Gefordert: Gabriel Heuss

Für Gabriel Heuss fängt bald der Ernst des Lebens an: Schulanfang im Brunnmattschulhaus.

Sprung in die 1. Klasse: Gabriel Heuss freut sich auf die Schule, trotz grauer Umgebung. (Bild: Nils Fisch)

Für Gabriel Heuss fängt bald der Ernst des Lebens an: Schulbeginn im Brunnmattschulhaus! Der künftige Erstklässler hat sein FCB-Etui gepackt und sieht dem Schulstart gelassen entgegen. Nur das Gebäude könnte etwas weniger hässlich sein.

Vor ein paar Wochen stand bei Gabriel Heuss ein Polizist im Kindergarten. Der musste aber glücklicherweise niemanden verhaften, sondern sollte die Kinder auf ihren Schulweg vorbereiten. «Aber was der erzählt hat, das weiss jedes Baby. Warte, luege, lose, luege, ­laufe.» Gabriel macht es gleich vor.

Er weiss, wie es geht. Schliesslich kommt er nächste Woche in die erste Klasse. «1-A. G-A-B-R-I-E-L» liest er vom laminierten Kärtchen ab, das ihm seine Lehrerinnen zur Begrüssung geschickt haben. Der ­beigelegte Stundenplan zeigt ein Männlein, das Volleyball spielt. «Zum Glück macht es nicht Parcours», sagt er erleichtert. Davon hatte er genug im Kindergarten.

Gabriel gehört zu den Bruderholz-Kindern, die ins Brunnmattschulhaus kommen. Zwei vom Kindergarten kommen mit ihm in die Klasse, jemand anderes in die Parallelklasse, zwei auf eine Privatschule und der Rest ins «obere» Schulhaus.

Weniger Geld für die Tramchauffeure

Gabriel findet das nicht besonders tragisch, er sieht das Problem eher woanders: «Wenn Kinder in das andere Schulhaus kommen, werden sie weniger Tram fahren, und dann werden die Tramchauffeure weniger Geld verdienen. Die werden nicht mehr so zufrieden sein, denke ich.»

Und ist er zufrieden mit dem Schulhaus? Gabriel nickt. Wo er in die Schule geht, ist ihm ziemlich egal. Nur das Gebäude findet er nicht schön: «Es ist ein viereckiges Haus mit einem flachen Dach und komischen Balken, wo Wasser durchfliessen soll. Das ist wie ein Kunstwerk, aber es sieht ein bisschen blöd aus.»

Schulstart mit FCB-Etui

Zum Schulanfang hat er von seiner Grossmutter ein FCB-Etui geschenkt bekommen. Da gibt es alles, sogar Stundenpläne zum Selberausfüllen. «Das ist praktisch», meint er, «so kann ich meinem Freund im Kindergarten einen Stundenplan geben, damit er immer weiss, was ich gerade mache.»

Am meisten freut sich Gabriel aufs Rechnen. Wenn er Chef der ganzen Schule wäre, welche Fächer würde er auf den Stundenplan setzen? «Ich würde Schreiben, Rechnen und Lesen empfehlen» sagt er. Keine spannende Dinosaurier- oder Piratenkunde? »Nein, sowas muss man in der ersten Klasse nicht lernen. Dafür hat man später noch genug Zeit.» 

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Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 09.08.13

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