Ein letzter Sturm vor der Ruhe

Am Samstag feierten ehemalige und aktuelle Kunst-Studierende mit DozentInnen ein letztes Mal im Kleinbasel. Les Reines Prochaines sangen, es wurde getanzt, geschwelgt und gefeiert.

Pulfer-Kult, erstes Beispiel. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Rauschender Abschied vom Baerwart-Schulhaus und Institutsleiter René Pulfer: Am Samstag feierten ehemalige und aktuelle Kunst-Studierende mit DozentInnen ein letztes Mal im Kleinbasel. Les Reines Prochaines sangen, es wurde getanzt, geschwelgt und gefeiert.

Ein letztes Aufbäumen, ein letzter Sturm vor der Ruhe: Am Samstag verwandelte sich das Theobald-Baerwart-Schulhaus am Kleinbasler Rheinufer noch einmal in ein vitales Zentrum der Künste, ehe der Trakt geräumt wurde, und die Kunst-Hochschule die Schlüssel bald für immer abgibt: Künftig werden Studierende in freier Kunst – von Malerei über Performance bis elektronische Medien – auf dem Dreispitz unterrichtet.

Es war kein Abbruchfest, denn das Schulhaus wird von der Stadt weitergenutzt, aber dennoch eine rauschende Party. Immerhin markierte die Nacht das Ende einer Ära. Auch weil Institutsleiter René Pulfer, der hier fast 30 Jahre lang wirkte, in Pension geht (worüber wir bereits berichtet haben). Ihm zu Ehren haben Studierende und Mitarbeiter ein Überraschungsprogramm auf die Beine gestellt, das für ihn in der Post-Bar begann, der Zwischennutzung auf Grossbasler Seite (wo mit Jeanny Messerli eine ehemalige Studentin seiner Fachhochschule wirtet).

Galionsfiguren nehmen Abschied – und Les Reines Prochaines sind königinnenlich

Mit der Fähre überquerten Pulfer und sein Dozententross den Rhein, wo sie um 20 Uhr mit einer Performance empfangen wurden: Da schwebte eine menschliche Galionsfigur auf dem Schulhaus-Vordach, da drangen Visuals aus den Parterre-Fenstern und flogen Papierflieger hernieder. Wirkungsvoll. Schön. Im Filmsaal, der Aula, erinnerten Wegbegleiter wie Reinhard Manz an die Debütwerke in Pulfers Spezialgebiet, der Film- und Videokunst. «Le Gros et le Maigre» wurde auf die Leinwand projiziert, ein Kurzfilm von Roman Polanski, aus der Zeit vor seinem Durchbruch. «Denn eine Kunsthochschule steht immer auch für Frühwerke», wie Manz treffend den Vergleich zog.

In Basel waren sich auch Kunst und Musik immer recht nahe, gingen doch einige namhafte Bands aus dem HGK-Umfeld hervor – The bianca Story, um ein aktuelleres Beispiel zu nennen, aber auch Les Reines Prochaines, die den offiziellen Festakt mit einem Konzert abrundeten. Vor 25 Jahren wurde die Frauenband an dieser Schule gegründet – und mit Muda Mathis arbeitet heute eine von ihnen hier als Kunst-Dozentin. Das Quartett unterhielt mit seinem wunderbaren Witz. Und Fränzi Madörin kokettierte herrlich auf der Bühne, als sie sagte, dass sie sich eigens für den Abend ein neues Kleid gekauft habe. Nicht alles Neue müsse also schlecht sein, betonte sie – und spielte auf den anstehenden Schulhaus-Wechsel an, vom schönen alten Haus in die leicht nüchterne Atmo auf dem Dreispitz, womit sich nicht alle leicht tun am Institut Kunst.

Pipolotti Rist sang aus den Zuschauerreihen mit

Rund 150 geladene Gäste und Alumni verfolgten den Auftritt der Reines Prochaines, darunter auch Pipilotti Rist. Sie sang aus den Zuschauerreihen zu einigen Reines-Klassikern mit und kredenzte ihren einstigen Band-Weggefährtinnen grossen Applaus – zu einem Rencontre auf der Bühne, was manche vermutet hatten, kam es aber nicht. Tempi passati.

Über vergangene Zeiten tauschte man sich später aus, bei Getränken, Essen, Musik, Konzerten, Performances und Installationen. Pulfer hatte sich gewünscht, dass man sich mit den eigenen Kräften und Talenten vom Schulhaus verabschieden würde. Genau das setzten Studierende und DozentInnen in die Tat um, wie auch unsere Bildstrecke verdeutlicht. Eine schöne Nacht. Eine bunte Nacht. Eine letzte im Baerwart-Schulhaus.

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