Keine Panik! Noch gibt es in Basel kaum Tigermücken 

Alarm, eine Tigermücke! Solche Meldungen erhielt das Schweizerische Tropeninstitut in Basel in letzter Zeit zu Dutzenden. Bloss entpuppten sich diese Meldungen allesamt als Fehlalarme.

Sollten Sie so eine Mücke auf Ihrem Körper beobachten, dann bewahren Sie bitte Ruhe. Denn zu einer Krankheitsübertragung durch eine Asiatische Tigermücke kam es in der Schweiz noch nie.

Dengue, Chikungunya und Zika: Der Katalog an Krankheiten, die eine Asiatische Tigermücke übertragen kann, klingt grausig. Und dann breitet sich dieser ungebetene Gast aus Südostasien auch noch zunehmend in der Schweiz aus: Zuerst im Tessin, dann in Graubünden und auch in Basel wurden Tigermücken gesichtet.

Vom Süden her wandert das Insekt als blinder Passagier hauptsächlich über die A2 in die Region, vermuten Forscher. 2015 wurde es erstmals in Basel-Stadt gesichtet, seit 2016 überwachen der Kanton und das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) die Entwicklung intensiv und gehen der Frage nach: Hat es sich die Tigermücke in Basel gemütlich gemacht?

Tigermücke erst Ende August aktiv

«Ob sie sich hier etabliert hat, können wir im Moment nicht sagen», sagt Pie Müller, Forscher am Swiss TPH. An verschiedenen Orten in Basel habe man Fallen aufgestellt. Diese gäben Auskunft, ob die Mücke in Basel überwintert hat oder nicht: «Die Auswertung wird in zwei bis drei Wochen vorliegen», so Müller. Die Situation sei momentan schwierig einzuschätzen, weil die Tigermücke erst gegen Ende Sommer richtig aktiv wird.

Trotzdem: Rund 70 Menschen wollen in diesem Jahr bereits eine Tigermücke entdeckt haben und meldeten das dem Tropeninstitut. Auch bei der TagesWoche hat sich ein Leser aus Basel gemeldet, der glaubte, von einer Tigermücke gestochen worden zu sein. Forscher Müller sagt aber: «Unter dem uns zugesandten Material befand sich keine Asiatische Tigermücke.»

Achtung: leicht zu verwechseln

Ihr Stich ist zwar schmerzhaft, aber ungefährlich: die Ringelmücke.

Wie kommt es dann zu den Meldungen? Laut Müller liegt es an den Streifen. Die Tigermücke ist nicht die einzige gestreifte Stechmücke in der Region. Auch die Asiatische Buschmücke sowie die Ringelmücke weisen Streifen auf. Die Buschmücke, ebenfalls eine eingeschleppte Mückenart, ist laut Müller viel grösser als die Tigermücke. Auch fehlen ihr die deutlich weissen Streifen auf dem Rücken. Die heimische Ringelmücke hat derweil dunkle Flecken auf den Flügeln, im Gegensatz zur Tigermücke. «Für einen Laien sind diese Unterschiede kaum erkennbar», sagt Müller.

Sieht ähnlich aus, heisst auch ähnlich, ist aber etwas ganz anderes: die Asiatische Buschmücke.

Die zahlreichen Meldungen zeigen die Angst, die in der Bevölkerung herrscht. Pie Müller gibt ein Stück weit Entwarnung: «Eine Ansteckung durch eine Tigermücke gab es in der Schweiz nach unseren Kenntnissen bisher nicht.» Bis eine Tigermücke eine Krankheit übertragen könne, müsse sie zuerst eine erkrankte Person stechen. Dann daure es einige Tage, bis sich das Virus in der Mücke entwickelt habe, sodass die Mücke infektiös werde. Diese Zeit müsse das Insekt erst mal überleben.

Je mehr Mücken, desto grösser die Gefahr

Unproblematisch ist die Tigermücke deshalb jedoch nicht. «Je grösser die Population ist, desto höher ist auch die Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden», sagt Müller. Und: «Die Entwicklung deutet darauf hin, dass die  Population in der Schweiz generell ansteigt.»

In Lörrach und Freiburg im Breisgau habe sich die Tigermücke bereits etabliert. Das deute darauf hin, dass dies auch in Basel in absehbarer Zeit der Fall sein könnte. Das interregionale Projekt Tiger soll die Verbreitung der Mücke eindämmen.

Mehr Informationen zur Tigermücke in Basel, und was Sie bei einem Verdachtsfall tun können, finden Sie hier.

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