Jungle Street Groove droht das Aus

Der Kanton drückt den Organisatoren der Parade für elektronische Musik neu die Kosten für Polizei und Verkehrssperrungen auf. Unter diesen Bedingungen kann der Jungle Street Groove 2014 nicht mehr stattfinden.

Die 13. Ausgabe der Jungle Street Groove im 2010 lockte 8000 Besucher an. (Bild: Keystone/ Georgios Kefalas )

Der Kanton drückt den Organisatoren der Parade für elektronische Musik neu die Kosten für Polizei und Verkehrssperrungen auf. Unter diesen Bedingungen kann der Jungle Street Groove 2014 nicht mehr stattfinden.

Seit Jahren ist der Jungle Street Groove (JSG) der traditionelle Treffpunkt der elektronischen Szene schlechthin. Die letzte Parade im 2010 vom Münsterplatz zum Klingentalgraben lockte rund 8000 Tanzlustige an. Am 1. September 2012 geht der JSG zum 14. Mal über die Bühne – vielleicht aber zum letzten Mal. Denn die Auflagen für den seit 1995 existierenden Marsch werden von Jahr zu Jahr strenger. Neu muss der JSG auch die Kosten für Polizei und Signalisation selber berappen.

Der Kanton verlangt für die dreistündige Parade 7000 Franken. Zu viel für einen sechsköpfigen Verein, der sich durch Einnahmen aus dem Getränkeverkauf und der Afterparty finanziert. «Wir haben deswegen massive Probleme. Wenn wir bis in zwei Jahren keine andere Lösung finden, können wir die Durchführung der JSG vergessen», sagt OK-Mitglied Alain Szerdahelyi gegenüber der TagesWoche.

Bisher konnte die Parade knapp finanziert werden – ehrenamtlich, ohne Sponsoring und ohne Stiftungsgelder. Der Betrag für die Polizei und Signalisierung fehle dem Verein in der Kasse, sagt das OK-Mitglied. «Obwohl die Verwaltung uns in gewissen Fragen entgegengekommen ist – etwa mit 20 Prozent Gebührenreduktion – wird unserer Meinung nach zu wenig Rücksicht darauf genommen, dass wir eine unkommerzielle Veranstaltung sind und solche Beträge eine existenzielle Bedrohung für den Jungle Street Groove sind.»

Verkürzte Route

Derzeit versucht der Verein, die Mehrkosten für die diesjährige Parade durch Spenden auf der Crowdfunding-Plattform «wemakeit» aufzutreiben. Rund 2300 Franken konnten bis jetzt zusammengekratzt werden – die Organisatoren sind zuversichtlich, auf die nötigen 7000 Franken zu kommen.

Dennoch sind für Szerdahelyi die neuen Auflagen «entmutigend». Nicht einleuchten will ihm, weshalb der Kanton für einen dreistündigen Anlass so viel Geld verlangt. Hinzu kommt dass die diesjährige Route kürzer ist. So wird der JSG nur vom Schaffhauserrheinweg bis zum Klingentalgraben stattfinden. Die Durchführung der Parade über die Wettsteinbrücke wurde nicht bewilligt – wegen Bauarbeiten. «Wir bezweifeln, dass die Bauarbeiten ausschlaggebend waren. Als Kompromiss wurde deshalb ein Start ab Schaffhauserrheinweg abgemacht.»

Schuld ist eine Gesetzesänderung

Laut Marc Keller, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, haben die neuen Kosten mit einer Änderung im Polizeigesetz zu tun. Seit 2012 wird der Polizeiaufwand für Veranstaltungen verrechnet. «Konsequenterweise ziehen wir mit und berechnen deshalb auch den Aufwand, den wir mit der Signalisation haben.» Diese Regelung würde für alle Veranstalter gelten, sagt er.

Claudio Miozzari, Geschäftsführer von Kulturstadt Jetzt bedauert, dass die Parade nun mit Turbulenzen zu kämpfen hat. «Solche Anlässe müssen gefördert werden, nicht umgekehrt», sagt er. Er habe das Gefühl, dass es in Basel-Stadt immer mehr Auflagen gebe. Es bestehe die Tendenz, Sachen verunmöglichen zu wollen. Und: «Beim Jungle Street Groove handelt es sich um einen bescheidenen Anlass. Es wäre bedenklich, wenn nicht mal mehr solche Veranstaltungen über die Bühne könnten. Das wäre ein grosser Verlust für Basel.»

 

Rund 8000 Personen feierten am Jungle Street Groove vor zwei Jahren. Nun ist der Anlass bedroht.

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