Herakles: Antiker Superheld auf Abwegen

Bei der lydischen Königin Omphale vergass Herakles, wie sich ein echter Mann zu verhalten hat.

Verkehrte Welt: Omphale mit Herakles' Keule und Löwenfell, der Superheld beim Spinnen. Stich aus dem 19. Jahrhundert.

(Bild: British Museum)

Bei der lydischen Königin Omphale vergass Herakles, wie sich ein echter Mann zu verhalten hat.

Griechische und römische Sagen haben immer wieder Künstler angeregt. Weit über das Ende der Antike hinaus inspirierten sie Dichter, Maler, Komponisten und Bildhauer. Sehr beliebt bei Künstlern und Publikum waren schon früh die Taten und Abenteuer des Herakles. Überraschend ist das nicht, bieten sie doch reichlich Stoff für Tragödien und Komödien und zeigen einen Superhelden in Aktion.

Nur schon die Zeugung des Herakles ist theaterreif. Um Alkmene, deren Gatte Amphitryon ausser Haus ist, ins Bett zu bekommen, nimmt Zeus kurzerhand die Gestalt des Hausherrn an. Als bald darauf der echte Amphitryon heimkommt, ist die Verwirrung gross und Alkmene gebiert die Zwillinge Iphikles und Herakles, der eine ein Menschenkind, der andere ein Halbgott.

Das alles ärgert Zeus‘ Gattin Hera sehr und so schickt sie zwei Schlangen los Klein-Herakles zu töten. Der böse Plan misslingt: Herakles erwürgt die Schlangen und vollbringt damit bereits im zarten Kindesalter seine erste Heldentat.

Super-Fighter

Herangewachsen zum jungen Mann muss er zwölf Aufgaben lösen, die ihm Eurystheus, der König von Mykene und Tiryns, stellt. Die erste besteht darin, einen Löwen, der die Gegend von Nemea unsicher macht, zu erlegen. Gezeugt haben ihn Typhon, ein riesiges Ungeheuer mit 100 Drachenköpfen, und Echidna, ein Wesen halb Weib, halb Schlange. (Wie aus der Verbindung der beiden ein Löwe wurde, ist eines der vielen Mysterien der griechischen Mythologie.)

Der Löwe hat ein Fell, das ihn unverletzbar macht. Herakles kann ihn weder mit Pfeilen erschiessen noch mit der Keule erschlagen. So erwürgt er ihn mit blossen Händen und zieht ihm das Fell ab, das er künftig als Helm und Rüstung tragen wird.

Super-Krampfer

Rohe Gewalt alleine reicht allerdings nicht immer. Manchmal hilft es, sich etwas zu überlegen. Das zeigt sich, als Herakles die Ställe des Augias, des reichen Königs von Elis, ausmisten muss. Herakles erledigt diese Aufgabe an einem einzigen Tag, indem er die Flüsse Alpheios und Peneios umleitet und mit ihrem Wasser den Mist aus den Rinderställen schwemmt.

Bei seinen Taten kommt Herakles weit herum. Einmal schickt Eurystheus ihn zu den Amazonen ins Gebiet des Schwarzen Meeres, ein andermal weit über Gibraltar hinaus westwärts zu den Hesperiden und zum Schluss gar in die Unterwelt hinab. Von dort hat er Eurytsheus den dreiköpfigen Höllenhund Kerberos zu bringen.

Super-Macho

Dann sind die zwölf Aufgaben gelöst, und Herakles kann sich anderen Taten widmen. Dazu gehört nicht zuletzt die Fortpflanzung. Was diese betrifft, scheint er den Hormonhaushalt von Vater Zeus geerbt zu haben. Jedenfalls bringen zahlreiche Damen Kinder von Herakles zur Welt.

Seine Ehefrau Deianira will dem ein Ende machen. Sie streicht auf eines seiner Gewänder eine Zaubersalbe, die Herakles ganz an sie binden soll. Doch anders als erwartet erweist sie sich als heimtückisches Gemisch, das Herakles‘ Haut zerfrisst. Ein Heilmittel, das helfen könnte gibt es nicht. So setzt Herakles seinem Leben auf einem Scheiterhaufen ein Ende und wird unter die olympischen Götter aufgenommen.

Von solch tragischem Ende heben sich Episoden wie jene von Herakles‘ Knechtschaft bei der lydischen Königin Omphale ab. Als Sühne für einen Totschlag und weil er Apoll erzürnt hat, muss Herakles für drei Jahre in die Rolle eines Sklaven schlüpfen. Omphale kauft ihn und er muss für sie allerlei Dienste verrichten. So befreit er das Land von den Kerkopen, affenartigen Kobolden, und dem bösen Riesen Syleus.

Ganz und gar nicht super!

Zunächst nahmen Schriftsteller und Dichter Herakles‘ Knechtschaft bei Omphale vor allem zum Anlass, dem Publikum weitere Abenteuer des Superhelden aufzutischen. Doch schon in der Antike erkannten Maler und Poeten das weitere Potenzial dieser Episode und zeigten Herakles beim Spinnen in Frauenkleidern, während Omphale sein Löwenfell trägt und sich mit seiner Keule wichtigmacht.

Der römische Dichter Ovid brachte Deianiras Enttäuschung treffend auf den Punkt, wenn er sie zu Herakles sagen lässt:

«Kannst du dies (gemeint sind Herakles‘ Heldentaten, d. Verf.), aufgeputzt in sidonischem Mantel, berichten? / Schweigt dir die Zunge nicht still, von diesem Aufzug gehemmt? / Mit deinen Waffen stolziert das Bräutchen, des Jardanes Tochter, / stahl dem verliebten Mann seine Trophäen sogar! / O, welche Schmach! In das raue Fell, das dem zottigen Löwen / du von den Rippen zogst, hüllt sich ein schmiegsamer Leib!»

Quellen

– Herbert Hunger: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien 1959 (6. und erweiterte Auflage 1980)

-Ovid: Liebesbriefe / Heroides-Epistulae. Lateinisch-deutsch. Übertragen und herausgegeben von Bruno W. Häuptli. Düsseldorf 2009

 

Nächster Artikel