Keine Deutschkurs-Pflicht für Expats

Hochqualifizierte Einwanderer aus Drittstaaten, sogenannte Expats, müssen im Baselbiet keine Deutschkurse mehr besuchen. Das Deutschlernen wird zwar weiterhin empfohlen, ein Sprachkursbesuch ist aber freiwillig.

Der Baselbieter Regierungsrat hat eine Praxisänderung bei der Integration von Expats beschlossen: Hochqualifizierte Ausländer benötigen bei einer voraussichtlichen Aufenthaltsdauer von mehr als zwei Jahren lediglich eine Integrationsempfehlung und nicht mehr eine Integrationsverpflichtung.

Der Baselbieter Regierungsrat ist der Auffassung, «dass für alle Ausländerinnen und Ausländer die Verpflichtung gilt, sich mit den hiesigen gesellschaftlichen Verhältnissen auseinanderzusetzen und sich die dafür notwendigen Sprachkenntnisse zu verschaffen». Der Spracherwerb sei für eine erfolgreiche Integration zentral, die nach den Vorstellungen des zukünftigen Ausländergesetzes vermehrt über Schulen und Betriebe erfolgen solle.

Damit beantwortete die Regierung eine entsprechende Interpellation von Christoph Buser, FDP-Landrat und designierter Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, und folgt der Empfehlung des «Runden Tisches Integration».

Praxisänderung soll Wirtschaft helfen

Mit der Praxisänderung könnten Standortnachteile für die Wirtschaft vermieden werden, «die auf hoch qualifizierte Personen aus Drittstaaten angewiesen ist», schreibt die Regierung in einer Medienmitteilung. Dieses Vorgehen bewähre sich auch in Nachbarkantonen. Bei den Erstinformationsgesprächen mit Expats klärt das Amt für Migration vorgängig ab, ob mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als zwei Jahren zu rechnen ist oder nicht. Bleiben hochqualifizierte Ausländer mehr als zwei Jahre im Kanton, benötigen sie lediglich eine «Integrationsempfehlung» – die «Integrationsverpflichtung» entfällt. Expats aus Drittstaaten, die weniger als zwei Jahre im Baselbiet wohnen, waren schon bisher von der Integrationsverpflichtung ausgenommen.

Bei diesen Personen stünden die «kulturellen und gesellschaftlichen Aspekte» im Hintergrund, weil sie nicht «die Absicht des dauernden Verbleibens» in der Schweiz hätten, so die Regierung. Die berufliche Integration sei bereits gegeben, da die Expats durch ihre Arbeitgebender «aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten sowie der gegebenen Qualifikation als Spezialistinnen und Spezialisten» rekrutiert und in die Schweiz geholt worden seien.

Die Wirtschaftskammer begrüsst die Änderungen bei den Integrationsvereinbarungen. «Hochqualifizierte Expats fallen in der Regel dem Kanton in keiner Weise zur Last, indem sie etwa arbeitslos oder gar sozialhilfeabhängig werden», sagt Christoph Buser. «Es macht daher wenig Sinn, solche Einwanderer zu Sprachkursen zu zwingen.»

Konversation

  1. Meine Schwester und ihre Familie gehören dazu.
    Ich weiss es nicht, ob das überall so ist. Sie sind einerseits von den Firmen verwöhnt, andererseits stellt die Firma auch Anforderungen betreff Sprachen. Und da gehört Deutsch nicht unbedingt dazu. Am allermeisten sind Englisch und/ oder Spanisch aber sehr wohl verlangt. Es kommt eben drauf an, welche Sprache in der Firma verlangt wird.
    Verwöhnt war meine Schwester mit ihrer Familie, was das Wohnen und der Wohnortswechsel betraf. Ihnen wurde das Zügeln, auch nach Uebersee, bezahlt. Sie mussten das Handgepäck für ein paar Wochen einpacken. Dann den Schlüssel mit einem Plan, wo die Möbel am neuen Ort hinkommen, abgeben. Dann wohnten sie, von der Firma bezahlt, am neuen Ort im Hotel, bis die neue Wohnung oder das Haus fertig eingerichtet war. Das Zügeln, die Miete der Wohnung oder des Hauses zahlt, neben einem sehr guten Lohn, die Firma.
    Deren Kinder kommen auch meist in International Schools, weil sie so nicht dauernd die Schulsprache wechseln müssen und englische, im Gegensatz zu anderssprachigen, internationale Schulen gibt es nun einfach in den meisten Ländern.

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  2. Selbstredend ist es ein Zeichen von Höflichkeit, Touristen und Kurzaufenthaltern gegenüber so gut es geht zu helfen, sie zu unterstützen und ihnen einen angenehmen Aufenthalt bei uns zu ermöglichen, auch wenn sie nicht Deutsch, Französisch oder Italienisch sprechen.

    Hingegen erlebt man immer wieder bei Expats und deren Angehörige welche nicht über die örtlichen Sprachkenntnisse verfügen, dass sie von den Einheimischen, Angestellten in Geschäften, Restaurants etc. erwarten, dass diese sie verstehen. Mit der neuen Regelung unterstützt die Baselbieter Regierung diesen selbstherrlichen Egoismus. Die hier Lebenden haben sich gefälligst anzupassen.

    Sobald jemand für einen längeren Zeitraum zu uns kommt um hier zu arbeiten, sollte er sich in seinem Wohnumfeld in der hiesigen Landessprache zumindest rudimentär verständigen können. Da es sich wie von der Regierung beschrieben um gut ausgebildete und intelligente Personen handelt, dürfte das Erlernen einer neuen Sprache für diesen Personenkreis machbar sein. Für mich ist es Arrogant, wenn sich Angehörige von Expats weigern die Sprache ihrer Wohngemeinde zu lernen und sich lauthals, teilweise in den Medien, darüber beschweren, dass sie von der Bevölkerung nicht „integriert“ bzw. „verstanden“ werden. Somit entstehen zunehmend Parallelgesellschaften, welche über einen kürzeren oder längeren Zeitraum zu Problemen führen müssen.

