Image von Basel: Vom Provinznest zur hippen Kulturstadt

Vor neun Jahren noch musste sich Basel bei Auswärtigen mit dem Image eines Provinznests auseinandersetzen. In jüngeren Studien macht die Stadt nun Zürich die Position als hippe Kulturmetropole streitig.

Basel ist hip – und dazu noch sympathisch: Bild der Spalenvorstadt.

(Bild: Basel Tourismus)

Vor neun Jahren noch musste sich Basel bei Auswärtigen mit dem Image eines Provinznests auseinandersetzen. In jüngeren Studien macht die Stadt nun Zürich die Position als hippe Kulturmetropole streitig.

80 Millionen Aufrufe erreichte der Pokémon-Revenge-Clip von Basel Tourismus mittlerweile alleine über Facebook. Das heisst, dass jeder hundertste Mensch auf der Welt eine kleine mediale Reise durch Basel unternommen hat. «Der Betrachter sieht eine Szenerie, die urbaner Hotspot, Naherholungsgebiet, Ort am Wasser und Kulturstadt in einem ist», sagt der bekannte Werber David Schärer. «Wenn es jetzt gelingt, den Scheinwerfer auf die Kulisse des Videos zu richten und weltweit die Botschaften von Basel abzufeuern, kann dies in bare Münze umgesetzt werden.»

«Es ging uns darum, Basel vor allem auch bei einem jüngeren Publikum als attraktive Stadt bekannt zu machen», sagt Christoph Bosshardt, Marketingleiter bei Basel Tourismus. Als eigentliche Imagekampagne war der Clip nicht gedacht. «Wenn die Stadt dabei jung und witzig rüber kommt, dann stört uns das aber nicht, denn Basel hat ja auch für junge Leute sehr viel zu bieten.»

Eine Stadt für Junge?

Was für ein Image hat Basel und bei welchen Menschen von ausserhalb kommt die Stadt an? Wenn man sich nach den meist älteren Besuchern richtet, die sich über den Münsterplatz oder durch die Museen führen lassen, dann bekommt man das Gefühl, dass Basel eine eher traditionelle Ausstrahlung hat. Dass also der Claim von Basel Tourismus, «Basel unlimited», nicht ganz so grenzenlos ist. Aber das sind subjektive Eindrücke.

Ein seriöseres Bild können da Umfragen von Spezialisten vermitteln. Und hier musste Basel vor neun Jahren noch eine ziemliche Schlappe einstecken. Eine vom Bundesamt für Sport im Vorfeld zur Fussball-EM 2008 durchgeführte repräsentative Umfrage in Deutschland zeichnete ein jämmerliches Bild von Basel. Unter den EM-Austragungsorten landete die Stadt hinter Zürich, Bern und Genf abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Für die Deutschen war Basel Provinz

Basel wurde damals als Provinzstadt wahrgenommen. Bei den Kriterien Kulturstadt, Lifestyle, Authentizität, Internationalität und Weltoffenheit schauten nur die letzten Plätze heraus, während Zürich hier jeweils obenauf lag. Nur gerade als Standort für Life Sciences konnte Basel punkten. Und dies obwohl mit 38 Prozent der Befragten angaben, schon einmal in Basel gewesen zu sein – mehr als in Bern und in Genf.

Ein ganz und gar anderes Bild zeichnet der Tourismus Monitor Schweiz von Schweiz Tourismus, die grösste nationale Gästebefragung, für das Jahr 2013 (der nächste Bericht wird 2017 folgen). Im Unterschied zur Umfrage von 2007 wurden nur Gäste befragt, die am jeweiligen Ort übernachtet haben – und dies aus allen Nationen, wobei die Deutschen nach den Schweizern die grösste Gruppe ausmachten.

Basel ist hipper und cooler als Zürich

Das Resultat: 2013 wurde Basel bei den «relevanten Gästebedürfnissen» nur beim Kriterium «öffentlicher Verkehr im Ort» ganz knapp von Zürich geschlagen. Bei den Kriterien «historisches» oder «kulturelles Erlebnis» lag Basel auffallend weit vor Zürich an der Spitze aller ausgewählten Städte (also auch vor Genf, Bern, Lausanne, Luzern und Lugano). Bei «Atmosphäre» lag nur Lugano weiter vorne.

Ein Zahlenbeispiel soll die Abstände verdeutlichen: Während knapp 49 Prozent der Basel-Reisenden das «kulturelle Erlebnis» hervorhoben, waren es in Zürich nur etwas über 26 Prozent.  

Erstaunlich ist, dass Basel sogar bei den Kriterien «Unterhaltung» sowie «hip und cool» beim Tourismus Monitor 2013 einen Spitzenplatz einnimmt. Bei «Abendprogramm/Nightlife» ist Zürich aber leicht stärker. Allerdings haben die hier genannten Kriterien bei den Übernachtungstouristen allesam kein grosses Gewicht.

Auch bei den Schweizern hip

Ein gutes Bild konnte Basel auch bei der Umfrage Kantonsimage 2012 der Firma Campaignfit, einem Spin-off der Universität Zürich, abgeben. Allerdings konzentriert sich die Umfrage nicht auf die Städte, sondern die Kantone, was für die Stadtkantone Basel und Genf bei urbanen Gesichtspunkten bestimmt Vorteile bringen konnte.

