Finger weg vom Landhof!

Nach der Umzonung des ehemaligen Sportstadions geht das Geknorze weiter: Oberirdisch soll das Areal «aufgewertet» werden, unterirdisch Rendite abwerfen. Der Autor und Anwohner findet: Finger weg von diesem Stück Lebensqualität!

(Bild: Nils Fisch)

Am Morgen klopft der Specht, Jogger drehen ihre Runden, in der Mittagspause suchen Arbeiter auf der Stehrampe die Sonne. Nachmittags streifen Kinder über die ehemalige Sportanlage, gegen Abend wird Fussball gespielt, Frisbee, Rugby. Pfadfinder haben hier ihr Lokal, gegärtnert wird ebenfalls, und während der EM finden Public Viewings auf der Tribüne statt.

Der Landhof liegt nicht im Dornröschenschlaf, wie oft behauptet wird, er lebt: Ich weiss das, weil ich jeden Tag von meinem Balkon aus sehe, wie Menschen – Anwohner wie Besucher – den Freiraum mit ihrem Bewegungsdrang und ihren Ideen füllen. Das Areal ist eine grüne Lunge im Wettsteinquartier, die umgeben von Verkehr und Grossbaustellenlärm Sauerstoff und Ruhe atmet.

Gras drüber

Geht es nach dem Willen der Basler Regierung, soll der Landhof aber spätestens ab 2019 abgestandene Parking-Luft ausdünsten. Zwar wurde das Areal 2010 nach der Annahme der Volksinitiative «Der Landhof bleibt grün!» in eine Grünzone umgewandelt, aber diese hört offenbar kurz unter der Grasnarbe auf.

Das Bau- und Verkehrsdepartement sucht nach einem privaten Investor, der eine Einstellhalle für 200 Autos bauen und betreiben soll – exklusiv «für die Anwohnerschaft», wie es in der Mitteilung heisst: Die Nachfrage nach Parkraum habe in den letzten Jahren markant zugenommen, insbesondere in der Zeit zwischen 7 und 9 Uhr morgens, «da viele Anwohnende noch nicht zur Arbeit gefahren, Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher der umliegenden Firmen aber bereits auf Parkplatzsuche im Quartier sind». Auf eine oberirdische Kompensation der neu erstellten Parkplätze werde verzichtet.




Diese Dimensionen soll das geplante Parking unter dem Landhof haben (rot), das Kreuz bezeichnet die Stelle, an der sich der Autor über die künftigen Autos ärgert. (© Bau- und Verkehrsdepartement Tiefbauamt Basel-Stadt)

Mit anderen Worten: Die Quartierbewohner sollen sich in den Untergrund verziehen, damit die pendelnden Roche-Mitarbeiter nicht lange suchen und laufen müssen. Die Ausbaupläne des Pharma-Riesen werden mittelfristig bis zu 3000 Mitarbeitende mehr ins Wettsteinquartier bringen, was sich keineswegs in den von Roche geplanten Parkplatzzahlen spiegelt: Diese liegen deutlich unter dem Maximum, das laut der Basler Parkplatz-Verordnung zulässig wäre. Eine Einstellhalle unter dem firmeneigenen Solitude-Park würde der Roche nicht im Traum einfallen – das könnte ja die dort stattfindenden Konzerte im Rahmen von Roche ’n’ Jazz stören.

Wildwuchs für den Nachwuchs

Weil sich das Unternehmen also umweltfreundlich gibt und nur restriktiv Firmenparkplätze verteilt, springt die Basler Regierung ein und schiebt dem Landhof ein Parking unter, auf dass sich die Situation oberirdisch entspannen möge. Damit koordiniert werden soll auch die Umgestaltung des Landhofs zu einem «wilden Stadtgarten», was auch immer das heissen mag: Auf den Stehrampen hat es jedenfalls Wildwuchs genug für den Nachwuchs, dazu müssen nicht erst Sitzbänke und ein Parkhaus hingestellt werden.

