IWB übernimmt Risiko-Investition von Alpiq

Die Basler Stadtwerke IWB beteiligen sich mit 15 Prozent am Pumpspeicher-Projekt Nant de Drance (VS). Verkäuferin ist Alpiq, die damit auf die Mehrheit am risikoreichen Projekt verzichtet und so ihre Abbaustrategie fortsetzt.

Lohnt sich das? Die IWB glauben Ja – und investieren ins Pumpspeicherwerk Nant de Drance (VS). (Bild: Keystone)

Die Basler Stadtwerke IWB beteiligen sich mit 15 Prozent am Pumpspeicher-Projekt Nant de Drance (VS). Verkäuferin ist Alpiq, die damit auf die Mehrheit am risikoreichen Projekt verzichtet und so ihre Abbaustrategie fortsetzt.

Nant de Drance im Unterwallis ist – neben Linthal 2015 und Bernina – eines der drei grossen Pumpspeicher-Projekte der Schweiz. Seit 2009 wird daran gebaut. 2017 soll es den Betrieb aufnehmen. Die Gesamtkosten sind auf 1,8 Milliarden Franken budgetiert, nachdem die installierte Leistung von 600 auf 900 Megawatt erhöht worden ist.

Pumpspeicher-Kraftwerke dienen dazu, Bandstrom zu Spitzenstrom zu veredeln. Dazu pumpen sie in Zeiten mit geringer Stromnachfrage Wasser in den Stausee hoch und turbinieren dieses Wasser dann, wenn die Nachfrage nach Strom gross ist. Das führt zu einem energetischen Verlust von 20 Prozent.

Konkret: «Nant de Drance» mit seiner Spitzenleistung von 900 Megawatt soll – nach optimistischer Berechnung – während rund 2800 Stunden pro Jahr mit voller Leistung Spitzenstrom produzieren. Das ergibt eine Produktion von 2,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Dazu muss das Werk während 3300 Stunden pro Jahr mit voller Leistung Wasser hochpumpen. Dazu braucht es 3,0 Milliarden kWh Pumpstrom, das heute mehrheitlich aus Atom- und Kohlekraftwerken, zum kleinen Teil auch aus Windkraftwerken stammt. Die «alpine Strombatterie» frisst also jährlich 0,5 Milliarden kWh mehr Atom-, Kohle- oder Windstrom, als sie in Form von Wasserkraft produziert. Das passt schlecht zur «hundert Prozent erneuerbaren Stromproduktion», mit der die IWB respektive die Stadt Basel wirbt.   

Das Projekt Nant de Drance lancierte der Schweizer Stromkonzern Alpiq, der mit 54 Prozent auch die Mehrheit des Aktienkapitals besass. Jetzt hat die Alpiq einen Teil dieser Beteiligung an die Industriellen Betriebe Basel (IWB) verkauft, wie diese am Dienstag mitteilten. Neu ist Alpiq nur noch mit 39 Prozent am Projekt beteiligt. Die übrigen 61 Prozent verteilen sich auf die SBB (36 Prozent), das Walliser Elektrizitätswerk FMV (10 Prozent) und neu auf die IWB (15 Prozent).

Alpiq mit Problemen

Die Alpiq hat nach starker Expansion jüngst einen herben Rückschlag erlitten: Im Geschäftsjahr 2011 verbuchte sie einen Verlust von 1,3 Milliarden Franken, weil sie – vor allem mit Investitionen in Gaskraftwerke – 1,7 Milliarden Franken in den Sand gesetzt hatte. Seither verkauft die Alpiq fleissig Firmenanteile. Die Reduktion der Nant de Drance-Beteiligung setzt diese Abbau-Strategie fort. Damit, so heisst es in der Medienmitteilung von gestern Dienstag, reduziere Alpiq ihre «Investitionsverpflichtung» am Nant de Drance-Projekt «um rund 300 Millionen Franken».   

Umgekehrt verhält es sich bei den IWB, die der Stadt Basel gehören und diese Stadt mit Wasser, Gas und Strom versorgen. Die IWB bauen ihre Stromproduktion stetig aus, indem sie viel Geld in einheimische Wasser- und ausländische Windkraftwerke investieren.

Mit der 15-Prozent Beteiligung am Nant de Drance-Projekt erhalten wir eine «langfristige sichere Batterie zur effizienten Nutzung von erneuerbarem Strom», begründet IWB-Sprecher Lars Knuchel den Zukauf. Allerdings ist der Anteil an Speicher- und Spitzenstrom-Kapazität bei den IWB schon heute überdurchschnittlich hoch. So sind die IWB auch an den Speicher- und Pumpspeicher-Kraftwerken der Kraftwerke Oberhasli (KWO) im Grimselgebiet und am Walliser Speicherkraftwerk Grande Dixence beteiligt.

Wirtschaftliches Risiko  

Neue Pumpspeicher-Kraftwerke kosten pro tausend Megawatt Leistung (das entspricht der Leistung des KKW Gösgen) rund zwei Milliarden Franken. Ob sie je rentieren, steht in den Sternen. Denn die Rentabilität hängt davon ab, wie hoch die Differenz der Marktpreise zwischen dem Bandstrom zum Pumpen und dem mit energetischem Verlust produzierten Spitzenstrom in den nächsten 80 Jahren sein wird.

Seit dem Boomjahr 2008 ist die Preisdifferenz zwischen Band- und Spitzenstrom gesunken, weil der Zubau von Kohle-, Gas- und Windkraftwerken zu Überkapazitäten auf dem – durch Rezessionen geprägten – europäischen Strommarkt führte. Damit wächst die Befürchtung, Pumpspeicher-Kraftwerke könnten dereinst als nicht amortisierbare Investitionen Verluste einfahren.

Netzengpass als zusätzliches Risiko

Das Projekt «Nant de Drance» trägt – zumindest kurzfristig – ein zusätzliches Risiko: Es fehlt im Wallis an Netzkapazität, um die zusätzliche Produktionsleistung von 900 Megawatt  abzunehmen. So ist ungewiss, ob der umstrittebe Ausbau der Stromleitung Chamoson-Chippis-Steg bis 2017 realisiert werden kann. Schon die heutige Spitzenproduktion im Wallis, die nach der Reparatur des Speicherkraftwrks «Cleuson Dixence» über 4000 Megawatt beträgt, lässt sich heute mangels Netzkapazität nicht voll nutzen.

Aus diesen Gründen macht eine breitere Streuung der Risiken ökonomisch Sinn. Nicht nur im Wallis. Der Stromkonzern Repower, der das Bündner Pumpspeicher-Kraftwerk am Berninapass plant, sucht darum ebenfalls Partner, die sich mit bis zu 50 Prozent am Projekt beteiligen. Das bestätigte Repower-Sprecher Werner Steinmann. Der Staatskonzern Axpo hingegen, der zurzeit sein Speicherkraftwerk «Linthal 2015» im Kanton Glarus baut, vertraut auf die eigene Finanzkraft und teilte auf Anfrage mit: «Ein Verkauf von Anteilen an der Kraftwerke Linth-Limmern AG ist derzeit kein Thema für Axpo.»

 

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Mittwoch, 19. September, 1430 Uhr: Der Autor hat den Text überarbeitet und um zwei Abschnitte ergänzt.

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