    Ich gehe nicht davon aus, dass es mir möglich wäre in den USA mit Deutsch weit zu kommen. Spätestens an der ersten offiziellen amtlichen Stelle ist Schluss und definitiv würde ich keine Arbeitsbewilligung erhalten. Desgleichen in vielen anderen Ländern.

    M.E. dürfen wir so selbstbewusst sein von den Expats und deren Angehörigen auch Wertschätzung uns gegenüber zu verlangen. Bevor sie in ihrer Muttersprache schludrig und schnell mit ihren Anliegen loslegen, ist es angebracht uns auf Deutsch zu fragen, ob wir die betreffende Sprache sprechen. Dies würde bei dem betroffenen „Einheimischen“ eine grosse Portion guten Willen und Unterstützungsbereitschaft hervorrufen.

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  3. Expads bleiben meist nicht lange, sind wenige, im Baselbiet gut verteilt, fallen nicht sonderlich unangenehm auf, was der Teufel soll dieses Theater?
    Hier in der Region haben wir anderes bei der Integration zu bewältigen als Expads Deutsch beizubringen.

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  4. Das steht die Baselbieter Regierung also offiziell dazu, dass in ihren Augen nicht alle gleich sind. Mir wird ganz anders. Wer hochqualifiziert ist, muss sich nicht anpassen – alle anderen schon. Ganz grossartig!
    Und noch „schöner“ ist die Aussage von Wirtschaftskammer-Chef: «Hochqualifizierte Expats fallen in der Regel dem Kanton in keiner Weise zur Last, indem sie etwa arbeitslos oder gar sozialhilfeabhängig werden», sagt Christoph Buser.
    Ist das Ihr Ernst? Nur Menschen, die eh schon genug Probleme am Hals haben, müssen sich also um Integration und Anpassung bemühen? Ist das wirklich Ihre Idee von Gleichbehandlung und Gerechtigkeit? Ich bin entsetzt.

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  5. Ich unterhalte mich mit einem anderen Ausländer lieber auf Englisch als das ich ein „isch nix verstehen Deutsh“ höre, zumal ein Schweizer, der kein Englisch können will, rückständig ist.

    Karl: Einen überbezahlten Sportler der von Fankult lebt als Beispiel zu nehmen passt irgendwie nicht.

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  6. Aber wieso denn? Da hält sich ja eh niemand mehr dran.

    Wenn ich auf der Webseite des Bundesgerichtes bei „Suche“, „Verstoss gegen die BV 2011“ eingebe, erscheint auf meinem Bildschirm: „Found 1197 results“ Das heisst, jetzt mal rein rechnerisch gesehen, 3.279452 „Zuwiderhandlungen“ pro Tag. Also inklusive der Samstage, der Sonntage, der Feiertage, wie etwa der 1. Januar, Weihnachten, Ostern usw. Vor allem aber auch am 1.August, trotz der an diesem Tag zelebrierten vaterländisch hehren Reden. Die Schweizerische Bundesverfassung ist demnach letztlich genauso durchlöchert wie ein AOC Emmentaler Käse. Passt doch bestens zusammen!

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  7. Einwanderung ist kein Je-ka-mi, sondern setzt ein Geben und Nehmen voraus. Keine Gesellschaft, weder die schweizerische noch eine andere, ist erpicht darauf, eine Einwanderung in die Sozialsysteme gutzuheissen. Sogar der ex-SP-Präsident Levrat hat diesen Grundsatz vor den Wahlen letztes Jahr eingesehen. Eine gesteuerte Einwanderung braucht es jedoch sehr wohl. Es hat nichts mit fehlender Moral zu tun, wenn wir unterscheiden, ob jetzt jemand zwingend deutsch lernen soll, um sich beruflich durchzusetzen, oder ist er auch mit englisch schon bestens integriert ist (zumal es bei Expats häufig Leute sind, die nur in einer Zwischenphase hier leben und dann weiterziehen). Es geht um Professionalität. Die Rahmenbedingungen sollten dies vorgeben. Es nützt auch einem schlecht Integrierten nicht viel, wenn er beruflich keine Perspektive vorfindet und nur von Sozialtransfers existieren kann. Deshalb ist das Erlernen der Sprache Pflicht. Mir ist es persönlich aber ziemlich egal, ob ein Scott Chipperfield auch nach 11 Jahren noch kein Deutsch spricht, solange er so gut durchs Leben kommt, und für sich sorgen kann.

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  8. Oha, da müssen wir aber noch vorher Artikel 8 der Schweizerischen Bundesverfassung ändern, der da heisst: „Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung…“ et cetera.
    Vorschlag neuer Baselbieter Zusatz: „Eine Vorzugsbehandllung einzelner Bevölkerungsgruppen ist hingegen aufgrund höherer Bildung, besseren Einkommens oder auf Druck der Wirtschaftsverbände möglich“

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  9. Hat noch jemand daran gezweifelt, dass es Ausländer erster und zweiter Klasse gibt (Anmerkung am Rande: wie ja auch angestrebt wird, Schweizer in solche erster und zweiter Klasse einzuteilen)? Wenn ja, dann haben wir hier den Beweis dafür. Während von den einen gefordert wird, dass sie sich integrieren und unsere Sprache lernen, ist dies bei den anderen im Namen der Wirtschaft nicht nötig.

    Fazit: solange wir Schweizer profitieren können, ist Integration kein Thema.

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