Der Landhof ist weder ein Park noch ein Parkplatz, sondern ein Frei- und Erholungsraum für die Bewohner eines Quartiers, in dem mächtig gebaut wird. Wer den Erhalt von diesem Stück Lebensqualität als Partikulärinteresse abtut, hat nicht begriffen, dass eine Stadt genau davon lebt: von grossen und kleinen Interessen, die Pharmaunternehmen, Pendler und nicht zuletzt die Bewohner, die eine Stadt ausmachen, vertreten.

Wer mir also einleuchtend erklären kann, weshalb ich neben einem überteuerten Parkplatz wohnen soll, damit andere ihr grünes Image pflegen oder ein Häuschen im Grünen bauen können, bekommt eine Flasche Holundersirup – selbstgemacht vom Landhof, versteht sich. 

«Wir werden für den Landhof einstehen»

Für Heinz Käppeli ist die Idee eines unterirdischen Parkings «nicht verständlich». Der Präsident des Vereins Landhof, der die Volksinitiative «Der Landhof bleibt grün!» zur Umzonung der ehemaligen Sportanlage lancierte, hat grundsätzliche Bedenken. «Das Spielfeld wird mit so viel Beton im Boden nicht mehr dasselbe sein», sagt er; ausserdem sei nicht gewährleistet, dass die Bäume auf der Stehrampe nach dem Bau eines unterirdischen Parkings noch genügend Grundwasser erhielten.

Trotzdem schaut Käppeli der Suche nach einem Investor gelassen entgegen. «Falls es wirklich zu einem solchen Projekt kommen sollte, muss es zuerst vor den Grossen Rat, und dann erhoffen wir von unseren Volksvertretern, dass sie den Landhof für die Bevölkerung erhalten und weiterentwickeln, statt ihn zu verbetonieren. Es dient der Oase Landhof mit einem zukünftigen Treffpunkt einfach nicht, wenn schon wieder ein Referendum ergriffen wird.»

Man werde wachsam bleiben und zu gegebener Zeit aktiv werden, erklärt Käppeli. «Jedenfalls werden wir für den Landhof einstehen.»

Konversation

  1. Für dieses Gejammer fehlt mir dann doch etwas das Verständnis. Man kann den Landhof absolut so belassen wie er ist (allenfalls sanieren) und doch einfach darunter die 200 Parkplätze errichten? Autos gehören in Basel in Zukunft sowieso unterirdisch parkiert, dann hat es darüber mehr Platz für Fussgänger und Grünflächen und allenfalls noch für die Veloraudis.

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  2. Das auf dem Landhof geplante neue einstöckige Gebäude wird im Vergleich zu dem Raumangebot im Bauch der alten Tribüne eine kleine Besenkammer sein. Viel zu klein, um etwa das jetzige Angebot der Kinder- und Jugendarbeit aufrechtzuerhalten. Die Garderoben und Duschen für die Sportler müssen auch noch in dem Häuschen Platz finden, da Gebäude in einer Grünzone absurderweise keine Keller haben dürfen. Aber ein unterirdisches Parking soll dann doch möglich sein!? Der Landhof ist toll, so wie er ist. Man könnte mit geringem Aufwand die alte Tribüne sanieren und den Rest den Nutzern überlassen. Je länger diese Geschichte dauert, desto mehr bekommt man den Eindruck einer Zwängerei durch eine seit der Abstimmung verschnupfte Obrigkeit.

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  3. Meine Güte: Wo ist das Problem? Reisst doch den ganzen Karsumpel ab und macht einen richtigen Park. Die „Bäume auf den Stehrampen“ und die „Bockmistkäfer in den Komposthaufen“ können doch kein Grund sein, irgend etwas da nicht zu verändern. Typisch Basel.

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    1. Sie sind hier auf der Seite der TAGESwoche und nicht auf der Seite der WELTwoche. Ich weiss, es ist schwierig, wollte Ihnen nur mal helfen. So müssen Sie sich nicht weiter über all die Inhalte wundern, die Sie ja meist nur zu ärgern scheinen. Hier noch der Link zu Themen, die Sie wahrscheinlich voll ansprechen werden: http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/ Viel Spass!

