Jede dritte Sexarbeiterin in Basel kommt aus Ungarn

Rund 3000 Frauen haben in Basel im letzten Jahr ihre sexuellen Dienste angeboten. Die meisten davon sind ungarische Roma, Schweizerinnen sind nur wenige darunter.

Zwei ungarische Frauen in einem Bordell in Zürich. Auch dort machen die Ungarinnen den grössten Teil der Prostituierten aus.

(Bild: ANDRAS D. HAJDU)

Rund 3000 Frauen haben in Basel im letzten Jahr ihre sexuellen Dienste angeboten. Die meisten davon sind ungarische Roma.

Das Rotlicht-Milieu ist eine schwer durchschaubare Nebenwelt: Die Zusammenhänge sind vielfältig, die gesellschaftlichen und sozialen Probleme erheblich, unterschiedlichste Interessen prallen aufeinander. Trotz dieser Komplexität versucht das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) in der «Milieu-Statistik» das Ausmass und Entwicklungen im Sexgewerbe in Zahlen zu fassen. Seit dieser Woche liegen nun die Zahlen zum Jahr 2015 vor.

Eine Tendenz, die sich seit Jahren beobachten lässt, ist die Zunahme der Frauen, die vom sogenannten Meldeverfahren Gebrauch machen. Damit können Frauen aus EU-Ländern innerhalb der Personenfreizügigkeit für jeweils 90 Tage pro Jahr in der Schweiz anschaffen gehen. 2015 gingen beim zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) insgesamt 6887 Meldungen von 2015 Frauen ein. Wenn eine Sexarbeiterin drei Monate in die Schweiz kommt, dabei jedoch mehrmals die Stadt wechselt, muss sie sich jeweils wieder neu anmelden.

Weniger Schweizerinnen im Gewerbe

Im Rahmen dieser Anmeldung wird auch das Herkunftsland erfasst, so lässt sich recht genau aufzeigen, welche Nationalitäten die Prostituierten in Basel aufweisen. Die absolute Mehrheit aller Frauen, die in Basel ihre sexuellen Dienste anbieten, kommt demnach aus Ungarn. «Die meisten dieser Frauen sind Roma», sagt Martin Schütz, Mediensprecher beim JSD. Auf Platz zwei und drei der Herkunftsländer liegen mit Deutschland und Spanien zwei Länder aus dem näheren Ausland, die man dort nicht gerade vermuten würde. Schütz präzisiert denn auch: «Bei den Spanierinnen etwa handelt es sich oft auch um eingebürgerte Südamerikanerinnen.»

Die grosse Anzahl ungarischer Roma hinterlässt Spuren. Seit die Personenfreizügigkeit auch Ungarn umfasst, wurde das Klima im Basler Milieu deutlich rauer. Das sagen Sexarbeiterinnen, zuständige Hilfs- und Präventionsinstitutionen sowie die Kantonspolizei. Der Preisdruck sei erheblich gestiegen, ebenso der Druck, gefährliche Praktiken wie ungeschützten Sex anzubieten, sagt Schütz. Noch einmal verschärfen wird sich die Situation, wenn im Juni die Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien ausgeweitet wird. «Wir rechnen damit, dass in der zweiten Jahreshälfte die Meldungen von Frauen vor allem aus Rumänien sprunghaft ansteigen werden», sagt Schütz.

Diese Entwicklung lässt sich auch daran ablesen, dass die Anzahl Schweizerinnen im Gewerbe seit Jahren im Sinken begriffen ist. Während 2010 noch über 860 Sexarbeiterinnen mit Schweizer Pass oder Arbeitsbewilligung aktiv waren, hat sich diese Zahl bis heute auf 375 mehr als halbiert. Weitere geschätzte 400 Frauen bieten in Basel illegalerweise sexuelle Dienste an, sie stammen aus Drittstaaten und halten sich als Touristinnen in Basel auf. Der erhöhte Konkurrenzdruck könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Gesamtzahl aller Prostituierten, die innerhalb eines Jahres in Basel tätig waren, 2014 stark eingebrochen ist. Heute arbeiten wieder ungefähr gleich viele Frauen im Milieu wie 2011.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Anzahl Etablissements. Diese ist in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. Drastisch ist der Einbruch bei den Cabarets, deren Zahl innerhalb eines Jahres von 16 Lokalen auf 9 gesunken ist. 2015 war das letzte Jahr, in dem Frauen aus Drittstaaten (ausserhalb der EU) eine Arbeitsbewilligung für Tanz- und Stripteaseauftritte in Schweizer Cabarets bekommen haben. Das sogenannte Tänzerinnen-Statut wurde per 1. Januar 2016 abgeschafft. Seither finden die Striplokale kaum noch Tänzerinnen.

Konversation

  1. Die Halbwelt in dieser Szene hat mit der hiesigen Doppelmoral zu tun: Fast jeder weiss es, wo es das gibt, aber legalisieren, offizialisieren und damit auch Arbeiter-Schutz-Gesetzte durchsetzen, …. davon ist man weit entfernt.
    Es ist ja fast wie beim Cannabis: Jeder, der es braucht, weiss, wo man es haben kann, ebenso wohl auch die Polizei (, wenn sie es denn wollte).
    Die Kunden beweisen ja den Bedarf. Also wäre es Zeit, diese Strukturen zu organisieren.

    ….oder verdienen edle valable Leute daran, wie damals am Saisonnier-Statut?
    Der Preis davon war und ist die Unmenschlichkeit.

    P.S.: Wenn man den katholischen Pfarrern endlich das Heiraten nahelegen würde, wäre es weniger Tummelplatz von Pädophilen.

    Eigentlich müsste auch der Vatikan eine „Unterkörper-Bedürfnis-Befriedigungs-Anstalt“ haben.

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  2. Man/Frau sollte die Sexarbeit nicht immer mit der Moral aufwiegen, sondern sie mit den ökonomischen Verhältnissen der SexArbeiterInnen im Herkunftsland in Verbindung bringen. Es wird immer Männer jeglichen Alters geben, die sich weder Freundin noch Ehefrau „halten“ können. Das sollten alle einsehen!

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  3. Das sind für mich immer wieder erstaunliche Zahlen – bei rund 800 Frauen die ihre Dienste anbieten, da muss ja wohl jede mehrere Kunden pro Tag haben. Damit dieses Geschäftsmodell funktioniert, das heisst das jeden Tag mehrere Tausend Männer zu diesen Damen gehen ?

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