Einspruch gegen «Rheinhattan»

Das «Regionaljournal Basel-Stadt/Baselland» hatte zum Stadtgespräch ins Hotels «Trois Rois» geladen. Thema war die Entwicklungsvision «3Land». Lautstarke Interventionen von «Rheinhattan»-Gegnern erzwangen einen 20-minütigen Unterbruch der Veranstaltung.

Auf der Klybeckinsel soll ein neues Quartier entstehen. Das passt vielen nicht. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Das «Regionaljournal Basel-Stadt/Baselland» hatte zum Stadtgespräch ins Hotels «Trois Rois» geladen. Thema war die Entwicklungsvision «3Land». Lautstarke Interventionen von «Rheinhattan»-Gegnern erzwangen einen 20-minütigen Unterbruch der Veranstaltung.

Kurz nach 20 Uhr richtet Moderator Gaudenz Wacker vom «Regionaljournal Basel-Stadt/Baselland» im Hotel «Trois Rois» seine Einstiegsfrage an Thomas Waltert, den Projektleiter «3Land» im Bau- und Verkehrsdepartement. «Dass dort im Hafen ein riesiges Gebiet frei wird, das ist vermutlich der Wunschtraum jedes Planers?» Aber antworten kann dieser nicht mehr. Denn statt Waltert ergreifen aus dem Publikum unaufgefordert und lauthals gleich mehrere Zwischenrufer das Wort und verlangen den sofortigen Abbruch der Veranstaltung. «Das ist keine Kommunikation, die hier stattfindet», ist zu hören. Dafür ernten sie lange anhaltenden Applaus von Gleichgesinnten. Sie lassen sich vom Moderator auch nicht vertrösten auf den zweiten Teil der Diskussionsrunde, der für Publikumsfragen reserviert sei, wie Wacker erklärt.

Die Situation spitzt sich zu. Und kaum hat die Direktübertragung der Veranstaltung begonnen auf DRS4, muss Wacker darum die Regie bitten, Musik einzuspielen. So blieb dem Publikum am Montagabend daheim an den Radios leider verborgen, was die nächsten rund 20 Minuten im «Belle»-Epoque-Saal vor sich ging.

Kurz vor 20.30 Uhr schaltete DRS4 vom Musikteppich schliesslich wieder ins «Trois Rois». Und Wacker begann die Diskussion nochmals von vorn. Erst waren noch ein paar Störgeräusche zu hören, die aber bald verebbten. Offenbar zogen die rund 20 Personen, die gegen die Veranstaltung protestiert hatten, dann ab – und der Rest des Abends verlief nach Programm. Ärgerlich für die Daheimgebliebenen: Die Liveübertragung endete bereits um 21 Uhr. Vor Ort dauerte der Anlass noch fast eine Stunde länger.

Quartierbevölkerung werde nicht miteinbezogen

Mit «3Land»-Projektleiter Thomas Waltert, dem Urbanisten Philippe Cabane, Co-Autor der Entwicklungsvision «3Land», dem Architekten Ingemar Vollenweider und Tonja Zücher von der Begleitgruppe Hafenentwicklung und der «IG Greenhattan» sass grundsätzlich eine interessante und sachkompetente Runde zusammen.

Philippe Cabane verteidigte das Projekt fast schon flehentlich damit, dass es primär als Vorschlag zu lesen sei. Jetzt sei es an der Politik, dafür zu sorgen, dass die interessantesten Akteure und Investoren bei der Umsetzung zum Zuge kämen.

Tonja Zürcher, Anwohnerin und Vertreterin einer genossenschaftlichen und grünen Vision für die Entwicklung dieser Ecke von Basel, erinnerte mehrfach daran, dass jede tiefgreifende Veränderung, wie es die Neugestaltung der Klybeckinsel ist, Auswirkungen ringsum nach sich ziehen werde. Und dass bisher noch kaum mit Menschen aus dem Quartier diskutiert worden sei, was denn deren Wünsche und Vorstellungen seien für diesen angedachten neuen Stadtteil, direkt vor ihrer Haustüre.

Widerstand zu früh

Thomas Waltert versprach, mit den bis hierhin erarbeiteten Plänen und Vorstellungen auf Regierung und Grossen Rat zuzugehen, um die offenen Fragen einer Antwort näher zu bringen. Insbesondere: Welche Nutzung konkret vorzusehen sei und was sich dann daraus für verkehrsplanerische Konsequenzen ergeben. Angesprochen auf den lautstarken Widerstand am Beginn der Veranstaltung, meinte er, dieser komme eigentlich zu früh. «Wir müssen versuchen, diese Leute anzuhören und mit ins Boot zu nehmen! Wir werden das nicht bei allen schaffen, aber alle sind eingeladen.»

In einem nach der Veranstaltung verbreiteten Communiqué (siehe Hintergrund zum Artikel) begründete der Personenkreis, der sie zu Beginn lauthals verhindern wollte, ihren Protest: «Solche Veranstaltungen dienen dazu, das Projekt möglichst attraktiv darzustellen und um andererseits im Nachhinein behaupten zu können, die Kritik sei mit einbezogen worden.» Die an solchen Anlässen vorgebrachten Argumente seien stets dieselben. Es solle eine «Aufwertung» stattfinden, um die «Lebensqualität» zu steigern. Und es gehe bei der Planung vor allem um «gute Steuerzahler» und «attraktiven Wohnraum». Die tatsächliche Folge sei für viele, dass sie aus ihrem Quartier verdrängt würden. «Aber wohin, wenn man bereits im Klybeck, dem so genannt ‚vergessenen Quartier‘ Basels, wohnt? Ins Elsass?»