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  4. Man kann doch baulich ein unterirdisches Parkhaus für diese 200 Autos realisieren, ohne dass an der Oberfläche all zu viel verändert wird, sprich den Landhof baulich erhalten, die grüne Wiese so lassen, wie sie ist und das Ganze ein wenig anders zu nutzen. Z.B. als Public Viewing ort, im Sommer als Kino, und eben weiterhin für Rugby und Ähnliches.

    Wo ist das Problem? Oder sind die Fronten so stur?

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    1. In Basel muss nicht nur mehr in die Höhe sondern eben auch mehr in die Tiefe gebaut werden. Immer diese Leute, die die Vorteile einer Stadt und die frische Luft vom Land haben wollen. Bauen, vorwärtsmachen, fertig.

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    2. @wohl

      eindimensionalen utilitaristen wird sich das atmosphärische an «naherholung» nie erschliessen.
      einen riesigen betonbunker drunterpflaumen, dann einen lausigen grasgrünen rollrasen (vom fussball her bekannt), fress-piss, sitzkuben & artiges norm-gschtrüpp draufknallen: fini la schissi.
      public fewing.

      diese monotone lesart urbaner grünkultur verdrängt jegliche natur:
      cashkraut versus unkraut. – nützling vs schädling.
      (nix da mit nachwux, mischwux& wildwux – subito her mit der arten-einfalt!)

      Sie werden diese speziellen community-members auch nicht entfernen können – die spielen am allerliebsten eins: spielverderber. (das finden sie sogar extrem geil)

      stadt-lynx
      ps: Ihr anliegen betrifft präzis das hangup des begriffs «grünfläche» – ich würde Ihnen darum künftig unbedingt «grünraum» empfehlen (siehe auch «frackU!»)

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    3. Sie verstehen meinen Beitrag total falsch.

      Nirgends steht, dass die Grünfläche weg muss. Mit keinem Wort habe ich das geschrieben.

      Ich bin der Meinung, man kann den Landhof oberirdisch so lassen wie er ist. Das Tribünengebäude suaber sanieren und ihn weiterhin so von der Bevölkerung nutzen lassen, wie er genutzt wird und ein renoviertes Tribünengebäude auch als Chance sehen (Eben: Public Viewing von dort aus, Quartiertreffpunkt im Stadionbauch etc. etc.).
      Gleichzeitig kann man unterirdisch ein Quartierparkhaus für besagte 200 Einstelllplätze entsehen lassen.

      Wo wird da bei meiner Idee Gründfläche zerstört? Im geneteil: Es bleibt alles, wie es ist und für die Quartierbewohner gibts unterirdisch zusätzlich einfach noch ein Parkhaus.

      Wo ist hier das Problem?! Noch einmal: Wo schreibe ich etwas davon, dass Grünfläche verschwinden soll? Nirgends!

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    4. Georg und Peter Waldmeier

      Ich nehme an, dass Sie beide nicht in Basel wohnen, sondern als Agglomerations-bewohner die Stadt nutzen.
      Ansonsten hätten Sie wahrscheinlich etwas mehr Verständnis dafür, wie wichtig solche Grünflächen für Menschen- die diese Stadt lieben und gerne hier wohnen- sind. Das städtische Stimmvolk hat sich ganz klar für eine Grünfläche ausgesprochen. Würde dieses Parkhaus gebaut, wäre das Areal während Jahren nicht nutzbar. Ein Fiasko für dieses Quartier.

      Ich stimme Hannes Nüsselers Aussagen vollumfänglich zu. Das Wettsteinquartier ist bereits jetzt sehr stark von baulichen Massnahmen belastet und wird es auch noch während Jahren sein.

      Wer gerne in der Stadt lebt und diese auch durch seine Steuergelder als attraktiven Lebensraum bewahren will, ist bestimmt nicht jemand, dem es nur um *frische Luft vom Land* geht. Nicht jeder Städter möchte erst *aufs Land* fahren, um sich zu erholen und nicht jeder Städter kann sich ein überteuertes Eigenheim mit Garten in der Stadt leisten.

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