Immobilien Basel-Stadt: «Wir bedauern die Kündigungen ausserordentlich»

22 Mietparteien an der Mülhauserstrasse 26 haben von Immobilien Basel-Stadt die Kündigung erhalten – so auch viele ältere Menschen. Die staatliche Liegenschaftsverwalterin betont, dass die Kündigungen unausweichllich seien.

Bis zum Herbst 2018 entstehen an der Mülhauserstrasse 26 moderne Wohnungen, die mehr Gewinn abwerfen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

22 Mietparteien an der Mülhauserstrasse 26 haben von Immobilien Basel-Stadt die Kündigung erhalten – so auch viele ältere Menschen. Die staatliche Liegenschaftsverwalterin betont, dass die Kündigungen unausweichlich seien.

Eliette Pillonel, Urs Wiget und Margrit Benninger stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Mieter der Mülhauserstrasse 26 im St. Johann müssen ihre Wohnungen verlassen.

Die kantonale Liegenschaftsverwalterin Immobilien Basel-Stadt (IBS) will das Mehrfamilienhaus, das der Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS) gehört, umbauen und mehr Profit erwirtschaften. Sie hat deshalb allen 22 Mietparteien auf September 2017 gekündigt – von der Kündigung betroffen sind viele ältere Menschen, die teilweise bereits 50 Jahre dort leben.

Gemäss einer Stellungnahme von Immobilien Basel-Stadt sei die Massenkündigung nicht vermeidbar gewesen. Wie IBS-Sprecherin Barbara Neidhart sagt, hätten «diverse Bauteile des Gebäudes ihr Alter erreicht», sodass eine Totalsanierung unumgänglich sei.

Auch sei eine Sanierung der Liegenschaft im bewohnten Zustand «leider» nicht möglich, da baulich «sehr tief» in die Liegenschaft aus den 1960er-Jahren eingegriffen werden müsse. Zudem müssten auch die Grundrisse und Grössen der Wohnnungen der «modernen Ansprüchen» angepasst werden.

«Es ist die Aufgabe der PKBS, die Gelder der Angestellten des Kantons Basel-Stadt, der angeschlossenen Institutionen und weiterer Arbeitgeber treuhänderisch zu verwalten. Die PKBS ist sich dieser Verantwortung sehr bewusst und trägt entsprechend Sorge zu den Liegenschaften, die gewissermassen im Eigentum der heutigen Versicherten sind. Das bedeutet auch, dass die Liegenschaften periodisch umfassend saniert werden müssen. Die Pensionskasse Basel-Stadt und Immobilien Basel-Stadt bedauern ausserordentlich, dass die Kündigungen unverzichtbar sind und können die Sorgen der heutigen Mieterinnen und Mieter nachvollziehen.»

3,5-Zimmer-Wohnung kostet neu 2250 Franken

Deshalb habe die IBS im Auftrag der PKBS für die Betroffenen Unterstützung organisiert. So sei die Kündigungsfrist auf 18 Monate verlängert worden – und wenn die Mieter vorzeitig eine andere Wohnung finden würden, könnten sie kurzfristig auf jedes Monatsende kündigen. Zudem würden die Mieter bei der Wohnungssuche unterstützt. «Seit Aussprechen der 22 Kündigungen im März 2016 hat heute fast die Hälfte der Mietparteien eine neue Lösung gefunden», sagt Neidhart.

Auf die Frage, ob es die IBS für zumutbar hält, dass eine 91-jährige Frau, die seit 47 Jahren im Haus wohnt, jetzt noch zügeln muss, meint Neidhart:

«Für jede Mietpartei ist diese Situation schwierig. Einen richtigen Zeitpunkt für eine Kündigung gibt es nie, es können neben älteren Personen auch junge Familien betroffen sein. Dass gerade ältere Menschen, die lange Jahre an der Mülhauserstrasse 26 gewohnt haben, grosse Mühe haben, sich an diese Veränderung zu gewöhnen, ist für Immobilien Basel-Stadt sehr verständlich. Das Verbleiben einer betagten Frau während einer mehrmonatigen Sanierung ist aus unserer Erfahrung aber ebenfalls schwierig zumutbar, im vorliegendem Fall gar nicht möglich.»

Die Liegenschaft will die IBS während den Sanierungsarbeiten bis auf den Rohbau zurückbauen. Entstehen sollen moderne Wohnungen, die auf Herbst 2018 bezugbereit sein sollen. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung kostet dann laut Neidhart rund 1475 Franken (59 m2), eine 3,5-Zimmer-Wohnung (85 bis 93 m2) zwischen 2060 und 2250 Franken und eine 4,5-Zimmer-Wohnung (110 bis 113 m2) rund 2500 bis 2600 Franken. Heute zahlt die 91-jährige Margrit Benninger knapp 1000 Franken Miete für ihre 3,5-Zimmer-Wohnung.