Die Aufnahme der ganzen Diskussion ist auf der Website des «Regionaljournals» zu finden.

Konversation

  1. Jawoll, ob linksextrem oder Rechtsextrem, es ist das gleiche. Ausser die Linken sind gefährlicher. Da verschanzen sich die in ihren Hängematten und machen dem Leistungsträger das Leben schwer, der einfach nur ein schönes Loft sucht. Diese Egomanen, stehen der Wertschöpfung nur im Weg! Da rege ich mich so auf, das ich beinahe vom Stammtisch aufstehe und die Faust aus dem Sack nehme!

    Danke Empfehlen (0 )
  2. In der Debatte um „Rheinhattan“ scheinen sich Dinge fatal zu mischen, die am Ende zu einem Resultat führen werden das keiner wirklich wollte!

    1) Kein Ort bleibt wie er war allein dadurch dass man „nichts verändert“! Es gibt doch gewiss praktisch NIEMANDEN der nicht auf den Ort seiner Kindheit zurückschauen kann und sagen muss: Es ist nichts mehr so wie es damals war! Und gerade Stadtquartiere, die eine Zeit lang sehr „interessant“ wirken, voller Kultur- und jungem (Studenten-)Leben, sind ja eigentlich in einem „Zustand des leichten Verfalls“. Irgendwann wird dieser aber entweder derart zunehmen dass es einfach nicht mehr lebbar ist – oder jemand investiert neu, „wertet das Quartier auf“ – und alle schreien „Gentrifizierung“ usw. Nur eins ist unmöglich: das die Dinge BLEIBEN wie sie einmal waren! (Sogar wir selber werden älter… 😉 )

    2) Was die „Profitgier“ anbelangt so ist das natürlich eine Systemfrage: Ist es wirklich – grundsätzlich! – richtig dass Boden an und für sich Privatbesitz sein kann – und nicht nur mit irgendwelchen Nutzungs-Rechtstiteln „verliehen“? Letztlich ist es doch der teure Boden, der hohe Mieten zwingend macht – die wiederum aber nur bezahlt werden wenn auch noch eine komfortable Wohnung auf dem Land steht: sozusagen ein „Zwang zum Luxus“ allein durch unser System der Bodenpreisbildung! (Und nicht vergessen: die „Profit-Geier“ sind wir – per Gesetz! – zum guten Teil selber, da ja unsere Pensionskassengelder irgendwo „arbeiten“ müssen.)

    Beide Punkte sind nicht sehr spezifisch für das Rheinhattan-Projekt – aber beide machen eine irgendwie konstruktive Projektführung beinahe unmöglich.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Wer die hitzigen Reaktionen auf das wie ein Poseidon-Dreizack aus dem Rhein aufgetauchte Hochhausmodell auf der noch unsichtbaren Rheininsel verfolgt hat, den muss es eigentlich wundern, dass die Fortsetzung der Debatte nun ausgerechnet im Nobelhotel Trois Rois angesetzt wurde. Auch mit dieser „Visualisierung“ werden die Befürchtungen einer abgehobenen Stadtplanung genährt. Diesmal ist aber wohl eher der Veranstalter schuld, der nun auf indirektem Weg eine besondere Beachtung seines Regionaljournals erfahren hat. Dank dem frühzeitig angesetzten Mitwirkungsverfahren ist auch in den direkt betroffenen Quartieren eine intensive und kontroverse Diskussion über die Entwicklung dieses vernachlässigten Stadtgebietes in Gang gekommen. Der Verwaltung kann wegen fehlender Gesprächsbereitschaft kein Vorwurf gemacht werden. Es ist zu hoffen, dass sich auch die Politik ihrer Aufgabe bewusst ist und dem drohenden Misstrauen gegen eine einseitige Stadtentwicklung durch offene Planungsprozesse zu begegnen.

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Schon ziemlich egomanisch, die Haltung der selbsternannten Vertreter des Quartiers. Wer von denjenigen, die eine Diskussion nicht zulassen wollen und diese torpedieren, sind da wirklich aufgewachsen im Klybeck, zur Schule gegangen? Und hat mitbekommen, dass ungleiche Bildungschancen in der Primarschule seine Ursache in der fehlenden Durchmischung eines Quartiers hat. Ich weiss das, bin da aufgewachsen. Aber es gibt da unten auch Salon-Linke, die kommen aus guten bürgerlichen Verhältnissen und spielen den Gesellschafts-Revoluzzer mit Hängematte. Und verhalten sich wie die SVP, die sich auch gegen Durchmischung wehrt, einfach in umgekehrtem Sinn. Was ist das für ein Motto? Man hat seine Wohnung, aber der/diejenige, die auch eine sucht, den/die wollen wir nicht. Les extrèmes se touchent auf der Polit-Skala.

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Ich kann die Reaktion dieser Menschen absolut verstehen. Es ist brutal, wenn man durch aufwertung aus einem Quartier vertrieben wird/wurde in dem man Aufgewachsen ist oder schon sehr lange Lebt. Es geht dabei ein grosses Stück Identität verloren. Hilflos muss man dabei zusehen wie einem die Heimat genommen wird, nur um die Profitgier von Stadt, Architekten und Immbilienbesitzern zu befriedigen. Und wer all das durchgemacht hat, empfindet es Hohn und Spott, wenn in einem solch dekadentem Saal Menschen über Stadtentwicklung debattieren sollen, die entweder noch nie von Gentrifizierung betroffen waren oder dafür selbst verantwortlich und schon garnicht alt eingesessene oder in solchen Quartieren aufgewachsen sind.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (5)

Nächster Artikel