Geldnot der Kirchen bedroht auch Hilfswerke und Vereine

Sparen im eigenen Haus reicht nicht: Die wachsende Geldnot zwingt die Landeskirchen, auch bei der Unterstützung externer Hilfswerke und Organisationen den Geldhahn etwas zuzudrehen.

Blauring und Jungwacht (hier auf einem Archivbild) müssen mit weniger Geld aus der Kasse der römisch-katholischen Kirche auskommen.

(Bild: KEYSTONE)

Sparen im eigenen Haus reicht nicht: Die wachsende Geldnot zwingt die Landeskirchen, auch bei der Unterstützung externer Hilfswerke und Organisationen den Geldhahn etwas zuzudrehen.

Die kurze Mitteilung aus der 147. Synode der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt liess aufhorchen: «Diskussionen bereitete der Vorschlag des Kirchenrates, bei insgesamt 13 externen Institutionen in den kommenden drei Jahren die Unterstützungsbeiträge von rund 230’000 auf 130’000 Franken zurückzufahren.»

Der Kirchenrat kam zwar nicht mit all seinen Kürzungsanträgen durch, aber verschiedene Hilfswerke und Organisationen werden die Geldnöte der Kirche zu spüren bekommen:

Die Leprahilfe Basel zum Beispiel wird mittelfristig ohne Gelder der römisch-katholischen Kirche auskommen müssen. Der bisherige Betrag von 10’000 Franken jährlich wurde halbiert und soll in den kommenden Jahren auf Null zurückgefahren werden. Gestrichen wurde weiter der Beitrag für die Kultur-Legi der Caritas, während der Beitrag an die Jugendorganisation Jungwacht/Blauring um 4000 auf 17’000 Franken für das Jahr 2018 gekürzt wurde. 

Folge der Kirchenaustritte

«Das ist eine eindeutige Folge der Kirchenaustritte», sagt Christian Griss, Präsident des römisch-katholischen Kirchenrats. Die römisch-katholische Kirche rechnet mit einem Rückgang der Steuereinnahmen von heute 11 auf 10 Millionen Franken im Jahr 2020. Das hat Folgen für das Kernangebot der Kirche – etwa den Religionsunterricht – aber eben auch für die Vergabe von Beiträgen an externe Institutionen.

Lesen Sie auch: Kirchenaustritte: «Wir können den Religionsunterricht nicht halten»

Nicht nur die Katholiken kämpfen mit finanziellen Problemen. Auch die evangelisch-reformierte Kirche verliert laufend Mitglieder und damit Steuereinnahmen. Sie verbuchte 2016 noch 17 Millionen Franken an Steuereinnahmen, im Perspektivenpapier 2015–2025 rechnet die Kirche damit, dass in neun Jahren lediglich noch 12 Millionen Franken zur Verfügung stehen werden.

Angebote infrage gestellt

Das hat weitreichende Folgen. So plant die evangelisch-reformierte Kirche neben Sparmassnahmen in den einzelnen Pfarreien unter anderem, das Forum für Zeitfragen, das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft und die «Beauftragung für Ökumene, Mission und Entwicklungshilfe» mittel- bis längerfristig aufzuheben.

Bereits gestrichen wurden unter anderem die Koordinationsstelle für Jugendarbeit und die Beiträge an das evangelische Tagungszentrum Leuenberg.

Auch bei der Vergabe von Unterstützungsbeiträgen an externe Institutionen geht die Kirche über die Bücher.

Bei Mission 21 weiss man um die wachsenden Geldnöte der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, wie Dario Brühlmann, Leiter der Abteilung Kommunikation sagt. Noch zahlt die Basler Kirche laut Auskunft der Medienstelle der evangelisch-reformierten Kirche ihren gewohnten Jahresbeitrag von 135’000 Franken. Sie plant aber, bis ins Jahr 2025 ihre «Beiträge mit Zweckbindung» – und dazu zählt die Unterstützung von Mission 21 – von heute 240’000 auf 120’000 Franken zu halbieren.