Beim Kriterium «Urbanität (jung, locker und hip)» belegt Basel-Stadt den ersten Rang (mit 3,4 von 5 möglichen Punkten), vor dem Tessin, Zürich und Genf. Entsprechend werden Basel-Stadt, Zürich und Genf gleichbedeutend als am wenigsten «bünzlig» empfunden. In Sachen «Attraktivität» liegt Basel-Stadt etwa gleichauf mit Zürich und hinter Zug ebenfalls ganz vorne.

An Sympathie gewonnen

Auch bei «Sympathie» muss sich Basel-Stadt nicht verstecken. Der Kanton liegt hier deutlich vor Zürich, das als «snobistisch» empfunden wird, kann hier allerdings nicht mit den Spitzenkantonen Bern, Graubünden und Tessin mithalten. Hier zeigt sich aber, dass sich das Bild Basels in der Restschweiz gewandelt hat. In den wunderbaren Gotthelf-Verfilmungen aus den 1950er-Jahren waren die Figuren der bösen und geizigen Menschen noch allesamt mit Baslern besetzt worden.

Solche Umfragewerte bereiten den Tourismus-Vermarktern in Basel Freude. «Basel ist keine Partystadt, aber die Stadt ist deutlich hipper geworden», sagt Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus. Und sein Marketingchef Christoph Bosshardt weist darauf hin, dass sich das Image von Basel spürbar gewandelt hat. «Wir werden uns aber weiterhin auf das Image als Kultur- und Museumsstadt konzentrieren und nicht in erster Linie die Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen ansprechen.»

Konversation

  1. Um Anziehungspunkt zu werden muss die Stadt Diversität aufbringen. Die Fasnacht, Kunstmuseum, Tinguely, Münster, Tattoo sind bereits gute Ansätze. Aber es bedarf eben noch mehr – Klassik- und Operfestival, Ballett und mehr. Bistrots auf dem leeren Münsterplatz und Zufahrtsmöglichkeiten und Parkplätze im Zentrum für Touristen und Busse. Sonst wird das nichts. Ein Pokemon Video spricht nur einen sehr kleinen Kreis an.

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  2. Es gäbe eine relativ einfache Möglichkeit, analog Amsterdam, die Stadt Basel „doppelhipp“ (Hipp ist auch Babynahung) zu machen: Kokain zum halben Preis.

    Mann kann die Stadt auch in eine Art „Möbel-Pfister“ umgestalten: Sieht toll aus, aber niemand lebt mehr darin, analog jedem Möbelhaus, weil zu hipp, zu teuer, zu edel, etc…

    Der Vergleich mit einer anderen Shweizer Stadt beinhaltet das Risiko, dass man „gustatorische Inzucht“ betreibt: Natürlich schmeckt fast allen Schweizern Rösti und Rivella. International ist das aber nicht kriterientauglich, will man doch nicht nur Einheimische anlocken.

    Die Generationen, Menschen sind verschieden: Die Jüngeren wollen Ramba-Zamba bis Sonntags zum ersten Drämmli, die Älteren eher Ruhe, Bequemlichkeit und Sicherheit, Familien Kinderfreundlichkeit und Grünflächen, Ärmere interessiert günstigere Angebote, und vielen auch Edleren genügt eine „Rolex“.

    Die einen kämen am liebsten mit dem Pferdewagen, die anderen lieber mit so etwas rotem Edlem mit Krach-Auspuff.

    Fussballfans lieben Lebhaftigkeit bis zur Fast-Gewalt, auch unter ordentlichem Biereinfluss, Golfer eher ruhige Greens und Sekt als Getränk.

    Da wird sich die Stadt wohl noch etwas entscheiden müssen. Allen kann man nicht recht tun.
    Und am Ende ist es dann auch noch eine Preisfrage: Tollste Stadt, aber keine Besucher, da alles zu teuer, ist nicht wirklich werbewirksam.

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  3. ach, lasst doch dieses Tattoo Tattoo sein.

    unglaublich, welche Reize dieser Anlass bei einigen auslöst und wie oft man immer wieder dieselben Kommentare darauf ins www schiessen muss. so bedeutend ist dieser Anlass nun wirklich nicht und daher dieses ständige gekeife völlig gekünstelt.

    lasst doch den Fussballern den FCB, den Boxfans die „Cobra“, den Fasnächtlern die Fasnacht, den Feuerwerklern das Feuerwerk und den Tattooisten das Tattoo.

    ich meide halt in diesen gut 10 Tagen das Kasernenareal und bin mehr am Rhein.

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  4. Steht dieses Bild oben für das hippe Basel?
    Warum werden dann noch und noch so schöne alte Häuserzeilen abgerissen und an deren Stelle seelenlose Paläste aus Glas und Beton errichtet?

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  5. Freuen wir uns doch einfach über den steigenden, guten Ruf unserer Stadt. Seien wir doch stolz darauf und leben das selbstbewusst.

    @MindMe
    es ist die Stärke von basel, dass es keine Mono-Milieu-Stadt ist, sondern eine Stadt, wo extrem viele Kulturformen ihren Platz haben und bekommen. Das haben wir vielen Städten voraus und das macht diese wunderbare Stadt aus.

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