Gegenzug die Garantie, dass er seine Stadt, sein Dorf und das lokale Gewerbe unterstützt, sagt Nathalie Steinle, Inhaberin des Interieur-Geschäfts Purpur in Basel und ebenfalls Mitglied der Kerngruppe.

Woher das Produkt stammt, steht dabei nicht im Vordergrund, sagt Itin: «Bücher werden beispielsweise nicht in der Region produziert, der Buchladen schafft dennoch Arbeitsplätze vor Ort im Gegensatz zum Internet-Versandhandel.» Es gehe darum, dass die Kunden dafür sensibilisiert werden, was die kleinen Geschäfte für die Region tun, ergänzt Steinle. Das Logo, das als Kleber an die Schaufenster der Mitglieder-Geschäfte kommen wird, soll das Bewusstsein dafür stärken. «Wir wollen den Wert des Einkaufens in den Vordergrund stellen und nicht den Preis des Produktes», sagt Steinle.

Leere Schaufenster

Die aktuellen Mitglieder von Buy-Local sind zurzeit fünf Buchläden und zwei Interieur-­Geschäfte, der Verein steht aber allen unabhängigen Geschäftsbesitzern offen – dem Metzger in Allschwil und dem Lampenladen in Sissach ebenso wie dem Schuhladen in der ­Innenstadt. «Unser Fernziel ist, dass dem Verein Läden aus der ganzen Schweiz beitreten», sagt Itin. Nun gilt es aber erst mal, die Geschäfte in der Region von der Kooperation zu überzeugen. «Schwierig ist das bisher nicht», sagt Steinle, «wir sind ja unterwegs und sprechen mit anderen Ladenbesitzern. Bisher kommt die Idee gut an.» Der offizielle Start findet am 12. Februar mit einer Informationsveranstaltung statt.

Die Idee zu Buy-Local hatte Isa­belle Hof von der Buchhandlung Ganzoni in der Spalenvorstadt. Ganz neu ist sie nicht, Hof hat sich vielmehr von ähnlichen Netzwerken in den USA (einen ausführlichen Bericht zur Situation in den Staaten finden Sie auf der Rückseite dieses Artikels, es ist ein Artikel aus dem «buch.report Magazin» zum Thema) und Deutschland inspirieren lassen, wo das Label bereits im Einsatz steht. Und der deutsche Verein «Buy Local» hat bereits öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt, was passiert, wenn die Kunden nicht das einheimische Gewerbe berücksichtigen: In mehreren Grossstädten liessen sie zeitgleich die Schaufenster verhüllen. Zu sehen gab es – nichts.

In mehreren Grossstädten liess der deutsche Verein «Buy Local» zeitgleich die Schaufenster verhüllen. Zu sehen gab es – nichts.

Zwar lässt Aufmerksamkeit in der Regel auch die Kasse klingeln, dennoch lässt sich der Erfolg des Netzwerks nicht am Umsatz messen, sagt Irimbert Kastl, Inhaber der Buchhandlung Müller in Weil am Rhein und Mitglied der ersten Stunde bei Buy-Local. Einige Geschäfte vermelden aber auch Umsatzanstiege, sagt Ilona Schönle, Presseverantwortliche bei Buylocal-Deutschland. Sicher sei aber: «Die Kunden nehmen das Engagement positiv auf.»

Und genau das gefällt auch Kastl. Es gehe ums Prinzip hinter dem Verein mit bereits rund 400 Mitgliedern in ganz Deutschland, sagt der Buchhändler: «Günstig einen Staubsauger im Internet kaufen kann jeder, aber wenn der mal nicht funktioniert, kann man ihn eben nicht auf den Computer legen, und er repariert sich.» Die Leute vergessen, dass die Läden im eigenen Dorf nicht überleben können, wenn sie nicht berücksichtigt werden. «Wer Dienstleistungen ge­niessen will, muss Sorge zu ihnen tragen.» Und genau für diesen Punkt versucht der Verein zu sensibilisieren.

Was ist Buylocal? Das Erklär-Video:

Ähnlich klingt es bei den bisherigen Mitgliedern des Schweizer Buy-Local bei der Frage nach den Erfolgschancen: «Vielleicht wird der Erfolg nicht in Umsatzzahlen messbar sein», sagt Itin, «aber das Ganze beschwingt einen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl, und man merkt, dass man nicht die Einzige ist, die kämpfen muss, um zu ­bestehen.»

Auf jeden Fall ist es aber auch ein Zeichen, sagt Itin, dass man nicht ­stehen bleibe, und das sei gerade für kleine Geschäfte wichtig, die um Aufmerksamkeit und Kunden kämpfen müssen. Oder wie es Steinle sagt: «Man kann jammern, aber man kann auch Stopp sagen und etwas gegen das Lädelisterben tun. Das ist unser Versuch.»

Letztlich bleibt aber nur eine Frage: Gehört der unabhängige Buchhändler in Lörrach nicht auch zur Region? Ein Steilpass für unsere Wochendebatte zur Frage: Schadet der Einkaufstourismus dem lokalen Gewerbe? Es diskutieren Gewerbedirektor Gabriel Barell und der Journalist und Einkaufstourist Gerd Löhrer.

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Für Geschäftsinhaber, die mitmachen wollen:
«Buy Local» veranstaltet einen Informationsabend am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 19.30 Uhr im Unternehmen Mitte, Salon im 1. Stock. Moderation: Roger Ehret. Die Organisatoren bitten um Anmeldung.
Wer das Projekt unterstützen will, aber keinen Laden hat, kann dies auch als Gönner tun. Mehr Infos zum Label, Gönnerschaften und dem Verein unter: buy-local.ch

Die bisherigen Mitglieder von Buy Local:

buecherganzoni.ch Für Leute, die lesen und auslesen
buecherwurm.ch
Die Buchhandlung mit den Spezialgebieten China, Japan und Märchen
livingroom-basel.ch
Exklusive Möbel, Wohnaccessoires und Schmuck
purpur-basel.ch
Orientalisches Interieur, Deko, Musik & vieles mehr!
buchhandlung-reinach.ch
Die Buchhandlung in der Stadt vor der Stadt!
rapunzel-liestal.ch
Ihre Buchhandlung am Bahnhof Liestal
bbvv.ch/annemariepfister
Wir kennen uns aus in verlagsneuen und antiquarischen Büchern!

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 07.02.14

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