Ein Lob der Jugend

Sie sind dazwischen und mittendrin. Nicht mehr Kind, noch nicht erwachsen – mitten im Leben. Wir haben mit fünf Jugendlichen geredet, es war eine Freude.

Bilderrahmen (Bild: Fonzi)

Sie sind dazwischen und mittendrin. Nicht mehr Kind, noch nicht erwachsen – mitten im Leben. Fünf Jugendliche erzählen, was sie beschäftigt.

In ein paar Jahren werden sie unsere Welt gestalten, von den heute Jugendlichen werden wir abhängig sein, wenn wir alt und müde sind. Kein Wunder, beobachten wir diese Altersgruppe stets besonders genau. Doch weshalb immer so misstrauisch? Warum fällt das Urteil immer so negativ aus? Und zwar seit jeher. Zumindest ist bekannt, dass vor Urzeiten schon ein alter missmutiger Grieche über die Jugend gestänkert hat. Trotzdem glaubt jede Generation von Erwachsenen, sie habe die schlimmste Jugend aller Zeiten. Was für ein Unsinn.

Selbstverständlich gibt es Jugendliche, die über die Stränge hauen, Mist bauen. Ja, es gibt solche, die andere zusammenschlagen und bestehlen. Genauso wie es Erwachsene gibt, die lügen und betrügen, morden und vergewaltigen, Kriege anzetteln. Soll man deswegen die ganze Menschheit verteufeln? Man muss nicht die Augen vor der Wirklichkeit verschlies­sen, aber wer nur noch Jammer und Elend in der Welt erblickt, übersieht so manches Schöne.

Junge Menschen zum Beispiel, die voller Ideen und Pläne sind, voller Hoffnungen und Träume. In der Schweiz leben knapp acht Millionen Menschen, rund ein Fünftel davon ist unter zwanzig Jahre alt, Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19. Die meisten dieser Jugendlichen sind freundlich und fleissig. Es gibt sogar Studien, denen zufolge die heutige Jugend braver und angepasster sein soll als je. So etwa das Jugendbarometer 2011, das das Meinungsforschungsinstitut gfs Bern im Auftrag der Credit Suisse erstellt hat. Es kommt zum Schluss, dass die Mehrheit der Schweizer Jugendlichen stark auf traditionelle Werte fixiert ist: auf verlässliche Freunde, eine gute Partnerschaft, ein glückliches Familienleben. Aber auch auf Ehrlichkeit und Treue, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz.

Einst Rebellen, heute Spiesser

Und was passierte nach Bekanntgabe dieses Resultats? Die heutige Jugend sei langweilig, so der Tenor von manchen Experten und Medien. Es mag sein, dass sich diese Jugend mehr Sorgen um ihre berufliche Zukunft macht als die Generation, die während der Hochkonjunktur jung war. Es ist möglich, dass die damalige Jugend etwas rebellischer war als die heutige. Aber erstens verklärt man die eigene Jugend rückblickend immer gerne, und zweitens haben sich viele der ehemals grossen Rebellen in die schlimmsten Spiessbürger verwandelt. Und das ist es schliesslich, worauf es ankommt: auf das Ergebnis. Denn die Jugend hat das Privileg zu träumen, etwas auszuprobieren, Fehler zu machen.

Wir haben fünf – mehr oder weniger zufällig ausgewählte – Jugendliche getroffen und mit ihnen über Gott und die Welt gesprochen. Es war eine Freude: Wir lernten fünf junge Menschen kennen, die so offen über sich und ihre Vorstellungen über das Leben erzählten – sie haben unseren Respekt verdient.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 06.04.12

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