Konversation

  1. Es kann nicht sein, dass unser absurdes Mietrecht langjährige Mieter auf Kosten von Neumietern subventioniert. Vertragsfreiheit ist ein Grundrecht, deshalb ist mehr Differenzierung bei der Definition des Mieterschutzes angesagt.
    Dinu Marsson, Basel

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  2. @ Schwob — Es wird nicht der Mieter enteignet, das wird ja im Kommentar von Kol Simcha auch nicht gesagt, sondern die vormaligen in die Pensionskasse Zahlenden. Jetzt werden nun die vormaligen Zahlenden als Mieter und Generatoren ihrer eigenen Rente aus ihrer Wohnung ‚chassé‘, ein Hohn der Geschichte und ein nicht ganz lupenreines Modell meiner Ansicht nach.

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  3. Das Grundrecht… enthält aber ganz sicher nicht das Recht auf eine 3,5-Zimmer- Wohnung mit Blick auf den Rhein für knapp 1000 Franken.
    Ganz allgemein verstehe ich die Ängste dieser Leute vor Altersheimen – und -siedlungen sehr gut, da teilweise miserabel geführt und viel zu teuer; dort sollte die ach so soziale baselstädtische Politik mal einhaken, geeignete Wohnobjekte aus dem Renditekreislauf des Immobilienvermögens der Stadt ausscheiden und vernünftige 1,5 – 2-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung stellen. Dies würde auch helfen, die Altersarmut zu bekämpfen, da nicht zuerst das persönliche Vermögen aufgebraucht werden müsste, um dann EL beziehen zu MÜSSEN (wie wir ja im Übrigen zum Wohle unserer Banken und Versicherungen mit dem EMW schon genug zum Armmachen beitragen…).

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  4. überhaupt nicht! Im Gegenteil, es bestätigt den Skandal!
    Wo sehen Sie hier bitte eine Relativierung?!

    PS: Das „Pensionskassen-Problem“ -alles eines der absurdesten „Marktphänomene“, erst in diesem Fall- ist schon seit langem bekannt.

    Aktuelles Beispiel: Burgweg, http://www.lebendiger-burgweg.ch/ ebenfalls Pensionskassen-Spekulation.

    „Es ist die Aufgabe der PKBS, die Gelder der Angestellten des Kantons Basel-Stadt, der angeschlossenen Institutionen und weiteren Arbeitgeber treuhänderisch zu verwalten.“

    ..als ob es keine alternativen Anlagemöglichkeiten gäbe.. ->http://www.terra-wohnen.ch/
    (sogar extra für Pensionskassen-Gelder)

    Und mal so grundsätzlich nachgefragt, von Mieter zu Mieter:
    Wie kommen Sie überhaupt darauf, Immobilienspekulanten (oder Ihren entschuldigenden Statements) zu trauen?

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  5. @ Kol Simcha: Wie kann man einen Mieter enteignen? Ich habe ein Mietverhältnis bisher immer so verstanden, dass ich als Nutzer dem Eigentümer einen Betrag X zahle und dafür das alleinige Nutzungsrecht für eine Sache habe. Der Vertrag kann gekündigt werden und somit erlischt das Nutzungsrecht an der Sache für den Mieter.

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  6. Herzlichen Dank der TaWo für den Einbezug dieser Stellungnahme in die Berichterstattung.

    Lese ich nun nochmals den Artikel von Herrn Beck, so erscheint mir dieser doch arg einseitig und tendenziell wohl nach seinem persönlichen Gusto verfasst.

    Insbesondere staune ich darüber, dass die künftigen Mieten heute morgen noch „geheim“ waren, aber mindestens auf das Drei- bis Vierfache des heutigen Wertes geschätzt wurden… In Anbetracht der nun doch nicht mehr so geheimen Zahlen kann man darüber streiten, ob sie für einen Quasi-Neubau angemessen sind oder nicht.

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    1. Alles Gemäss Angaben der Bewohner: Die Mieten wurden gegenüber den derzeitigen Bewohnern geheim gehalten. Die Vierzimmerwohnung von Herrn Wiget kostet rund 900 Franken inklusive Nebenkosten. Da komm man durchaus auf einen dreifachen Mietpreis im Neubau.

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    2. @Hr.Beck
      Sorry, aber jetzt drücken Sie schon ein bisschen auf die Tränendüse.
      Ich weiss nicht ob Herrn Wiget alleine in dieser 4-Zimmerwohnung wohnt. Wenn ja, denke ich wäre es aber schon angemesen dass er sich mit einer 2 1/2 Zimmerwohnung begnügen dürfte und dann wäre der Mietzins wahrscheinlich auch wieder in seiner Reichweite.

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    3. Grässlich ! 4 Zimmer für 2 erwachsene Personen ! Da habens ja die Hühner in der Legebatterie besser. Widerspricht das nicht der Genfer Konvention für Gefangene ?

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