Hand gebrochen, Trommelfell geplatzt: Gjergjaj bleibt trotzdem Europameister

Arnold «The Cobra» Gjergjaj ging in seinem bisher härtesten Kampf gegen Denis Bakhtov über die volle Distanz. Der Russe hat erbitterten Widerstand geleistet, am Ende siegte Gjergjaj nach Punkten.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Arnold «The Cobra» Gjergjaj ging in seinem bisher härtesten Kampf gegen Denis Bakhtov über die volle Distanz. Der Russe hat erbitterten Widerstand geleistet, am Ende siegte Gjergjaj nach Punkten.

Es war ein Abend der Premieren: Zum ersten Mal wurde ein Kampf von Arnold «The Cobra» Gjergjaj live im kosovarischen Fernsehen übertragen. Zum ersten Mal musste der Profiboxer aus Pratteln seinen Europameistertitel (EBU-EE) verteidigen. Zum ersten Mal in seiner Karriere ging Gjergjaj zu Boden.

Denis Bakhtov, genannt «Darth Vader», war ohne jeden Zweifel der bisher härteste Gegner für die Kobra. In zweierlei Hinsicht. Einerseits fordert er Gjergjaj am Samstagabend in der St. Jakobshalle, wie dieser noch nie gefordert wurde. Egal wie hart er zuschlägt, der Russe steckt die Treffer scheinbar locker weg. Ein Konter? Bakhtov lässt sich davon nicht aufhalten. Ein rechter Haken? Bakhtov pendelt mit dem Oberkörper leicht nach links.

Hart ist aber auch sein Kopf. In der vierten Runde bricht sich Gjergjaj die rechte Hand bei einer links-rechts Schlagkombination. «Bakhtov zu treffen, hat sich angefühlt, als würde ich auf eine Betonwand schlagen. Von da an spürte ich meine Hand kaum noch», wird er später in der Garderobe sagen. Kurz bevor er sich zusammen mit Coach und Manager Angelo Gallina auf den Weg ins Spital macht.




Hand gebrochen, Trommelfell geplatzt: Arnold Gjergjaj musste viel einstecken, etwas zu viel. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Obwohl die Entscheidung am Schluss eindeutig ausfiel, alle drei Punktrichter sahen in Gjergjaj den Sieger, konnte während des Kampfes zwischenzeitlich ein anderer Eindruck entstehen. Die frühen Runden waren mindestens ausgeglichen, Bakhtov der aktivere Boxer. Während Gjergjaj seinen Grössenvorteil nutzte und Distanz hielt, kannte Bakhtov nur eine Richtung: vorwärts. So sah sich der Prattler etwas zu oft in die Ecke gedrängt, wo er in der Doppeldeckung die variantenreichen Schlagkombinationen des Russen auszusitzen versuchte.

Die Zermürbungstaktik zeigt Wirkung, mit fortschreitendem Kampf verlieren die Kombinationen von Bakhtov ihre Präzision. Es zeigen sich auch Unterschiede in der Fitness. Während Gjergjaj weiterhin leichtfüssig durch den Ring tänzelt, werden Bakhtovs Bewegungen träger, seine Arme offensichtlich schwerer. Nachdem Gjergjaj den Russen in der neunten Runde mit einem rechten Haken auf die Bretter geschickt hat, ist er sich seines Punktvorsprungs gewiss. Ab jetzt spielt Gjergjaj wieder auf sicher.

Zwar bleibt der Kampf actionreich, aber die Entscheidung ist gefallen. Der Gong geht, der Saal steht. Unzählige Handykameras sind auf Gjergjaj gerichtet. Unzählige Stimmen brüllen seinen Namen.



Gjergjaj strahlt. Noch überwiegt die Freude gegenüber den Schmerzen.

Gjergjaj strahlt. Noch überwiegt die Freude gegenüber den Schmerzen. (Bild: Hans-Jörg Walter)

In der Garderobe strahlt Gjergjaj über das ganze Gesicht, noch ist die Freude grösser als die Schmerzen. Seine Hand steckt in einem Eiskübel. Auf dem Handrücken zeugt eine üble Beule von den harten Schlägen und den gebrochenen Knochen.

Unter dem Blick seines Trainers, einer Mischung aus Stolz, freudiger Anteilnahme und Besorgnis, beantwortet Gjergjaj noch einige Journalistenfragen.

War Bakhtov ihr härtester Gegner bisher?

«Definitiv, ich konnte ihn so hart treffen wie ich wollte, er wich einfach nicht zurück.»

War das nicht frustrierend?

«Doch. Aber mit der Zeit war klar, dass ich der fittere von uns beiden bin. Ich konnte die zwölf Runden problemlos durchstehen.»

Wie war es, das erste Mal zu Boden zu gehen?

«Beim Boxen bekommt früher oder später jeder mal was aufs Maul. Auch wenn es wehtat, war es doch eine wertvolle Erfahrung.»

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Der ganze Kampf zum Nachschauen (Ab Minute 47):

Konversation

  1. Dann als Steigerung vielleicht in naher Zukunft vielleicht mal Klitschko, da wird nicht mehr viel geboxt sondern mehr geklammert und geschubst. Das kann dann sehr frustrierend sein wenn man weiss dass man besser ist, aber nicht dazu kommt es zu beweisen.

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