Es ist Kunst und muss wieder weg

Im Projektraum «F A K T», neben der Markthalle, hat am 1. Juli ein neues Kunstprojekt begonnen. Der Schweizer Künstler Ata «Toast» Bozaci hat innert wenigen Tagen eine 4 mal 25 Meter grosse Wand gestaltet.

«Loosing. Eyes open» von Ata «Toast» Bozaci (Bild: Nils Fisch)

Im Projektraum «F A K T», neben der Markthalle, hat am 1. Juli ein neues Kunstprojekt begonnen. Der Schweizer Künstler Ata «Toast» Bozaci hat innert wenigen Tagen eine 4 mal 25 Meter grosse Wand gestaltet.

«F A K T» verstehe sich als Projektraum, sagt Dominik Hunger. Er ist unter anderem für die Inszenierung der Rückwand verantwortlich. «Wir verbinden Kunst, Musik und ein gastronomisches Angebot miteinander. Mit Letzterem finanzieren wir uns.» Wir – das ist ein Team von vier Leuten, die den Projektraum betreiben. Beim aktuellen Kunstprojekt war Hunger einer der Initiatoren. Die Künstler, die alle vier Wochen die Wand gestalten, wählte er aus. Zu Ata «Toast» Bozaci, der sich als Street-Art- Künstler einen Namen gemacht hat, sagt er: «Er ist stark in der Malerei – figurativ hat er einen unverkennbaren Stil.»

Ausschlaggebend für Ata «Toast» Bozaci mitzuwirken ist gewesen, dass «F A K T» kein kommerzielles Projekt sei. «Mir gefiel, dass ich eine derart grosse Fläche bespielen durfte.»

Dass die Wand nach vier Wochen für den nächsten Künstler wieder weiss gestrichen wird, betrübt ihn nicht: «Ich sehe das als Prozess, wie im Leben. Ich finde es interessant, dass sich eine Abwechslung ereignet.»

Boxen als Thema

«Einerseits», sagt Bozaci, «verfolge ich räumliches Gestalten mit Figuren. Dabei ist Boxen das dominierende Thema: Gewinner und Verlierer, aber auch die Beziehung zwischen Boxern. Andererseits gestalte ich von Graffitis abgeleitete Skulpturen, die ich unter dem Namen «Toast» geschaffen habe.» Er versuche neue Wege zu gehen in Bezug auf Graffiti und Dreidimensionalität, sagt er.

Das jetzige Projekt ist ein Portrait aus Bozacis Boxer-Serie. Er hat vor allem mit Spraydosen gearbeitet. «Zu Beginn wusste ich noch nicht, wie das Gesicht aussehen wird. So ein Gesicht entsteht während dem Prozess.» Manchmal habe er Ideen von früheren Zeichnungen im Kopf.

Das Motiv des Boxens beschäftigt ihn, seit seine Freundin boxt und ihn an diese Welt heranführte. «Dort habe ich die Gesichter nach einem Kampf beobachtet: das Erlöste, das Frustrierte, das Adrenalin, den Glanz in den Augen – Zufriedenheit, aber gleichzeitig eine gewisse Angeschlagenheit. Das versuche ich auch mit den Bildern zu vermitteln.»

Kunst muss etwas ausdrücken

Das im «F A K T» entstandene Wandbild heisst «Loosing. Eyes open» – hierbei handelt es sich offenbar nicht um einen Sieger. Drei Tage hat Bozaci bisher an seinem Werk gearbeitet. Er lasse bei einem Projekt immer auch Raum für Zufall. Manchmal, so sagt er, müsse man eine gewisse Distanz dazu bekommen, um Fehler zu bemerken. Realitätsnahes Abbilden sei allerdings nicht sein Bestreben: «Das Ziel ist es, auf den Ausdruck zu achten. Bei einer Zeichnung ist eine spannende Linienführung ausschlaggebend. Ich finde es interessanter, wenn Einiges offen gelassen wird. Das Bild soll eine Vorgeschichte erzählen und an etwas heranführen.»

Angesprochen darauf, ob man als Künstler jemals das Ziel, das man sich gesetzt hat, erreicht, meint Bozaci: «Ich denke nicht – dafür ist das Leben in der Regel zu kurz. Man kann beispielsweise eine Idee für ein grosses Projekt festhalten, aber die Umsetzung selbst kann ewig lange dauern.» Die Kunst sei es, im richtigen Moment aufhören zu können und im richtigen Moment anzufangen.

Vernissage von Ata «Toast» Bozaci ist am Freitag, 6. Juli 2012, um 19 Uhr im «F A K T» an der Viaduktstrasse 10 in Basel.

 

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