Freiraum-Aktivisten haben Land in Sicht

Im Hafen tun sich Kultur-Brachen auf wie vor zwölf Jahren auf dem nt/Areal. Jetzt suchen die Basler Behörden Ideen für Zwischennutzungen.

Will ab 8. März in neuem Licht dastehen: Der Basler Kultur- und Gastrobetrieb Das Schiff. (Bild: Stefan Bohrer)

Im Hafen tun sich Kultur-Brachen auf wie vor zwölf Jahren auf dem nt/Areal. Jetzt suchen die Basler Behörden Ideen für Zwischennutzungen.

Die Rheinschiffe schaukeln dieser Tage wieder stärker im Basler Hafen. Der Wasserpegel steigt täglich – ebenso die Neugierde: Was wird 2012 an neuen Nutzungen ans Ufer gespült?

Durch den Rückzug der Industrie eröffnen sich zwischen der Dreirosenbrücke und der Wiese Industriebrachen. Der Uferweg wird geöffnet und Bahngeleise hinter der Uferstrasse zunehmend aufgehoben. Eine 10 000 Qua­dratmeter grosse Parzelle (Ex-Esso) ist bereits frei, in den nächsten Monaten werden auch die mächtigen Silotanks der Migrol abgebaut.

Durch die veränderten Bedürfnisse der Hafenwirtschaft verliert der Rheinabschnitt am Klybeckquai für sie an Bedeutung. Bevor hier ein neues Quartier entsteht, eröffnen sich Freiräume. Diese möchten die ­Behörden nicht verwahrlosen lassen oder illegal besetzt sehen. Weshalb der Kanton zusammen mit den Schweizerischen Rheinhäfen demnächst eine Ausschreibung lanciert. Gesucht sind Ideen für Zwischennutzungen entlang des Klybeckquais. Dieser weist eine Länge von 1,3 Kilometern und eine ­Tiefe von 20 bis 30 Metern auf. Hinzu kommen die Industriebrachen, die sich landeinwärts auftun. «Zwischennutzer sind wichtige Akteure für uns im Bereich der Stadtentwicklung», sagt Thomas Waltert vom Planungsamt. Ein starkes Bekenntnis, das man so von den Basler Behörden selten gehört hat.

Entsteht hier ein Ersatz für das nt/Areal, das dem soziokulturellen Wildwuchs jahrelang eine Heimat bot? Von der Fläche her: ja. Dennoch scheuen die Behörden den Vergleich mit dem ­alten Rangierbahnhof – wohl auch, weil man die Kleinhüninger Anwohner nicht unnötig aufschrecken möchte.

Mischnutzung bevorzugt

Welche Art Zwischennutzung ist vorstellbar? «Wir sind offen für verschiedene Ideen», sagt Waltert, der noch keine Details verraten möchte, ehe der Projektausschrieb von der Regierung abgesegnet worden ist.

Sicher ist: Der alte Uferweg soll aufgewertet werden, mit Pflanzungen und Sitzgelegenheiten – Basel erhält eine weitere Begegnungszone am Wasser. Und was die Brachen betrifft: Die Wunschvorstellung? Eine Mischnutzung. Gastronomie, Kultur und Gewerbe sollen die Brachen mit Leben füllen. Denkbar wäre etwa ein Container-Park, wie man ihn aus Zürich kennt.
Soziokulturelle Nutzung im Hafen ist nicht ganz neu: Im Ostquai haben sich schon vor Jahren Kreativwirtschafter eingenistet, ebenso am Westquai. Hier tanzten auch schon vor zehn Jahren Menschen mit Blick auf den Rhein durch die Nacht. «Denkfabrik» hiess der Betrieb, der damals allein auf weiter Flur war und heftigen Widerstand erfuhr, Stichwort: Nicht hafengerechte Nutzung.

Wogen geglättet

Danach zog Onorio Mansutti mit der Stiftung Brasilea ins sanierte Gebäude ein und verwandelte es in einen Ausstellungsraum mit grosszügiger Abwartswohnung. Durch diese ruhige Nutzung wurden die Wogen geglättet.

Getanzt wird seit sechs Jahren einige Schritte flussaufwärts, auf dem «Schiff», das im Basler Partykalender mittlerweile fest verankert ist. «Wir sind auf gutem Kurs», sagen Cécile Grieder und Jonas Kaufmann.

Das war nicht immer so: Vor vier Jahren drohte das «Schiff» zu kentern, es stand nicht gut um die Finanzen. Mittlerweile sei das Budget ausgeglichen. Das «Schiff» verzichtet auf das Risiko kostenintensiver Konzerte und positioniert sich klar als Restaurant und Tanzlokal. Dennoch ist es bezüglich Besucherzahlen noch immer Schwankungen ausgesetzt: abgelegen, als ein­zige Freizeitattraktion im Hafen (das benachbarte Restaurant Dreiländereck steht schon lange leer). Um näher an Stadt und Bevölkerung heranzukommen, prüfen Grieder und Kaufmann jetzt, ob sie jeweils im Winter am Fusse des St.-Johanns-Park andocken könnten. Zugleich warten die «Schiff»-Betreiber gespannt auf die Zwischennutzungen. «Konkurrenz würde das Geschäft hier beleben», sind sie sich einig.

Erste Interessenten vorhanden

Einen leichten Vorgeschmack servierte im Herbst die Buvette des Vereins Marina Basel. Ein Pilotprojekt, das gemäss Co-Initiantin Angie Ruefer geglückt sei. Im nächsten Jahr würde sie den Betrieb gern erweitern, mit Boule-Bahn und Mittagsmenü.

Auf die Ausschreibung durch die Behörden sind auch andere gespannt – darunter das Party- und Variété­zelt «Funambolo» (derzeit nt/Areal) oder der Verein Neubasel. Ein Gremium aus Vertretern von Hafenverwaltung und Präsidial- sowie Baudepartement wird die eingereichten Projektideen prüfen und im Sommer erste Zwischennutzer begrüssen.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 16/12/11

Konversation

  1. naja, dieser schmale asphalt und schotterstreifen am wasser, aber von diesem durch einen zaun getrennt, nennt basel eine grosszügige fläche? es gibt keine infrastruktur zum zwischennutzen. und ich bin ja gespannt, ob das migrol-areal zuerst (wie vom hafen geplant) platt gemcht wird, bevor es dann zwischengenutzt werden darf. der witz bei zwischennutzungen ist ja gerade aus der noch vorhandenen bausubstanz etwas umzunutzen und neue funktionen zuzuteilen.

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