Mission 21 hält nach anderen Geldquellen Ausschau

Brühlmann gibt sich betont gelassen. Zwar machen die Beiträge aus den Kirchen und kirchlichen Institutionen noch immer den grössten Anteil aus – es handelt sich um rund zwei Drittel der Spendeneinnahmen. «Die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt ist nur eine von vielen Landeskirchen in der Deutschschweiz, die Mission 21 unterstützen», sagt er. «Es gibt Kantonalkirchen, die finanziell nach wie vor sehr gut aufgestellt sind.»

Dennoch richtet Mission 21 ihr Augenmerk verstärkt auch auf andere Finanzquellen, also auf Beiträge von Stiftungen, von Firmen und privaten Spendern. «Wir müssen unsere Fundraising-Bemühungen intensivieren und potenzielle Geldgeber mit unseren qualitativ wertvollen und guten Projekten direkt ansprechen», sagt Brühlmann. Allerdings wird die Nähe zu den Kirchen hier das wichtigste Standbein bleiben. «Die enge Beziehung ist Teil unserer Identität.»

Konversation

  1. Jedes Unternehmen welches nicht mehr genügend Umsatz generiert muss sparen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten – Einsparungen von Stellen, Ptimierung von Prozessen sowie Zusamenlegung von Standorten. Der Unterhalt der Kirchen kostet sicherlich ein Heidengeld, zudem die Betriebskosten (Heizung, Reinigung). Das grössste Sparpotential läge sicher beim Zusammenlegen von Kirchgemeinden.

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  2. Müsste man sich langsam überlegen was man mit den immer mehr leerstehenden sogenannten Gotteshäusern macht?
    Da es sicherlich nie der Wunsch oder das Gebot von Jesus war solche Paläste mit dem ganzen z.Teil goldigen Firlefanz zu erstellen, könnte man sich mal überlegen ob es auch ohne die geht.
    Leider kommt jetzt wieder der Heimatschutz etc. ins Spiel, aber in der heutigen Zeit der Wohnungsproblematik gäbe es bessere Verwendung für diese z.Teil in Fronarbeit erstellten Monumente.
    Ich hoffe nicht, dass ich jetzt wie im Mittelalter gesteinigt werde, für mich ist Jesus sehr present, allerdings meine ich hat er dies alles nicht gewollt.

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  3. Wie verlogen ist das denn?! Die römisch-katholische Kirche ist der grösste Inmobilienbesitzer der Welt u.auch sind die im Bankenbusiness gut vertreten,dann bekommen die immer noch Staatsgelder u.zwar unabhängig von der Kirchensteuer,also hat diese Kirche genügend Geld u.muss hier nicht einen auf Jööö jööö machen.Bei der evangelischen Kirche sieht etwas anderd aus,aber auch da hat’s genügend Geld,haben die doch innden letzten Jahre viel neue moderne Glaubenshäuser gebaut! Auch sie bekommen neben der Kirchensteuer noch sonst.staatliche Gelder.Solange die Schweiz nicht wirklich eine Trennung von Kirche und Staat vollzogen hat, wird’s so weitergehen. Diese Heulerei der Kirchen ist also mehr als lächerlich,sogar ziemlich peinlich!

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  4. Ein Problem ist, dass ein grosser Teil der Kirchensteuern in Strukturerhalt (Gebäude, …) gesteckt werden (müssen), die nicht mehr dem derzeitigen Mitgliederstand entsprechen. Andererseits herrscht wohl nach wie vor ein theologischer Streit, ob Gelder hauptsächlich in die Pfarreien (sog. Kerngeschäft) oder eben auch in überpfarreiliche Dienste bzw. Verbände und Hilfswerke fliessen sollen. Die Probleme sind somit auch hausgemacht und hängen nicht nur mit den Kirchenaustritten zusammen.

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